Namensstreit in Mazedonien: Jetzt muss die EVP ran

Kommentar17. Juni 2018, 19:10
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Die Lösung der Namensfrage zwischen Mazedonien und Griechenland rückt näher

Alle feindlichen Aktivitäten wie Chauvinismus und Revisionismus sollen von den Vertragsparteien verhindert werden, heißt es in Artikel sechs des Abkommens zur Lösung der Namensfrage zwischen Mazedonien und Griechenland. In Artikel sieben wird versucht, die "hellenische Tradition" zu schützen, was indirekt gleich den Kern des Problems offenbart, um den so viele auf dem Balkan kreisen: die unsichere Nationsbildung.

Gerade weil in Südosteuropa Nationen nicht als historische Konstrukte verstanden werden, sondern die Bürger an Abstammungsgesellschaften glauben, fühlen sie sich ständig bedroht und dazu berufen, sich von den vermeintlich ganz anderen abzugrenzen. Denn sie ahnen letztlich alle, dass diese Abstammungslehre nicht beweisbar ist.

Diese unsichere Identität ist auch der Grund für den irrationalen Namensstreit, der nun beigelegt werden könnte. Was für die Verfassungsänderung noch fehlt, ist die Zustimmung der Oppositionspartei VMRO-DPMNE, die mit der Europäischen Volkspartei (EVP) verschwestert ist. Nur die EVP ist in der Lage, mit massivem Druck die VMRO zum Einlenken zu bringen – und sie muss das tun, wenn sie sich dem europäischen Geist verpflichtet fühlt, denn für Mazedonien geht es um eine Zukunft in EU und Nato.

Zudem gibt es überhaupt keinen Grund, mit der VMRO sanft umzugehen, denn in ganz Europa gab es keine andere Partei, die bis 2015 den Staat derartig skrupellos unterlaufen hat wie die Nationalisten in Skopje. (Adelheid Wölfl, 17.6.2018)

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