Warnung vor Keimen im Trinkwasser

    13. Juni 2018, 15:35
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    Installationen werden meist nicht regelmäßig gewartet – Forum Wasserhygiene sieht Haftungsrisiken auch für Vermieter

    Die meisten Österreicher sind mehrmals im Jahr für längere Zeit – mehr als 24 Stunden – nicht zuhause. Laut einer aktuellen Studie ist der Hälfte der Österreicher nicht bewusst, dass dann bei der Heimkehr Gefahr aus der Wasserleitung drohen kann: Wasser könne nämlich ebenso verderben wie jedes Lebensmittel.

    Ablaufdatum

    "Die Menschen realisieren nicht, dass auch Wasser ein Ablaufdatum hat und dass sie für die Trinkwasserqualität im Gebäude selbst verantwortlich sind", betonte Herbert Wimberger, Präsident des Forums Wasserhygiene, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wien.

    Unter bestimmten Umständen können sich im Wasser Bakterien, beispielsweise Legionellen, rasch vermehren. "Werden beim Duschen verkeimte Wassertröpfchen (Aerosole) eingeatmet, können diese eine teils schwerwiegende Lungenentzündung, die Legionärskrankheit, auslösen", warnt Alexander Indra, Leiter des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages).

    "Mietverträge anpassen"

    Weniger als 19 Prozent der Österreicher würden ihre Duschköpfe und -schläuche jährlich tauschen, zitierte Wimberger aus der von marketagent.com erstellten Studie. Und er weist auf einen anderen Umstand hin: In nur rund fünf Prozent der österreichischen Mietverträge sei geregelt, dass die Wasserleitungen nach Abwesenheit durchgespült werden müssen. "Das ist ein alarmierendes Signal und zeigt, dass die Mietverträge dringend angepasst werden müssen, um den Mieter auf seine Pflichten aufmerksam zu machen", so Wimberger. Insbesondere auch für Vermieter bedeute das ein erhebliches Haftungsrisiko.

    Auch beim Duschen, Baden oder Saunieren sei das Risiko einer Infektion besonders hoch, weiß Indra. Laut Studie werden rund 85 Prozent aller Wellnesseinrichtungen im Privatbereich nicht ausreichend genutzt und sind hinsichtlich einer Verkeimung stark gefährdet.

    Hohe Dunkelziffer

    Im Jahr 2017 erkrankten der Nationalen Referenzzentrale für Legionella-Infektionen zufolge 218 Menschen in Österreich an der Legionärskrankheit. Die Letalität lag 2017 bei 4,6 Prozent. Die Dunkelziffer an Erkrankungen ist laut Experten deutlich höher. Die bekannten Fälle an Legionärskrankheit haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt.

    Tipps zum Erhalt der Trinkwasserqualität im Gebäude

    Um die Wasserqualität im Haus zu erhalten, empfiehlt das "Forum Wasserhygiene":

    • Regelmäßige Wasserentnahme bzw. Freispülen der Leitungen nach 24 Stunden Abwesenheit.
    • Auf die richtige Temperatur achten: Kaltwasser darf maximal 20 Grad, Warmwasser muss mindestens 55 Grad Celsius haben.
    • Die Trinkwasserinstallationen im Haus regelmäßig warten und reinigen (lassen) z.B. die Brauseköpfe und Schläuche tauschen.

    (red, 13.6.2018)

    • Wasser kann auch verderben.
      foto: apa/dpa/büttner

      Wasser kann auch verderben.

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