Flüchtlingsdrama auf A4: Je 25 Jahre Haft für vier Angeklagte in Schlepperprozess

Video14. Juni 2018, 13:48
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In einer Pannenbucht der Ostautobahn bei Parndorf waren 71 erstickte Flüchtlinge in einem Lkw entdeckt worden. Zehn weitere Angeklagte erhielten in dem Prozess in Ungarn drei bis zwölf Jahre Haft

Kecskemét/Parndorf – Im Prozess gegen eine Schlepperbande wegen des Todes von 71 Flüchtlingen sind die vier Hauptangeklagten am Donnerstag in der südungarischen Stadt Kecskemét zu jeweils 25 Jahre Haft verurteilt worden. Das Gericht blieb damit unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten lebenslangen Haftstrafen.

Bei den vier Hauptangeklagten handelt es sich um den mutmaßlichen Kopf der Schlepperbande, einen Afghanen, seinen Stellvertreter sowie die Fahrer des Lkw und eines Begleitfahrzeugs, drei bulgarische Staatsbürger. Sie sollen ihre Haft zum Teil unter verschärften Bedingungen verbüßen.

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Die zehn weiteren Angeklagten wurden zu Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verurteilt. Gegen drei von ihnen war in Abwesenheit verhandelt worden, da sie für die Justiz nicht greifbar waren. Bei den zehn Verurteilten handelt es sich um Männer, die unter anderem für die Beschaffung der Schlepperfahrzeuge und das Anwerben von Fahrern zuständig waren.

Gekennzeichnet war das Verfahren streckenweise durch Verlesungen von Polizeiprotokollen, da die Angeklagten zunächst nicht zur Aussage vor Gericht bereit waren, und schließlich durch gegenseitige Schuldzuweisungen inklusive Schreiduellen.

Lkw im August 2015 bei Parndorf gefunden

Die 71 Flüchtlinge – unter ihnen vier Kinder – waren im August 2015 an der Ostautobahn (A4) bei Parndorf im Burgenland erstickt in einem Kühl-Lkw gefunden worden. Im dem hermetisch verschlossenen Kleinlaster hatten die Flüchtlinge unterwegs durch Schreien und Klopfen auf ihre Notsituation aufmerksam gemacht. Der Fahrer bemerkte es zwar, hielt aber nicht an. Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan starben am 26. August 2015 noch auf ungarischem Gebiet. Ihre Leichen wurden tags darauf bei Parndorf entdeckt.

Die ersten Festnahmen erfolgten bereits wenige Tage später. Angeklagt wurden 14 mutmaßliche Mitglieder der Schlepperbande. Der Prozess in Kecskemét begann am 21. Juni 2017, die Kosten wurden vom Gericht mit 208 Millionen Forint (650.000 Euro) beziffert. (red, APA, 14.6.2018)

  • Der Prozess gegen die 14 Angeklagten fand in der südungarischen Stadt Kecskemét statt.
    foto: apa / georg hochmuth

    Der Prozess gegen die 14 Angeklagten fand in der südungarischen Stadt Kecskemét statt.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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