Mindestens fünf Tote bei Demonstrationen in Nicaragua

    13. Juni 2018, 08:59
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    Unterstützer von Präsident Ortega greifen Straßensperren der Regierungsgegner an

    Managua – Mindestens fünf Menschen sind bei Demonstrationen gegen die Regierung in Nicaragua ums Leben gekommen. In der Stadt Jinotega, rund 140 Kilometer von der Hauptstadt Managua entfernt, wurde ein 21-Jähriger erschossen, wie die Zeitung "El Nuevo Diario" am Dienstag berichtete. Zudem sei später ein weiterer Toter gefunden worden. Im Nordosten des Landes sei ein Bauer erschossen worden.

    In der Stadt Jinotepe starben zwei Kriegsveteranen, die die Polizei unterstützen. Unterstützer des umstrittenen Präsidenten Daniel Ortega, die Polizei und Schlägertrupps hatten am Dienstagvormittag in mehreren Städten des Landes Straßensperren angegriffen. Mehrere Dutzend Menschen wurden festgenommen, wie der Direktor der Vereinigung für Menschenrechte Nicaraguas, Alvaro Leiva, mitteilte.

    Die Proteste gegen den autoritären Präsidenten und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, dauern bereits fast zwei Monate an. Sie hatten sich ursprünglich an einer Sozialreform entflammt, die Ortega aber später zurückzog. Seither gehen die Menschen auf die Straßen, um einen Rücktritt des Politiker-Ehepaars und ein Ende der autoritären Regierung zu fordern.

    Opposition ruft zu landesweitem ganztägigen Streik auf

    In der politischen Krise in Nicaragua hat die Opposition zu einem landesweiten ganztägigen Streik aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen aus "Solidarität mit den Opfern" der wochenlangen Massenproteste gegen Präsident Daniel Ortega sollen am Donnerstag um Mitternacht beginnen und 24 Stunden dauern, wie die Nationale Allianz für Gerechtigkeit und Demokratie am Dienstag mitteilte.

    Die Bürgerallianz forderte zudem eine "sofortige" Entscheidung von Ortega, ob er die auf Eis liegenden Vermittlungsgespräche der katholischen Kirche wieder aufnimmt. Ortega hatte sich in der vergangenen Woche mit Vertretern der Bischofskonferenz getroffen, aber um "Bedenkzeit" zu einem Vorschlag der Bischöfe gebeten. Die Bischöfe haben unter anderem vorgezogene Neuwahlen sowie Wahlrechts- und Verfassungsreformen vorgeschlagen. Beides sind wichtige Forderungen der Opposition.

    Ortega hat sich bisher noch nicht zu dem Vorschlag geäußert. An einem ersten Dialogversuch der Bischöfe hatte auch die Bürgerallianz teilgenommen, die jetzt zu dem Streik aufgerufen hat. (APA, 13.6.2018)

    • Ausschreitungen in Jinotepe.
      foto: ap/zuniga

      Ausschreitungen in Jinotepe.

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