Zwischenrufe im Parlament: Erschöpfter Feminismus

Kommentar12. Juni 2018, 14:52
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Die Rede von Alma Zadic drohte in einem Schwall von Zwischenrufen unterzugehen

Das Parlament ist nicht der Hort des Feminismus, auch nicht der politischen Korrektheit. Das mag sich aus der Hitzigkeit ergeben, mit der dort manch politische Debatte geführt wird. Da geht es – nicht immer nobel – zur Sache. Es sind übrigens die männlichen Abgeordneten, die sich hier ihrer Erregung hingeben und nicht an sich halten können. Nicht die weiblichen.

Am Montag war es wieder so weit. Eine Kollegin der Liste Pilz stand am Rednerpult, jung, attraktiv, frech, gescheit, auch noch Migrationshintergrund. In den Reihen von ÖVP und FPÖ machte sich Unruhe breit. Die Rede von Alma Zadic drohte in einem Schwall von Zwischenrufen unterzugehen. "Sie sind nicht in Bosnien!", rief ein Abgeordneter der ÖVP, der das nicht rassistisch gemeint haben will. "Alma, bei mir bist du sicher", lockte ein FPÖ-Abgeordneter, der sich wohl als fesches Mannsbild sieht.

Stunden zuvor hatten die weiblichen Abgeordneten, auch jene der ÖVP und der FPÖ, während der Angelobung von Peter Pilz den Plenarsaal verlassen. Ein feministischer Akt des Protests, so durfte man mutmaßen. Als dann die Herren Abgeordneten verbal und in hitziger, fast fröhlicher Erregung über die Kollegin Zadic herfielen, war das feministische Empörungspotenzial leider schon erschöpft. Da gab es keinen Protest und keine Ermahnung. Dieses Schauspiel am Montag im Parlament, das war unter der Würde der Abgeordneten. Auch der weiblichen. (Michael Völker, 12.6.2018)

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