Mehr oder weniger "temporäres Wohnen"

    20. Juni 2018, 11:00
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    Zwei Projekte aus dem 2016 gestarteten Sofortprogramm der Stadt Wien wurden kürzlich fertig und übergeben. Mehr werden es auch nicht

    Kostengünstigen Wohnraum auf derzeit nicht für Wohnen gewidmeten oder mit Bausperre belegten Grundstücken zu schaffen – das war die Grundidee des Anfang 2016 von der Stadt Wien gestarteten Sofortprogramms "Temporäres Wohnen". Die Bauten sollten also so errichtet werden, dass sie nach spätestens 15 Jahren wieder demontiert werden können bzw. an die bestehende Nicht-Wohn-Widmung angepasst werden.

    Statt der geplanten 1000 Wohneinheiten wurde es letztlich nur ein gutes Drittel. Die einzigen zwei Projekte des Sofortprogramms wurden in den vergangenen Wochen übergeben.

    1350 Euro Baukosten

    Das kleinere vom Bauträger Siedlungsunion, realisiert auf einer als Grünland gewidmeten Liegenschaft im 22. Bezirk (Donaustadt), wird gerade bezogen. In Holzbauweise entstanden zwischen Podhagskygasse und Pfalzgasse in mehreren Bauteilen mit drei bis vier Stockwerken 100 Wohneinheiten. Die Siedlungunion ist selbst Eigentümerin des Grundstücks.

    Oliver Vollgruber, Teamleiter Neubau und Sanierung bei der Siedlungsunion, sagt im Gespräch mit dem STANDARD, dass man die Vorgaben, den Bau nach spätestens 15 Jahren – so lange läuft die (Darlehens-)Förderung – auch "wirklich ernst genommen" habe – "deswegen waren wir um einen Hauch teurer als ein normaler Holzbau". Die Baukosten lagen bei den vorgegebenen 1350 Euro je Quadratmeter.

    Kein Lift, Erdgeschoß komplett barrierefrei

    Lifte gibt es keine; bei bis zu drei Obergeschoßen bemerkenswert. "Dafür sind die Erdgeschoße komplett barrierefrei", also etwa auch die Duschtassen, so Vollgruber. Die Lifte können theoretisch nachträglich angebaut werden.

    Die Siedlungsunion setzte auf ein modulares System aus industriell vorgefertigten Raumzellen, die fertig installiert geliefert und vor Ort nur noch "gestapelt" wurden. Aus zwei unterschiedlichen Modulen wurden fünf Wohnungstypen bzw. -größen entwickelt; in der Mitte stets eine "Erschließungsachse" mit zwei Sanitäreinheiten, daran gruppierte man die Module mit den Aufenthaltsräumen. Erschlossen werden die Einheiten über außenliegende Metallstiegen.

    Verbindungsstraße fraglich

    Ein Drittel der Wohnungen wurde an den Generalmieter Neunerhaus vermietet; zunächst übrigens nur für drei Jahre, weil dann zwei Stiegen möglicherweise zugunsten einer Verbindungsstraße schon wieder abgebaut werden müssen. Auch der Rest könne jederzeit ab- und woanders wieder aufgebaut werden, betont Vollgruber. Ob man das tatsächlich wird machen müssen, weiß man noch nicht. Ein Widmungsverfahren für die Liegenschaft ist gerade im Laufen.

    Beim zweiten Projekt aus dem Sofortprogramm, "Home21" in der Siemensstraße in Floridsdorf, ist eine mögliche Umnutzung auf eine gewerblich genutzte Immobilie vorgesehen, falls nach zehn bzw. spätestens 15 Jahren nicht eine "fixe" Wohnwidmung erfolgt. Aktuell ist die Liegenschaft in der Siemensstraße als Betriebsbaugebiet gewidmet.

    Winfried Kallinger hat hier mithilfe seines patentierten "Slim Building" -Verfahrens 241 Wohneinheiten in Leichtbauweise errichtet, um schlanke 1200 Euro je Quadratmeter. Auch hier wurde ein Drittel der Einheiten, die zu Bruttomieten von 8,30 Euro je Quadratmeter vermietet werden, von Sozialeinrichtungen angemietet.

    Unbefristet vermietet

    Die Bauweise mit tragender Stahlkonstruktion und 2,80 Metern Raumhöhe lässt es zu, dass die beiden Bauteile später gewerblich genutzt werden können, etwa als Büro oder Studentenheim. Kallinger rechnet aber nicht damit, umbauen zu müssen. Die Anlage befinde sich schon jetzt "in einer reinen Wohngegend", und auch nach zehn Jahren werde man hier noch Wohnungen brauchen. "Mit anderen Varianten beschäftigen wir uns derzeit nicht."

    Die Wohnungen werden übrigens trotz der unsicheren Widmungslage unbefristet vermietet. In den Mietverträgen ist aber der Widmungsablauf als Sonderkündigungsgrund vermerkt. (Martin Putschögl, 20.6.2018)

    • Die Siedlungsunion setzte in der Podhagskygasse auf eine modulare Holzbaulösung.
      foto: matthias silveri

      Die Siedlungsunion setzte in der Podhagskygasse auf eine modulare Holzbaulösung.

    • 100 Wohneinheiten entstanden auf einer als Grünland gewidmeten Liegenschaft.
      foto: matthias silveri

      100 Wohneinheiten entstanden auf einer als Grünland gewidmeten Liegenschaft.

    • 241 Wohnungen errichtete Bauträger Kallinger in der Siemensstraße. Die "Slim Building"-Bauweise ermöglicht eine gewerbliche Nutzung nach zehn bis 15 Jahren, falls das notwendig sein sollte.
      foto: kallingerprojekte

      241 Wohnungen errichtete Bauträger Kallinger in der Siemensstraße. Die "Slim Building"-Bauweise ermöglicht eine gewerbliche Nutzung nach zehn bis 15 Jahren, falls das notwendig sein sollte.

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