Schwarze Parteigröße Michael Strugl zieht bei Verbund ein

    Porträt13. Juni 2018, 17:04
    77 Postings

    Der oberösterreichische Landesrat mit Megaressort wird Vorstandsdirektor bei Österreichs größtem Stromerzeuger

    Er wolle "keine Friedhofsruhe" in der Partei, hatte Michael Strugl (54) in einem STANDARD-Interview im August des Vorjahres bekundet. Seinem politischen Leitsatz getreu, hat der studierte Jurist insbesondere in den letzten Jahren immer wieder dafür gesorgt, dass es in den Reihen der oberösterreichischen ÖVP nicht allzu harmonisch wird.

    Und wenn er es im christlich-sozialen Gebälk ordentlich krachen ließ, ging es dem fachlich höchst versierten schwarzen Urgestein meist um die Festigung der eigenen Macht. So mündete etwa der Wunsch Strugls nach einem "Superressort" nach der Landtagswahl 2015 in einen wochenlangen Streit mit dem heutigen Landeshauptmann Thomas Stelzer. Strugl wollte in seiner Funktion als Wirtschaftslandesrat vor allem auch beim Budget mitreden.

    Passionierter Läufer und Jäger

    Der leidenschaftliche Läufer und Jäger wusste in der innerparteilichen Diskussion den Wirtschaftsflügel und die Industrie hinter sich – und spielte seinen Trumpf zum richtigen Zeitpunkt aus. Der frisch verheiratete Vater zweier Kinder liebäugelte mit einem Wechsel an die Spitze der Energie AG – und zwang damit Stelzer und Pühringer in die Knie. In seiner langen politischen Karriere, Pühringer holte den 54-Jährigen von der Uni in die Partei, zeigte sich Strugl viele Jahre deutlich weniger angriffslustig. Trotz überragender 1,95 Meter war der neue Verbund-Vorstand stets der Mann im Hintergrund: ab 2001 als VP-Landesgeschäftsführer, 2003 als Klubobmann. Erst spät gewährte die Partei ihm einen Platz in der ersten Reihe, 2013 wurde Strugl Wirtschaftslandesrat.

    Wahlkampferfahren national wie international

    Vor allem aber brillierte der Hobbyfischer als Wahlkampfstratege. So ist ein Hauptteil des Erdrutschsiegs der ÖVP 2009 (46,8 Prozent) Strugl zuzuschreiben. Wahlkampferfahrung hat der Absolvent der Linzer Kepler-Universität, der auch in Toronto Wirtschaft studiert hat, genug: 1998 holte ihn Helmut Kohl für den CDU-Wahlkampf nach Deutschland. 1999 arbeitete er am VP-Nationalratswahlkampf, bei Wolfgang Schüssels Wahlsieg 2002 war er im VP-Strategieteam. Zuletzt war Oberösterreichs Landeshauptmannstellvertreter als Wirtschafts- oder Finanzminister unter Kanzler Sebastian Kurz im Gespräch. Strugl soll sich bewusst für Oberösterreich entschieden haben, doch dem Ruf des Stromanbieters konnte der Vollblutpolitiker nicht widerstehen. Das Murren unter den Parteikollegen nimmt Strugl in Kauf. Es soll ja keine Friedhofsruhe aufkommen. (Markus Rohrhofer, 13.6.2018)

    • Michael Strugl wechselt vom Megaressort Wirtschaft, Arbeit, Energie, Tourismus, Sport, Raumordnung, Regionalentwicklung und Europa in der oberösterreichischen Landesregierung in die Vorstandsetage des Verbunds.
      foto: land oö

      Michael Strugl wechselt vom Megaressort Wirtschaft, Arbeit, Energie, Tourismus, Sport, Raumordnung, Regionalentwicklung und Europa in der oberösterreichischen Landesregierung in die Vorstandsetage des Verbunds.

    Share if you care.