Hallstatt: Woher die Schweine der bronzezeitlichen Fleischindustrie kamen

13. Juni 2018, 08:00
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Wiener Wissenschafter analysierten die Genome von Haus- und Wirldschweinen aus der Bronzezeit

Wien – Jenes Salz, das während der Bronzezeit in Hallstatt abgebaut wurde, haben die Menschen unter anderem zum Pökeln von Fleisch eingesetzt. Archäologische Funde ergaben, dass es sich dabei meist um Schweine gehandelt hat – um welche, das haben nun genetische Untersuchungen gezeigt: Wissenschafter der Vetmeduni Vienna und des Naturhistorischen Museums Wien konnten nun mit einer speziellen Methode die prähistorischen DNA-Spuren genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Hallstätter Salz eignete sich gut für das Konservieren von Fleisch, um es, ohne die sonst notwendige Kühlung, länger haltbar zu machen. Damit entwickelte sich in der Region schon früh eine lukrative Fleischproduktionsindustrie. Knochen- und Zahnfunde belegten, dass vor allem Schweinefleisch in der Hallstättergegend zur Bronzezeit verarbeitet wurde. Diese visuelle Zuordnung, anhand der Knochen und Zähne, und die Datierung kann durch genetische Daten weiter verfeinert werden. Denn in den Fundstücken steckt zumeist noch genug DNA, dass eine Artanalyse der verarbeiteten Tiere möglich ist.

DNA aus Schweinezähnen

Sabine Hammer vom Institut für Immunologie der Vetmeduni Vienna und ihren Kollegen gelang es mit einer speziell entwickelten Methode aus den Schweinezähnen mitochondriale DNA zu isolieren und genetisch einzuordnen. "Aus sieben ausgewählten Proben konnten wir genug DNA für eine sogenannte Markeranalyse gewinnen", erklärt Hammer. "Die Erbgut-Sequenzen die wir dadurch entschlüsselten, verglichen wir per Computeranalyse mit bereits veröffentlichten DNA-Codes. Das Ergebnis war bis auf eine Probe eindeutig. Es scheint, dass nur die, den genetisch gesehen, europäischen Vorfahren zugehörigen Schweinearten verarbeitet wurden."

Die heutigen Schweine sind wissenschaftlich gesehen in zwei Haplotyp-Gruppen aufgeteilt, in denen sich bestimmte Erbgutvarianten evolutionär bei allen Nachfahren nachweisen lassen. "Die Gruppen sind in eine asiatische und europäische Erbgutvariante aufgeteilt", erklärt Hammer. "Laut unseren Ergebnissen waren sechs Proben eindeutig europäischen Ursprungs." Nur eine Probe war zwischen den beiden Haplotypgruppen eingeordnet.

Europäische Wildschweine

"Diese Ergebnisse deuten, als ein erster Schritt, darauf hin, dass Schweine zur Verarbeitung in und um Hallstatt gehalten und gezüchtet wurden", erklärt Hammer. Diese geographische Einschätzung muss jedoch erst durch weitere Proben bestätigt werden. Eindeutig scheint jedoch zu sein, dass neben gezüchteten Tieren auch die für die frühe Hallstätter Fleischindustrie erjagten Wildschweine europäische Vorfahren hatten. (red, 13.6.2018)

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