Zwölfstundentag: Shitstorm gegen Video der Wirtschaftskammer

    18. Juni 2018, 16:02
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    "Höchstlevel der Weltfremdheit" – Verband wirbt für neue Arbeitszeitregelung und erntet heftige Kritik auf Youtube

    "Geht's dem Werner gut, dann geht's der Erna gut", so startet ein neues Video der Österreichischen Wirtschaftskammer. Umgesetzt als Musikvideo im Stop-Motion-Look wirbt man in "Willkommen in der neuen Welt der Arbeit" für die neue Arbeitszeitregelung, welche die türkis-blaue Bundesregierung bald zur Abstimmung bringen will.

    "Hat dieses Video die 'Tagespresse' gemacht?"

    Der dreiminütige Clip, in dem das Vorhaben entgegen so mancher Einschätzungen von Gewerkschaft und anderen Experten als enorm vorteilhaft für Arbeitnehmer dargestellt wird, ist bislang allerdings wenig populär. Er verzeichnet erst rund 5.000 Aufrufe, dafür allerdings schon erstaunlich viele Bewertungen. Etwa jeder zehnte Besucher hat mittels Klick oder Kommentar seine Meinung kundgetan. Mit 470 "Daumen runter" zu zehn "Daumen rauf" ist die Tendenz eindeutig.

    wirtschaftskammer österreich

    Das setzt sich auch in den Kommentaren fort. "Das Höchstlevel für Weltfremdheit wurde mal wieder ausgebaut", erklärt etwa ein User. Mehrfach fällt auch das Wort "Propaganda". "Hat dieses Video die 'Tagespresse' (ein Satiremedium, Anm.) gemacht?", ist sich ein weiterer über den Urheber nicht sicher. "Bei diesen lieblichen Tönen stört es mich auch nicht, wenn ich nicht mehr an den See kann und stattdessen im Büro schwitzen muss", lässt es ein anderer sarkastisch anklingen.

    Brisantes Thema

    Die Kommentare spiegeln die Brisanz des Themas wider. Während die ÖVP sich schon länger für eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten starkgemacht hat, war die FPÖ vor ihrer Regierungsbeteiligung noch strikt dagegen. 2013 hatte Parteichef und der jetzige Vizekanzler Heinz-Christian Strache den Zwölfstundentag gegenüber dem "Kurier" noch als "asoziale, leistungsfeindliche Idee" bezeichnet.

    Es ist nicht die erste Welle der Aufregung, die sich online über Befürworter der Regierungsvorlage ergießt. Schon im Dezember, als das Regierungsvorhaben bekannt wurde, sah Strache sich auf seinem eigenen Profil mit zahlreichen wutentbrannten Kommentaren konfrontiert. Als der FP-Chef im Mai bei einem Fernsehauftritt einer Mutter erklärte, dass ihr Chef schon akzeptieren werde, wenn sie aufgrund ihrer Kinder keine Überstunden machen könne, brach erneut ein Shitstorm auf sozialen Medien aus. (gpi, 18.6.2018)

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