Starkregen und Hagel: Überflutungen in der Schweiz und Deutschland

    12. Juni 2018, 05:31
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    Südhessen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz sind betroffen – und auch in der Westschweiz regenete es stark

    Frankfurt am Main – Gewitter mit heftigem Regen sind am Montagabend über Süd- und Mitteldeutschland gezogen. Vielerorts wurden Straßen überspült und Keller geflutet. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Mancherorts wurde der Bahnverkehr eingestellt.

    In Südhessen gab es mindestens 120 Einsätze wegen überfluteter Keller, berichtete der Bürstädter Stadtbrandinspektor Uwe Schwara am Abend. Einige Kellerwohnungen standen demnach 60 bis 80 Zentimeter hoch unter Wasser, in Industriegebäude sei Wasser eingedrungen.

    Im Auto eingeschlossen

    Im baden-württembergischen Reutlingen wurde der Hauptbahnhof am Abend zwischenzeitlich wegen Überflutung gesperrt. Ein Baukran wurde unterspült, vom Wasser betroffene Baustromverteiler verursachten zeitweise Stromausfall im Ortsteil Sondelfingen. Am Scheibengipfeltunnel löste der Starkregen einen Erdrutsch aus, die Bundesstraße musste voll gesperrt werden. In Kirchheim unter Teck wurde ein Mann in seinem Auto von den Wassermassen eingeschlossen. Einsatzkräfte befreiten ihn.

    Im bayerischen Furt am Wald an der Grenze zu Tschechien fielen am Nachmittag faustgroße Hagelkörner vom Himmel. Zahlreiche Dächer und Fahrzeuge seien teils schwer beschädigt worden. Alleine sieben Polizeiautos seien in Mitleidenschaft gezogen worden, vier seien nicht mehr fahrbereit. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. In anderen Orten der Region Oberpfalz stürzten Bäume um, Autos kamen wegen Aquaplanings von der Straße ab, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums sagte. In Oberfranken wurde der Zugverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Pegnitz und Speichersdorf (beide Landkreis Bayreuth) eingestellt, nachdem diese unterspült worden war.

    Vollgelaufene Keller, überschwemmte Straßen

    Mehrere Straßen standen in Karlstein am Main nahe Aschaffenburg rund 15 Zentimeter hoch unter Wasser, in Tiefgaragen und Kellern stand das Wasser teils einen halben Meter hoch, wie die Kreisbrandinspektion Aschaffenburg berichtete. Insgesamt waren beim Abpumpen zwölf Fahrzeuge mit mehr als 60 Feuerwehrleuten im Einsatz.

    Auch in Rheinland-Pfalz liefen am späten Montagnachmittag zahlreiche Keller voll. Besonders betroffen war nach ersten Angaben der Polizei die Pfalz, aber auch Teile Rheinhessens. Die Menschen hätten überwiegend vollgelaufene Keller, angehobene Kanaldeckel und überschwemmte Straßen gemeldet, sagte ein Polizeisprecher.

    Schweiz: Lausanne unter Wasser

    Heftige Gewitter mit sintflutartigem Regen haben am späten Montagabend auch in Teilen der Westschweiz gewütet. In Lausanne wurden mehrere Straßen, Wohnhäuser und Geschäfte überschwemmt. Die Unterführung des Bahnhofs lief mit Wasser voll. Mehrere Bahnlinien sind unterbrochen. Auf Fotos und Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie sich Straßenzüge in reißende Bäche verwandelten.

    Die Lausanner Polizei konnte in der Nacht auf Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-sda zunächst keine Angaben zum Ausmaß machen. Laut Medienberichten kam es zu dutzenden Notrufen. Über Verletzte lagen keine Angaben vor.

    Auf einzelnen Plätzen in der Innenstadt wurden Pflastersteine weggeschwemmt. Menschen standen wadentief im Wasser. Eine Stiege der Lausanner Bahnhofsunterführung glich vorübergehend einem Wasserfall.

    Unterbrochene Bahnlinien

    Wegen Unwetterschäden waren in den Kantonen Waadt und Freiburg am Dienstag in der Früh mindestens drei Bahnlinien unterbrochen. Betroffen waren Strecken zwischen Estavayer-le-Lac und Payerne, zwischen Payerne und Freiburg sowie die Strecke Freiburg-Murten. S-Bahnzüge wurden durch Busse ersetzt.

    Vorübergehend waren auch Straßen in der Region unpassierbar. Zwischen Bulle und Freiburg wurden Kantonsstraßen gesperrt, weil sie verdreckt waren. Nach Angaben von MeteoSchweiz gingen bei Lausanne gegen Mitternacht 14,5 Millimeter Regen pro Stunde nieder. Der Wetterdienst hatte für die Region eine Warnung der Stufe 3 herausgegeben. Das entspricht der mittleren von fünf Gefahrenstufen. (APA, dpa, red, 12.6.2018)

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