Schweizer Nuss war für Brasilien zu hart

    17. Juni 2018, 22:20
    426 Postings

    Der Titelkandidat ließ schon zum Auftakt gegen wackere Schweizer Federn. Zubers Kopfball konterte Coutinhos Prachtschuss

    Rostow – "Für einen Trainer ist ein Unentschieden ein halbes Resultat, wir wollen das Maximum rausholen", sagte Vladimir Petkovic, Trainer der Schweizer Nati. Wer in den letzten zwei Jahren nur ein Spiel verloren hat, darf den Mund voll nehmen, auch wenn Brasilien vor der Tür steht.

    An diese klopfte es erstmals von Schweizer Seite, Dzemaili vollierte über das Tor. Zehn Minuten waren die Eidgenossen feldüberlegen, dann übernahm Brasilien: Der Schweizer Schär leitete einen brasilianischen Querpass weiter, Paulinho kam zum Ball, schob diesen aber am langen Eck vorbei.

    Das nächste Klopfen war wieder brasilianisch, gar ein formidabler Knall. Coutinho richtete sich den Ball 18 Meter vor dem Tor her und zündete den perfekten Schuss. Via Innenstange ins Eck gezirkelt; könnte man "unhaltbar" steigern, man müsste es hier tun (20.).

    foto: ap/andre penner
    Coutinho (nicht im Bild) trifft perfekt zum 1:0 für Brasilien.

    Es entspann sich gegenseitige Neutralisierung auf hohem Niveau, unterbrochen von kollektivem Luftholen nach einem Neymar-Eckball – Jesus köpfelte diesen aber partout in Richtung des Flankengebers anstatt das halbleere Tor anzuvisieren. Die Schweizer, nun ja, exemplarisch ihre beste "Chance" von der 4. bis 45. Minute: Zuber schoss 14 Meter vor dem Tor, malträtierte aber nur Thiago Silvas Schläfe.

    foto: apa/afp/khaled desouki
    Eine der sehr raren Möglichkeiten der Schweizer verwertete Zuber trocken zum 1:1.

    Halbzeit zwei, Zuber war dabei. Gut so: Eckball Shaqiri, Kopfball Zuber, Ausgleich (50.). Bewacher Miranda wurde mit einem wohlplatzierten Schubser in Schach gehalten, zeigte aber ohnehin wenig Verteidigungswillen. Brasilien versuchte es mal ruhig, mal flott, mal direkt, mal brasilianisch kombinatorisch. Die Schweiz hatte Antworten darauf. Die wichtige Neymar-Frage beantwortete meist Privatwächter Behrami, er wurde ausgewechselt, nachdem er wie Lichtsteiner und Schär für ein Foul an dem Superstar Gelb gesehen hatte.

    Minute 70: Neymar flankt ideal auf Coutinho, der stoppt den Ball mit der Brust, schießt volley – daneben. Minute 73: Shaqiri kontert, setzt Dzemaili ein – ein Edelroller. Wieder Minute 73: Akanji hält Gabriel Jesus im Strafraum, der hebt theatralisch ab – kein Elfer.

    Brasilien widmete sich zusehends Weitschüssen: Fernandinho scheiterte, Neymar scheiterte, der eingewechselte Firmino scheiterte. Schweizer Konter fanden keinen Abschluss. Minute 88: Neymar köpfelt in Sommers Arme. Firminos folgender Kopfball war weit präziser, Sommers Reaktion umso glänzender (90.).

    Die letzte Chance entschärfte Schär vor der Linie (95.), Petkovic hatte sein "halbes Resultat". Es war nicht das Maximum, seiner Zufriedenheit dürfte das jedoch keinen Abbruch getan haben. (Martin Schauhuber, 17.6.2018)

    Fußball-WM in Russland, Gruppe E, Sonntag

    Brasilien – Schweiz 1:1 (1:0)
    Rostow, Rostow-Arena, 43.100 Zuschauer, SR Cesar Ramos Palazuelos (MEX)

    Torfolge:
    1:0 (20.) Coutinho
    1:1 (50.) Zuber

    Brasilien: Alisson – Danilo, Thiago Silva, Miranda, Marcelo – Paulinho (67. Renato Augusto), Casemiro (60. Fernandinho), Philippe Coutinho – Willian, Gabriel Jesus (79. Firmino), Neymar

    Schweiz: Sommer – Lichtsteiner (87. Lang), Schär, Akanji, Rodriguez – Behrami (71. Zakaria), Xhaka – Shaqiri, Dzemaili, Zuber – Seferovic (80. Embolo)

    Gelbe Karten: Casemiro bzw. Lichtsteiner, Schär, Behrami

    Stimmen:

    Philippe Coutinho (Torschütze Brasilien): "So ist das bei einer WM, die Auftaktspiele sind immer ganz besonders schwierig. Wir hätten gerne gewonnen. Beim Gegentor war es für mich ein klares Foul des Schweizers, aber wir müssen jetzt an das nächste Spiel denken. Wir haben es verabsäumt, das zweite Tor zu schießen. Jetzt müssen wir die anderen Resultate liefern."

    Yann Sommer (Torhüter Schweiz): "Wir haben es gut gemacht, wirklich gut gemacht. Generell haben uns die Brasilianer nicht viel Zeit gelassen, um durchzuschnaufen. Andererseits war uns schon vor dem Spiel bewusst, dass die Brasilianer zu Chancen kommen würden. Wir haben uns in der ersten Halbzeit etwas zu sehr nach hinten drücken lassen. Die Reife einer Mannschaft zeigt sich aber auch darin, dass eine Mannschaft das wegstecken kann und diese kritische Phase überwindet. Wir haben nach der Pause mutig gespielt. Natürlich braucht man in solchen Partien auch das Quäntchen Glück."

    Vladimir Petkovic (Teamchef Schweiz): "Das Wichtigste heute war, dass die Mannschaft stets an sich geglaubt hat. Wir sind ruhig geblieben, auch als es in der ersten Halbzeit noch nicht optimal gelaufen ist. Nach dem Ausgleich haben wir souverän gespielt, sind weiter ruhig geblieben und haben uns bemüht, weiter nach vorne zu spielen. Wir haben etwas Glück benötigt, und das haben wir am Ende gehabt. Und gerade weil auch der Gegner Brasilien gut gespielt hat, bin ich überzeugt, dass dies ein sehr wertvolles Resultat ist."

    Steven Zuber (Torschütze Schweiz): "Das Tor ist natürlich schön für mich, aber die ganze Mannschaft hat den Punkt geholt. Wer das Tor schießt, ist nicht so wichtig. Ich habe nicht verstanden, warum beim Tor so rumgemotzt wurde, das war ein ganz normaler Zweikampf. Im ersten Spiel weiß man nie so recht, was und wie es bedeutet. Der Punkt ist okay, aber wir wollten gewinnen."

    Miranda (Spieler Brasilien): "Es ist ein Unentschieden, aber das ist nur der Anfang. Wir haben gewusst, dass es nicht leicht werden wird. Als ich hingefallen bin (vor dem Gegentor, Anm.), hätte ich noch mehr auf den Schubser hinweisen können. Aber es gibt den Videoschiedsrichter. Sie haben es gesehen, aber sie haben nicht gesehen, dass es mehr war. Das Leben geht weiter, wir denken von Spiel zu Spiel. Das nächste Mal holen wir drei Punkte."

    Gianni Infantino (Fifa-Präsident): "Das ist ein schöner Abend für den Fußball und die Schweiz. Kompliment an Vladimir Petkovic und das Team. Brasilien ist ein Riesenteam mit extrem hoher Qualität. Dass man da mit den Schweizer Tugenden wie Kampfgeist und Teamspirit mithalten kann, zeigt: Der Fußball ist einmalig."

    Live-Nachlese:

    Brasilien gegen die Schweiz nur remis

    Weiterlesen:

    Ergebnisse, Spiele und Tabellen zur WM 2018 im Überblick

    Interaktiv: Fragen und Antworten zur Fußball-WM 2018

    Public Viewing in Österreich

    WM-Tippspiel

    WM-Stadien im Überblick

    Alle Teilnehmer der Fußball-WM

    Alle Artikel zur Fußball-WM 2018 auf unserer Themenseite

    Spielplan zur WM 2018 in Russland als PDF zum Download

    • Neymar war laut Trainer Tite nicht bei 100 Prozent, den anwesenden Teil kontrollierte Valon Behrami.
      foto: apa/afp/jewel samad

      Neymar war laut Trainer Tite nicht bei 100 Prozent, den anwesenden Teil kontrollierte Valon Behrami.

    Share if you care.