Videodatenbank mit Zeitzeugen-Interviews ist online

14. Juni 2018, 15:56
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Audiovisuelles Archiv sammelt Videos verschiedenster Produzenten – Aufruf zur Teilnahme

Wien – Die ersten 100 Jahre der Republik Österreich aus dem Blickwinkel derer, die entscheidende Ereignisse und Entwicklungen selbst miterlebt haben: Das Audiovisuelle Archiv (AVA) macht eine Videodatenbank mit Zeitzeugen-Interviews online zugänglich. Derzeit sind rund 60 Interviews enthalten, der Bestand wird laut AVA-Geschäftsführer Andreas Filipovic aber laufend erweitert.

Thematisch ist das Projekt nicht nur auf Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus beschränkt: "Wir haben den Begriff breiter gefasst", erklärte Filipovic. Derzeit finden sich auf dem Portal unter anderem Schwerpunkte zu Flucht und Migration, zur Frauenbewegung oder auch zu ganz lokalen Entwicklungen in Wiener Grätzeln.

Hintergrund

"Die Idee des Archivs war es, die vielen von kleinen Initiativen oder Dokumentarfilmern gemachten Zeitzeugen-Videos der vergangenen Jahrzehnte zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", sagte Filipovic. Genau das soll auch in Zukunft geschehen. Alle österreichischen Institutionen oder Initiativen, die mit "Oral History" arbeiten, seien eingeladen, unter Wahrung ihrer Datengrundrechte Beiträge auf die Seite zu laden.

"Die klassischen Zeitzeugen, die Überlebenden des Holocaust, als Generation sterben", skizzierte Filipovic das Problem, das eine Reihe junger Wissenschafter und Filmschaffender dazu veranlasst hat, sich Gedanken darüber zu machen, wie man deren Erfahrungen auch für künftige Generationen erhalten kann.

Frage der Vermittlung

"Im Zentrum stand für uns die Vermittlung", die Inhalte sollten für junge Menschen interessant sein, sagt Filipovic. Nicht infrage kamen deshalb die Audio-Aufzeichnungen von Zeitzeugen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. "Schüler können einem Audio-Dokument nicht länger als eine halbe Stunde folgen", so der AVA-Geschäftsführer.

Deshaln wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine Website samt Videodatenbank, Webplayer und Android-App eingerichtet. Letztere ermöglicht es mittels Geodaten, die Videos "auch zu erwandern" und vor Ort des Geschehens betrachten zu können. Zusätzlich wurde eine spezielle Suchfunktion installiert: Damit könne man die Videos nach Schlagwörtern durchforsten und genau den Ausschnitt sehen, der das gesuchte Wort beinhaltet.

Die Benutzung des von Bundeskanzleramt, Sozialministerium, Stadt Wien und Wirtschaftsagentur Wien geförderten AVA ist kostenlos und erfüllt die Standards der Europeana Collections, einem europäischen Projekt zum Austausch historischer Quellen. Damit soll sich die Sammlung auch für zeithistorische Forschungen verwenden lassen. (red, APA, 14. 6. 2018)

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