Im Land des fetten Lächelns oder Michael Jeannée gegen Wolfgang Fellner

Kolumne16. Juni 2018, 08:00
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Wie der "Krone"zu entnehmen war, hat die Abteilung 017 des Handelsgerichts Wien ihren Postler in seiner Lebensqualität rüde beschnitten

Nichts kann zwei Menschen leichter zusammenfinden lassen als ein Lächeln. Im hiesigen Medienland des Lächelns haben dafür zwei Menschen den Beweis geliefert, die sich eines Lächelns wegen immer wieder zusammenfinden. Vor dem Handelsgericht. Und das alles nur, weil sich Michael Jeannée vom Lächeln Wolfgang Fellners einfach nicht losreißen kann. Was jeder Konsument von oe24.tv verstehen wird, und wovon schon die porträtmäßig unterlegte Ankündigung des Programms in "Österreich" einen flüchtigen Eindruck vermittelt. So oft, wie Fellner dort sein Lächeln dem profanen Blick einer nicht zahlenden Öffentlichkeit aussetzt, dürfte er sich selber für überaus einnehmend halten, wenn vielleicht auch nicht eben aus demselben Grund, aus dem sich Michael Jeannée an seinem Antlitz jahrelang schreibend festgesaugt hat.

Und jetzt das! Wie der "Kronen Zeitung" vom Donnerstag zu entnehmen war, hat die Abteilung 017 des Handelsgerichts Wien ihren Postler in seiner Lebensqualität insofern rüde beschnitten, als es ihm ab sofort zu unterlassen befiehlt, Personenbildnisse des Klägers – Wolfgang Fellner – zu verbreiten, wenn im Begleittext in Bezug auf die klagende Partei die Formulierungen "ein fettes Lächeln, bei dem einem kalt werden möchte" und/oder "Schlugen Sie sich bei der Formulierung ,bewegender Parkinson-Tod' fett lächelnd auf die Schenkel?" und/oder "Hinaus mit dem Schuft aus Wien!" und/oder jeweils sinngleiche Äußerungen verbreitet werden.

Keine ästhetischen Wohltaten

So sperrig sich dieser Unterlassungsbefehl liest, so klärt er doch nicht darüber auf, wieso Jeannée, dem es das fette Lächeln der klagenden Partei offenbar so angetan hat, nicht auch geschrieben hat: Hinaus mit dem fett lächelnden Schuft aus Wien. Ist ihm in der Gewissheit, besagter Schuft werde Wien wohl doch erhalten bleiben, das fette Lächeln in der Feder gefroren? Die schönheitstrunkenen Leserinnen und Leser der "Krone" werden es ebenso wenig erfahren wie, ob sich nun die klagende Partei bei der Formulierung ,bewegender Parkinson-Tod' fett lächelnd auf die Schenkel geschlagen hat oder nicht. Zumindest einer der beiden ist in diesem Fall der Verpflichtung zu umfassender Information der Öffentlichkeit nicht nachgekommen, und das in einem Fall, der immerhin im Namen der Republik abgehandelt wurde. Da ist es kein Trost, wenn Personenbildnisse des Klägers nur im Zusammenhang mit der rhetorischen Figur des fetten Lächelns nicht verbreitet werden dürfen, ohne hingegen schon. Von einem Erkenntnis des Wiener Handelsgerichts kann man eben keine ästhetischen Wohltaten erwarten.

Doch jetzt die gute Nachricht: Niemand muss der "Aula" nachtrauern, "Zur Zeit" leistet Gleiches. Diese Woche warb das Blatt für Verständnis für den AfD-Politiker Alexander Gauland, der beseelt vom Willen zur Aufklärung neulich die Botschaft lieferte, "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren deutscher Geschichte!" Fünfzig Millionen Tote? Ein Vogelschiss eben für jeden, der sich wirklich auskennt. Gaulands Äußerung wird bewusst missverstanden, weil sie an der modernen Zivilreligion der Schuld rührt. Gauland geht es nicht um eine Relativierung der NS-Verbrechen, wie denn auch? Es geht ihm um eine Infragestellung der Schuldidentität als "Gründungsmythos" Deutschlands, kapiert? Dieser "Tabubruch" ist notwendig zu einer echten Aufarbeitung der Vergangenheit – wenn es eine Zukunft geben soll. Und wer wäre zu einer echten Aufarbeitung der Vergangenheit besser geeignet als jemand, für den Weltkrieg und Konzentrationslager ein Vogelschiss sind? Man muss das nur richtig verstehen, und "Zur Zeit" hilft: An der Aussage sehen meist nur die etwas Verwerfliches, die im Geiste das denken, was sie anderen unterstellen, gemeint zu haben, aber selbst nicht dazu stehen wollen. Womit die wahren Schuldigen gefunden wären. Und überhaupt geht es nur um das Aufregen. Wie bei dem querulantischen Nachbarn am Fenster.

Auch im ORF soll sich niemand aufregen, wenn es zur Entbolschewisierung kommt. Dem Armin Wolf, so raunen Eingeweihte, werde sein g'fernstes Grinsen schon vergehen. Und nicht nur ihm. Wer sich minder wohl fühlt, den zwingt niemand, beim ORF zu verharren. Er kann zu Herrn Soros wechseln.

Man darf an solchen und ähnlichen medienpolitischen Zielen nichts Verwerfliches sehen. Sie werden oft bewusst missverstanden. Dabei geht es nur um Sehnsucht nach echter Aufarbeitung im öffentlich-rechtlichen ORF. (Günter Traxler, 16.6.2018)

  • Jeannée vs. Fellner.
    foto: faksimile kronen zeitung/apa

    Jeannée vs. Fellner.

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