"Kann traumatisieren": Suizidologe warnt vor "Tote Mädchen lügen nicht 2"

14. Juni 2018, 12:20
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Der Suizidforscher Thomas Niederkrotenthaler übt im "Serienreif"-Podcast auch an der zweiten Staffel der Netflix-Serie massive Kritik

Eine dritte Staffel von "13 Reasons Why" ("Tote Mädchen lügen nicht") ist fix. Anfang Juni gab Netflix bekannt, dass ungeachtet der anhaltenden Kritik an der Serie weitere Folgen produziert werden.

Der Suizidologe Thomas Niederkrothenthaler hätte weder die Fortsetzung noch die vorangehenden Folgen gebraucht. Seiner Meinung nach ist die Serie um die Selbsttötung von Hannah Baker, Schülerin der Liberty Highschool und Hauptdarstellerin der Serie, ein gefährliches Beispiel, mit dem Thema Suizid umzugehen. Seit Ende Mai ist die zweite Staffel abrufbar.

Im STANDARD-Podcast "Serienreif" spricht Doris Priesching mit Thomas Niederkrotenthaler über seine Kritikpunkte: Warum er Warnhinweise für doppeldeutig und Gewaltdarstellungen für bedenklich hält, und welche Möglichkeiten es für Menschen gibt, die in Notsituationen Hilfe suchen.

Wie zahlreiche Jugendorganisationen kritisiert er die Botschaft der Serie, wonach man sich bei Suizidgedanken keine Hilfe holen kann. Daran habe sich auch in der zweiten Staffel nichts geändert, sagt Niederkrotenthaler: Es werde ein "trügerisches und falsches Bild erzeugt".

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Mobbing sei unter Schülern ein wichtiges Thema, entsprechend groß werde "Tote Mädchen lügen nicht" unter Jugendlichen diskutiert. Die Serie sei aber "sicherlich nicht als Aufklärungsmaterial für Suizidalität und den Umgang damit geeignet", sagt Niederkrothentaler. (red, 14.6.2018)

Hilfe in Krisen:

Für Menschen in Krisensituationen und deren Angehörige gibt es eine Reihe von Anlaufstellen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

Jugendliche finden Informationen unter bittelebe.at und unter der englischsprachigen Website www.13reasonswhytoolkit.org.

Telefonische Hilfe im Krisenfall gibt es auch bei:

Telefonseelsorge 142, täglich, von 0 bis 24 Uhr.Kriseninterventionszentrum 01/406 95 95 (Montag bis Freitag, 10-17 Uhr); auch persönliche und E-Mail-Beratung: www.kriseninterventionszentrum.at.
Sozialpsychiatrischer Notdienst / PSD Täglich, 0 bis 24 Uhr, Tel.: 01/31330

Angehörige finden Informationen und Materialien unter www.suizidpraevention.at und www.agus-selbsthilfe.de.

  • Der Suizidologe Thomas Niederkrotenthaler kritisiert auch die zweite Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht".
    foto: privat

    Der Suizidologe Thomas Niederkrotenthaler kritisiert auch die zweite Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht".

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