Wirtschaftskriminalität in Deutschland nahm rapide zu

12. Juni 2018, 12:32
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Der Anlagebetrug beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus ließ das Volumen hochschnellen

Wiesbaden – Anlagebetrug, Abzocke im Internet, Abrechnungsschwindel im Gesundheitswesen: Wirtschaftskriminalität hat in Deutschland 2017 sprunghaft angezogen. 74.070 Fälle wurden nach Angaben des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) erfasst und damit um 28,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies sei der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre, teilte die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mit.

Auch der entstandene Schaden lag mit 3,74 Milliarden Euro um gut ein Viertel über dem Vorjahreswert (2,97 Mrd. Euro). "Das Internet schafft neue und vielfältige Tatgelegenheiten", erklärten die Ermittler.

So werden beispielsweise mit Hilfe spezieller Computerprogramme, die menschliche Identität vortäuschen – sogenannte Social Bots – Kaufentscheidungen manipuliert. Social Bots können große Mengen Informationen im Internet verbreiten und so Anleger von einem vermeintlich lukrativen Geschäft überzeugen.

Oder Täter locken Anleger auf Plattformen, die hohe Gewinne versprechen – etwa über den Handel mit sogenannten Kryptowährungen. Das BKA warnt: "Für die Anleger besteht die Gefahr, dass Täter das angelegte Geld nicht im angegebenen Sinn nutzen, sondern vielmehr zur illegalen Gewinnmaximierung."

Infinius

Dass die Fallzahlen von 2016 auf 2017 so deutlich nach oben schnellten, lag jedoch vor allem an einem großen Ermittlungskomplex: dem Anlagebetrug beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus. Gegen den Gründer und Ex-Führungskräfte der Firma läuft vor dem Landgericht in der sächsischen Landeshauptstadt ein Prozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrugs.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, über ein Firmengeflecht unter anderem Schuldverschreibungen und Genussscheine vertrieben zu haben, deren hohe Renditeversprechen nur mit dem Geld anderer Anleger bedient werden konnten. Luftgeschäfte zwischen den Firmen sollten das "Schneeballsystem" verschleiern. Mindestens 20.000 Anleger wurden nach Erkenntnissen der Ermittler so um Geld geprellt. Den Schaden beziffern die Ankläger auf rund 150 Mio. Euro.

Rückläufig sind den jüngsten BKA-Zahlen zufolge indes die Fälle von "CEO-Fraud" ("Chef-Betrug") – auch dank einer länderübergreifenden Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden. Nachdem in diesem Bereich die Zahlen seit 2014 deutlich angestiegen waren und 2016 einen Stand von 439 Fällen erreicht hatten, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 262 Fälle. Bei dieser Masche rufen Täter in der Buchhaltung von Firmen an, geben vor, der Geschäftsführer (Chief Executive Officer/CEO) zu sein und bringen Angestellte dazu, Firmengeld auf Konten ins Ausland zu überweisen. (APA, 12.6.2018)

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