Verkehrsexperte Knoflacher: Lobautunnel "schadet Wien"

    12. Juni 2018, 14:14
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    Weil sich Gewerbegebiete im Umland ansiedeln könnten, sieht er Abwertung des Standorts Wien – Parkpickerl sei wirksamste Maßnahme

    Wien – Das Forum Wissenschaft und Umwelt (FWU), eine unabhängige Vereinigung von Wissenschaftern unterschiedlichster Spezialgebiete, spricht sich vehement gegen das Infrastrukturgroßprojekt Lobautunnel aus. Vorstandsmitglied und Anwalt Josef Unterweger kritisiert etwa die Dreifachrolle des Verkehrsministeriums bei der Prüfung des Lobautunnels: So entscheide das Ministerium nicht nur über die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens und sitze im Aufsichtsrat von Projektwerber Asfinag, sondern es sei auch noch die Behörde für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). "Die Unterlagen zur Wirtschaftlichkeit werden aber geheim gehalten", sagt Unterweger. Eine Kontrolle dieser Entscheidung sei daher nicht möglich – was bei einem zwei Milliarden Euro teuren Vorhaben verwundere.

    Weitere rechtliche Schritte gegen das Tunnelprojekt sind laut Unterweger "möglich": Er verweist auf eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) oder eine Revision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH).

    Wienweites Parkpickerl beste Lösung

    Verkehrsexperte Hermann Knoflacher erinnerte an Ergebnisse einer von ihm durchgeführten Studie im Auftrag der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, wonach die Einführung eines Parkpickerls in der ganzen Stadt plus Ausbau des öffentlichen Verkehrs die beste Lösung für weniger Autoverkehr in Wien sei.

    Eine weitere in diesem Jahr veröffentlichte Studie kam hingegen zu dem Schluss, dass der Lobautunnel alternativlos sei, wie Mitautor Christof Schremmer vom Institut für Raumplanung sagte. Laut Knoflacher habe diese Studie aber mit veraltetem Zahlenmaterial und Prognosen gearbeitet, die "eindeutig widerlegt" wurden.

    Knoflacher führte auch mögliche wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachteile für Wien ins Treffen, wenn sich nach dem Bau des Tunnels Shoppingcenter und Gewerbegebiete im Umland Wiens nahe der S1-Autobahn entwickeln könnten. "Der Standort Wien wird abgewertet", sagt Knoflacher. "Wenn ich Wien schaden will, wäre der Lobautunnel die wirksamste Maßnahme."

    Naturwissenschafter Peter Weihs, der Präsident des Forums, bezeichnete das Projekt "aus der Zukunft her betrachtet" als "echten Wahnsinn". (krud, 12.6.2018)

    • In diesem Gebiet ist die Trassenführung des Lobautunnels geplant.
      foto: apa / hans klaus techt

      In diesem Gebiet ist die Trassenführung des Lobautunnels geplant.

    • Das geplante S1-Straßenbauprojekt.
      grafik: apa

      Das geplante S1-Straßenbauprojekt.

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