Russlands WM-Maskottchen: Der Wolf mit Hose

    11. Juni 2018, 13:58
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    Von Chilischote bis Gürteltier: Russlands WM-Maskottchen Zabivaka reiht sich ein in eine Liste teils kurioser Schöpfungen

    Moskau – Der Wolf trägt eine Hose – und ist damit einen wichtigen Schritt weiter als ein in Deutschland geborener Löwe. Ein Nationaltrikot hatte schon Goleo beim Sommermärchen 2006 übergeworfen, das fehlende Beinkleid brachte dem WM-Maskottchen jedoch Hohn und Spott ein. Der Wolf Zabivaka, was im Russischen so viel bedeutet wie "Der ein Tor schießt", ist dieser Gefahr nicht ausgesetzt.

    Mehr als eine Million Russen hatten sich bei einer Abstimmung im Internet für Zabivaka ausgesprochen, laut Weltverband FIFA soll er "Lebensfreude, Charme und Selbstsicherheit" ausstrahlen. Er braucht dafür nicht mal einen Begleiter wie Goleo, der mit Pille, einem lebenden Fußball, durch die Lande zog.

    Maskottchen twittert

    Zabivaka ist allerdings nicht nur moderner gekleidet als sein deutscher Vorgänger, er nutzt auch die Sozialen Medien gekonnt für sich. Hätte es Twitter, Facebook und Co. 2006 bereits in heutiger Form gegeben – der Shitstorm für Goleo und Pille wäre kaum zu stoppen gewesen.

    Doch erst Fuleco, Maskottchen der WM 2014 in Brasilien, entdeckte die gesamte Kraft des Internets für sich. Das Gürteltier hatte eine Homepage und bespielte seine Kanäle mehrsprachig. Ähnliches gilt für Zabivaka, der zuletzt unter anderem ein Video einer Trampolinübung postete. Zakumi, seines Zeichens Leopard und Maskottchen in Südafrika 2010, beschränkte sich auf seinem Facebook-Profil eher noch auf sterile Posts.

    Heimsiege

    Mit den neuen Medien hatten die Maskottchen der Jahre bis 2002 nichts zu tun. Bei der WM 1966 in England erblickte World Cup Willie das Licht der Welt, passenderweise brachte der Löwe mit dem Union Jack auf der Brust den Three Lions direkt den Titel. Vier Jahre später war ein Kind mit einem riesigen Sombrero das Maskottchen des Turniers in – genau, Mexiko. Juanito hieß der Knabe.

    Bei der ersten WM in Deutschland, 1974, waren die Erfinder noch etwas konservativer als beim halbnackten Goleo. Tip und Tap, die große Ähnlichkeit mit Ernie und Bert aus der Sesamstraße hatten, durften den Titelgewinn bejubeln. Auch Gauchito, Maskottchen der WM 1978, feierte einen Heimsieg.

    Besonders kreativ wurde es vier Jahre später in Spanien. Kein Mensch, kein Tier, sondern eine Orange wurde das offizielle Maskottchen. Sie hörte auf den Namen Naranjito, die kleine Orange also. Gut, da hörte es mit der Kreativität wohl auf. Geholfen hat sie dem Gastgeber anders als ihre Vorgänger nicht: In der Zwischenrunde war unter anderem gegen Deutschland Schluss.

    Scharf

    Kulinarisch ging es dennoch auch bei der nächsten WM weiter. 1986 übernahm erneut Mexiko das Turnier. Juanito war inzwischen erwachsen, sein Nachfolger wurde eine Chilischote. Getauft wurde sie auf den Namen Pique. Das heißt scharf, was auch sonst.

    Abstrakt wurde es 1990, als eine Strichmännchen-Figur namens Ciao zum Maskottchen in Italien wurde. Als Kopf diente ein Fußball. Ciao war das erste computeranimierte Maskottchen der WM-Geschichte – Ausdruck einer neuen Zeit. Gastgeber Italien sagte im Halbfinale gegen Argentinien ebenfalls Ciao.

    Zurück zu den Wurzeln ging es 1994 in den USA, als das Maskottchen wieder der Tierwelt entnommen wurde. Ein Hund namens Striker, also Stürmer, wurde ausgewählt. Vier Jahre später in Frankreich wurde Footix, ein Hahn und damit Nationalsymbol in Frankreich, zum Maskottchen.

    Besonders kreativ zeigten sich Japan und Südkorea 2002. Mit Ato, Kaz und Nik erschufen die WM-Macher nicht nur eine neue Spezies, die sogenannten Spheriks, die das Thema Energie darstellen sollen. Die drei repräsentierten zudem auch noch die Sportart Atmoball – eine fiktive, fußball-ähnliche Wettkampfart. (sid, 11.6.2018)

    Liste der bisherigen WM-Maskottchen:

    1966: World Cup Willie (Löwe)

    1970: Juanito (Junge)

    1974: Tip und Tap (rotwangige Kinder)

    1978: Gauchito (Schäferjunge)

    1982: Naranjito (laufende Orange)

    1986: Pique (Chilischote)

    1990: Ciao (Pinocchio-Abstraktion)

    1994: Striker (Hund)

    1998: Footix (Hahn)

    2002: Kaz, Nik und Ato (Fabelwesen)

    2006: Goleo (Löwe), Pille (sprechender Ball)

    2010: Zakumi (Leopard)

    2014: Fuleco (Gürteltier)

    2018: Zabivaka (Wolf)

    • Der Wolf trägt eine Hose – und ist damit einen wichtigen Schritt weiter als ein in Deutschland geborener Löwe.
      foto: apa/afp/saeed khan

      Der Wolf trägt eine Hose – und ist damit einen wichtigen Schritt weiter als ein in Deutschland geborener Löwe.

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