EU-Staaten beschließen Vergeltungszölle gegen USA

14. Juni 2018, 17:07
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Die Sanktionen haben ein Volumen von 2,8 Milliarden Euro, betroffen sind Güter wie Jeans, Erdnussbutter und Motorräder

Brüssel/Washington – Die EU-Staaten bringen die 2,8 Milliarden Euro schweren Vergeltungszölle gegen die USA auf den Weg. Vertreter der Länder hätten die von der EU-Kommission aufgesetzte Liste von Zöllen auf US-Produkte einstimmig angenommen, sagten drei EU-Vertreter am Donnerstag.

Die Vergeltungszölle werden voraussichtlich ab Anfang Juli auf US-Waren fällig. Sie sind die Antwort der EU auf die Anfang des Monats verhängten US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus Europa.

"Clevere" Liste

"Clever gemacht" sei die Liste, findet der Direktor des Ifo-Außenwirtschaftsinstituts, Gabriel Felbermayr: "Die europäischen Konsumenten werden teilweise höhere Preise sehen, aber im Durchschnitt tragen die US-Produzenten das Gros der Last."

Welche Produkte sind betroffen?

Während US-Präsident Donald Trump die klassischen Industriegüter Stahl und Aluminium ins Visier genommen hat, steht auf der acht Seiten langen europäischen Liste ein buntes Bündel an Lebensmitteln, Industrieprodukten und Luxusgütern. Dazu gehören etwa Erdnussbutter und Reis, Whiskey, Make-up und Motorräder. Für deren Import müssen Händler künftig 25 Prozent mehr zahlen – einzig Spielkarten werden nur mit zehn Prozent belegt.

Müssen die Verbraucher mehr zahlen?

Wie Felbermayr erklärt, hängt das entscheidend davon ab, wie die Verbraucher auf Preiserhöhungen reagieren. Glauben die Hersteller, dass die Konsumenten bei einer Preiserhöhung zum Konkurrenzprodukt greifen, werden sie die Zölle aus der eigenen Marge zahlen – oder nicht mehr nach Europa exportieren. Sind die Verbraucher bereit, für ein US-Produkt mehr zu zahlen, dann werden die Hersteller einen größeren Teil der Zölle auf den Preis auch aufschlagen.

"Für viele Stahlprodukte auf der Liste kann Entwarnung für Europa gegeben werden", erklärt Felbermayr. Die Industrie könne auf Hersteller in anderen Ländern ausweichen. Gleiches gelte für Orangensaft, Mais oder Jeans. "Hier verlieren die Amerikaner Absatz, ohne dass die Europäer höhere Preise zahlen."

Bei Markenprodukten dagegen müssen die Konsumenten wohl je nach Produkt mehr zahlen. So erwartet Felbermayr, dass sich Verbraucher und Hersteller bei Weber-Grills, Bourbon-Whiskey und Erdnussbutter die Kosten der Zölle etwa in gleicher Höhe teilen werden. Anders bei Motorrädern von Harley-Davidson, Sportbooten oder Kosmetik: Hier würden die Hersteller wohl den größten Teil der Zölle übernehmen.

Was sagen die Händler?

Nach Einschätzung der Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels wird es nicht so schnell zu Preiserhöhungen im Handel kommen. Der Grund: "Die Verträge wurden basierend auf den bisherigen Kalkulationen geschlossen." So hätten etwa Bekleidungsläden ihre Kollektionen bereits geordert. Längerfristig könnten die Preise aber steigen, sofern der Markt das zulasse. "Der harte Wettbewerb in Deutschland setzt den Spielräumen über alle Produkte hinweg allerdings extrem enge Grenzen."

Die von der Nachrichtenagentur AFP angefragten Läden für US-Produkte fürchten nicht um ihr Geschäft. Die Besitzerin von American Lifestyle in Berlin sagt: "Ich kriege meine Ware wie gehabt. Ich mache mir Gedanken, wenn es so weit ist." Ein Mitarbeiter von Starbridge, einem auf Grills und US-Lebensmittel spezialisierten Geschäft in Fürth, sagt: "Zölle wären schon nicht so schön." Aber um ein "paar Prozent" höhere Preise "würden den meisten Kunden gar nicht auffallen".

Auswirkungen des Handelskonflikts auf die Volkswirtschaft?

Thore Schlaak vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt: "Das Volumen der Zölle ist gesamtwirtschaftlich gering." So seien von den bisherigen US-Zöllen etwa 0,1 Prozent der deutschen Exporte betroffen. Schlaak warnt allerdings, dass sich der Handelskonflikt aufschaukeln könnte. Trump hat bereits gedroht, als Nächstes Strafzölle auf Autos einzuführen. "Wenn Trump seine Drohung wahrmacht, wird das der deutschen Wirtschaft wehtun." Dann seien nämlich rund 1,5 Prozent der deutschen Exporte betroffen. (APA, 14.6.2018)

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