Island holt gegen Argentinien 1:1, Messi verschießt Elfer

16. Juni 2018, 17:13
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Aguero bzw. Finnbogason treffen zum Auftakt der Gruppe D, der WM-Debütant hält den Mitfavoriten in Schach

Moskau – Argentinien hat zum Start in die Fußball-WM in Russland enttäuscht. Der zweifache Weltmeister kam am Samstag in Gruppe D nur zu einem 1:1 gegen Island. Der WM-Debütant schrieb mit dem überraschenden Punktgewinn hingegen sein Fußballmärchen weiter, auch weil Superstar Lionel Messi einen Elfmeter vergab (63.).

Zwar ging der Favorit dank Sergio Aguero plangemäß in Führung (19.), kassierte aber wenig später den Ausgleich durch Alfred Finnbogason (24.). Weil die ideenarme Albiceleste ihre Feldüberlegenheit bis zuletzt nicht ausspielen konnte, ertönte auch im Spartak-Stadion von Moskau am Ende das isländische "Huh".

Destruktive Isländer

Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli setzte, wie bereits am Vortag verkündet, auf eine 4-2-3-1-Formation und Aguero im Sturm vor Kapitän Messi, der von den Flügeln Angel Di Maria und Maximilano Meza unterstützt wurde.

Argentinien wurde allerdings in der Anfangsphase nur durch Standardsituationen gefährlich: Einen Messi-Freistoß scherzelte Nicolas Tagliafico mit dem Kopf knapp daneben (8.). Island zog vor dem Tor zwei kompakt stehende Defensivreihen auf – und profitierte von einem fatalen Fehlpass in Argentiniens Hintermannschaft: Birkir Bjarnason nützte die Großchance aber nicht (10.).

Schneller Ausgleich

Die Führung der Albiceleste resultierte aus einer tollen Einzelleistung von Aguero, der Ragnar Sigurdsson stehen ließ und trocken aus der Drehung abschloss (19.). Die Auswahl des nach der Bevölkerung kleinsten Landes (332.000), das sich je für eine WM-Endrunde qualifiziert hat, zeigte sich aber keineswegs geschockt: Finnbogason staubte zum ersten WM-Tor in Islands Fußballgeschichte ab (23.). Willy Caballero, Argentiniens 35-jähriger WM-Debütant im Tor, hatte einen abgefälschten Querschläger von Gylfi Sigurdsson nach vorne abgewehrt.

Der Außenseiter zog seinen destruktiven Plan unbeirrt durch und überließ den Südamerikanern meist den Ball. Die Taktik ging auf. Die hochbegabte Offensive um Messi, Aguero und Di Maria sollte bis zuletzt kaum Lücken im dichten Abwehrblock finden.

Messi versagen die Nerven

Als in der 63. Minute aber Hordur Magnusson Aguero mit einer ungeschickten Attacke im Strafraum zu Fall brachte, schien das Spiel seine logische Wendung zu nehmen. Doch Messi scheiterte mit seinem schlecht geschossenen Elfmeter an Halldorsson (64.). Der Star vom FC Barcelona verschoss damit vier seiner letzten sieben Strafstöße für Argentinien und Barca.

Die 41.190 Zuschauer, darunter die argentinische Fußballlegende Diego Maradona, sahen in der Folge, wie die Südamerikaner ein handballartiges Belagerungsspiel aufzogen – und ein ums andere Mal am isländischen Bollwerk abprallten. In der 76. Minute blieb zudem die Pfeife des polnischen Schiedsrichters Szymon Marciniak nach einer Attacke am eingewechselten Cristian Pavon stumm. Weil auch ein exzellenter Fernschuss von Messi knapp vorbeistrich (81.), blieb es beim sensationellen isländischen Punktgewinn im ersten WM-Spiel ihrer Fußball-Geschichte. (APA, 16.6.2018)

Fußball-WM 2018 in Russland, Gruppe D, 1. Runde:

Argentinien – Island 1:1 (1:1). Moskau, Spartak-Stadion, 41.190, SR Marciniak (POL).

Tore: 1:0 (19.) Aguero, 1:1 (23.) Finnbogason

Argentinien: Caballero – Salvio, Otamendi, Rojo, Tagliafico – Mascherano, Biglia (54. Banega) – Meza (84. Higuain), Messi, Di Maria (75. Pavon) – Aguero

Island: Halldorsson – Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson, Magnusson – J. Gudmundsson (65. Gislason), Gunnarsson (76. Skulason), G. Sigurdsson , Hallfredsson, Bjarnason – Finnbogason (89. Sigurdarson)

Gelbe Karten: keiner

Stimmen:

Jorge Sampaoli (Argentinien-Teamchef): "Wir müssen mehrere verschiedene Optionen finden, nach vorne zu kommen. Es ist eine Gruppe mit starker Konkurrenz. Die Umstände des vergebenen Elfmeters und was zu Leo's Fehler geführt hat, ist nur eine weitere Statistik, es ist ein Teil der Vergangenheit. So ist Fußball. Wir müssen als Gruppe stark sein, an uns glauben und wissen, dass wir alle Mittel haben, um jeden zu schlagen."

Lionel Messi (Argentinien-Kapitän): "Es tut mir weh, den Elfer verschossen zu haben. Es ist ein bitteres Gefühl. Wir sind traurig, nicht mit drei Punkten gestartet zu sein. Wir hätten es verdient, das Spiel zu gewinnen. Sie haben praktisch nichts gemacht außer zu verteidigen und Bälle einzuwerfen. Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen. Es gibt auch positive Dinge, die wir mitnehmen können abgesehen vom Unentschieden."

Javier Mascherano (Argentinien-Mittelfeldspieler): "Klar, das ist nicht das beste Gefühl. Es war nicht unser Tag. Wir wollten gewinnen, wir haben alles dafür getan, aber es war schwer. So sind die ersten Partien bei einer Weltmeisterschaft. Aber wir müssen weitermachen, es war erst der Anfang. Wir dürfen uns nicht hängen lassen."

Heimir Hallgrimsson (Island-Teamchef): "Das ist ein großer Erfolg für Island. Ich glaube fest daran, dass Argentinien weit kommen wird bei dieser WM, also ist es ein fantastisches Resultat für uns. Wir konnten ihnen nicht zu viel Platz lassen mit dem Wissen um das Talent, das sie haben. Auch wenn sie einige gute Möglichkeiten hatten, die hatten wir auch. Wir wollten die Räume mehr nutzen als wir das getan haben – aber das ist schwer, wenn du den Ball nicht hast."

Hannes Halldorsson (Island-Torhüter/Spieler des Spiels): "Es ist ein Traum, der wahr geworden ist, diesen Elfmeter zu halten, speziell weil es uns geholfen hat einen Punkt zu holen, der sehr wichtig für uns sein könnte beim Versuch, in dieser Gruppe aufzusteigen. Ich habe viele Hausübungen gemacht, habe mir viele Elfmeter von Messi angeschaut. Und ich habe auch an die Elfmeter gegen mich zurückgedacht und daran, was er möglicherweise von mir erwartet. Ich habe ein gutes Gefühl gehabt, dass er dorthin schießt."

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  • Lionel Messi muss sich im ersten WM-Spiel mit einem 1:1 gegen Island begnügen.
    foto: apa/afp/mladen antonov

    Lionel Messi muss sich im ersten WM-Spiel mit einem 1:1 gegen Island begnügen.

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