Seeigel sehen mit ihren Füßen

14. Juni 2018, 10:35
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Schwedische Forscher bestätigten Vermutungen über einzigartigen Gesichtssinn der kleinen Stachelhäuter

foto: apa/dpa
Ein Seeigel sieht den bedauernswerten Fuß, der auf ihn treten wird, kommen – und zwar seinerseits mit den Füßen.

Lund – "Seeigel sind die einzigen Tiere, die nachweislich sehen können, ohne Augen zu haben": So fasst John Kirwan von der schwedischen Universität Lund die Ergebnisse einer Studie zusammen, in der er zusammen mit Kollegen Hypothesen über den einzigartigen Gesichtssinn der Tiere nachging, die aus früheren Forschungen abgeleitet worden waren.

Als Stachelhäuter sind Seeigel (Echinoidea) unter anderem mit Seesternen, Haarsternen und Seegurken verwandt. Wie alle diese Tiere weist ihr Körper eine fünfstrahlige Symmetrie auf. Er ist annähernd kugelförmig, meist zwischen drei und zehn Zentimeter groß und von Stacheln bedeckt, wie Badegäste aus leidvoller Erfahrung wissen. Dazu kommen noch über den ganzen Körper verteilt zangenförmige Pedicellarien, mit denen das Tier seine Körperoberfläche reinigt, und kleine beinartige Fortsätze, die Ambulakralfüßchen.

Multitasking am Meeresgrund

Diese Mini-Tentakel sind offenbar Multifunktionswerkzeuge: Sie dienen zur (langsamen) Fortbewegung, zur Nahrungsaufnahme – und offenbar auch zur Wahrnehmung der Umwelt, wie die aktuelle Studie bestätigte. Sie enthalten lichtempfindliche Zellen und bilden in ihrer Gesamtheit eine Art Facettenauge, sagt Kirwan.

Um die Sehschärfe der Tiere zu testen, führte der Forscher an einigen Exemplaren der Seeigelspezies Diadema africanum Experimente durch. In einem hell erleuchteten Tank wurden die Tiere mit unterschiedlich großen Schattenbildern konfrontiert. Außerdem ließ Kirwan einige Bilder sukzessive größer werden, um seinen stachligen Probanden vorzugaukeln, dass sich ihnen etwas nähert.

Die Grenze der Wahrnehmung ließ sich leicht beobachten: Sie war dann erreicht, wenn sich das Tier in Richtung auf eine geschützte Stelle in Bewegung setzte, um der vermeintlichen Gefahr zu entgehen. Um solcherart alarmiert zu sein, musste der "Angreifer" allerdings 30 bis 70 Grad des Gesichtsfelds einnehmen. Zum Vergleich: Menschen sehen es schon, wenn ein Objekt 0,02 Grad einnimmt.

Schlusswort

Kurz gesagt: Der ungewöhnliche Gesichtssinn der trägen Tiere ist ausgesprochen leistungsschwach. Aber, wie Kirwan durchaus berechtigt anmerkt, nicht so schlecht für ein Tier ohne Augen. (jdo, 14. 6. 2018)

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