Blatter: Wiedersehen mit dem Ex

    18. Juni 2018, 16:10
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    Joseph S. Blatter bricht heute zu einer Reise nach Russland auf. Präsident Wladimir Putin hat geladen

    Es ist ein recht unscheinbarer älterer Herr, den die TV-Kameras auf den VIP-Plätzen der russischen WM-Stadien suchen werden. Ein Bild von Joseph S. Blatter, vielleicht sogar direkt neben Wladimir Putin sitzend, würde der Fußballweltverband Fifa zwar nur allzu gern vermeiden, doch den 82-Jährigen, der wie kein anderer für die großen Fifa-Skandale steht, stört das überhaupt nicht.

    Der Sprecher des früheren Fifa-Präsidenten bestätigte die für heute geplante Russland-Reise Blat-ters. Die Einladung kam von Putin höchstpersönlich und gilt sogar bis zum Ende des Turniers. Details sind noch offen – anbieten würde sich ein Besuch der Partie zwischen Europameister Portugal und Marokko am Mittwoch im Moskauer Luschniki-Stadion.

    Eine Privatperson

    Dass Blatter noch bis 2021 "für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten" gesperrt ist, wird kein Hindernis sein. Die Fifa-Statuten verbieten Stadionbesuche als "Privatperson" nicht explizit, schon gar nicht von Putin veranlasste. Der Weltverband kann und wird nur zuschauen.

    Für den amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino sind Blatters Reisepläne ein Problem. Der 48-Jährige wird sich hüten, den Auftritt seines Vorgängers zu kommentieren. Kampflos die Putin-Bühne überlassen kann er ihm aber auch nicht. Schließlich hatte sich Infantino in den vergangenen Tagen als ziemlich bester Freund des Kreml-Chefs inszeniert, schon war von Putinfantino die Rede.

    Den früheren Fifa-Boss, der nach den Genfer Verhaftungen im Mai 2015 vom Thron gestürzt war, und Putin verbindet ebenfalls eine enge Freundschaft – spätestens seit der Vergabe der WM an Russland im Dezember 2010. Putin dankte damals "aus tiefstem Herzen". Blatter gratulierte jüngst zum "beeindruckenden" 5:0 der Russen im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien.

    Unterkühlt

    Zu Infantino pflegt Blatter ein unterkühltes Verhältnis. Wie sein Nachfolger im beschaulichen Wallis aufgewachsen, lässt er kaum eine Gelegenheit aus, die "neue" Fifa wenigstens zwischen den Zeilen zu kritisieren. Den Videobeweis, die Aufstockung der WM auf 48 Teams oder die Querelen um den Verkauf von Wettbewerben hätte es mit ihm nie gegeben, betont er – zuletzt auch im russischen Fernsehen.

    Dafür war in den fast 20 Jahren mit Blatter an der Spitze ein beispielloses Korruptionsnetzwerk entstanden, das weiterhin Gerichte und Ermittler in mehreren Ländern beschäftigt. Blatter weist die Verantwortung dafür zurück. "Das waren die gewählten Vertreter der Konföderationen", sagte er der Schweizer Handelszeitung, angesprochen auf Skandalfunktionäre wie Mohamed bin Hammam aus Katar und Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Ihr Wirken habe mit seiner Person rein gar nichts zu tun gehabt.

    Nicht abgeschlossen

    Gestolpert war Blatter vor drei Jahren tatsächlich nicht über einen der Fälle, die in den USA das FBI beschäftigen, sondern über eine dubiose Millionenzahlung an den deshalb ebenfalls gesperrten früheren Präsidenten des europäischen Fußballbundes (Uefa), Michel Platini. Der Fall ist nicht abgeschlossen, beide wollen ihren Namen reinwaschen. Gelingt das, könnte eine kuriose Diskussion entstehen.

    "Ich wurde 2015 auf vier Jahre gewählt, trat nie zurück, wurde nie abgewählt", sagte Blatter. "Ich habe mein Mandat nur zur Verfügung gestellt, später bin ich wegen der Untersuchung der Bundesanwaltschaft suspendiert worden. Gemäß Statuten muss man einen Präsidenten abwählen." Towarischtsch Putin ist da wohl ganz seiner Meinung. (sid, lü, 18.6.2018)

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    • Two of a kind: Joseph S. Blatter und Wladimir Putin sind seit der Vergabe der WM an Russland Freunde. Dass Putin Blatter zur Endrunde einlud, bringt den Weltfußballverband in eine peinliche Lage.
      foto: apa/ap photo/kurt schorrer, pool

      Two of a kind: Joseph S. Blatter und Wladimir Putin sind seit der Vergabe der WM an Russland Freunde. Dass Putin Blatter zur Endrunde einlud, bringt den Weltfußballverband in eine peinliche Lage.

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