Innenministerium sucht Polizeinachwuchs in rechten Medien

    12. Juni 2018, 14:09
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    Öffentliche Gelder in vom Presserat mehrfach verurteiltem "Wochenblick"

    Wien – Innenminister Herbert Kickl sucht per Inseratenkampagne Nachwuchs für die Polizei und wirbt damit auch in rechtslastigen Medien. In einer Ausgabe des bereits mehrfach vom Presserat verurteilten "Wochenblick" findet sich eine entgeltliche Einschaltung des Innenministeriums. Auf einem der Inserate ist der österreichische Biathlet Julian Eberhard mit dem Satz "Mit Langlaufen und Langfingern beschäftigt" abgebildet.

    foto: screenshot wochenblick
    Screenshot "Wochenblick" mit Inserat.
    foto: screenshot wochenblick
    Screenshot "Wochenblick".

    Zuletzt berichtete der "Kurier" über Regierungsinserate in "Alles Roger!" zur Rekrutierungskampagne des Innenministeriums.

    Wirbel um öffentliche Gelder im "Wochenblick" gab es schon Anfang April. Land Oberösterreich und Linz AG schalteten in dem Magazin, das mehrmals vom Presserat verurteilt worden ist, unter anderem im November 2016 wegen Schürens von Vorurteilen gegen Flüchtlinge. Im Jänner 2017 stellte das aus Journalisten und Richtern besetzte Selbstkontrollorgan fest, dass Polizeieinschätzungen über linke Demonstranten verzerrt wiedergegeben worden waren.

    "Wochenblick"-Chefredakteur Kurt Guggenbichler hatte in der Vergangenheit eine FPÖ-Nähe in Abrede gestellt. Gesellschafter seien Unternehmer, die sich im Hintergrund halten wollen, so Guggenbichler. Unter den Redakteuren finden sich unter anderem allerdings ehemalige und aktive Funktionäre des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), der blauen Parteijugend. Anfang Mai folgte Christian Seibert wie berichtet Guggenbichler als Chefredakteur nach.

    Auf STANDARD-Anfrage beim Innenministerium sagt Sprecher Christoph Pölzl: "Wir möchten ein möglichst breit gefächertes Zielpublikum mit der Kampagne erreichen." Das Innenministerium habe "keinen Einfluss auf die Redaktion per se. Wir schauen uns Auflagenzahlen und Verkaufszahlen an, und aufgrund dieser Grundlage entscheiden wir." Eine Verurteilung durch den Presserat sei kein Kriterium, sagt Pölzl: "Im Presserat ist grundsätzlich jede Tageszeitung schon einmal verurteilt worden, manche öfter, manche weniger oft." (red, 12.6.2018)

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