In der Islamischen Glaubensgemeinschaft tobt ein Machtkampf

    Video11. Juni 2018, 11:47
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    Vizepräsident Tasdögen fordert Präsident Olgun zum Rücktritt auf – denn dieser sei schuld an den Moscheenschließungen

    Wien – Das Vorgehen der Regierung gegen Moscheen und Imame hat in der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) einen offenen Machtkampf ausgelöst. Vizepräsident Abdi Tasdögen wirft Präsident Ibrahim Olgun in einer Stellungnahme vor, die Schließungen von Moscheen initiiert zu haben, und fordert Olguns Rücktritt.

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    Soziologe und Politikberater Kenan Güngör spricht über die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung gegen Moscheen und Imame.

    Tasdögen und Olgun gehören jeweils einer anderen türkischen Fraktion innerhalb der IGGÖ an. Olgun gehört zur Atib-Fraktion. Dieser türkische Moscheenverband genießt derzeit die Vormachtstellung in der Islamischen Glaubensgemeinschaft und gilt als verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet sowie der AK-Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Tasdögen wiederum soll dem früheren IGGÖ-Präsidenten Fuat Sanac nahestehen, dem eine Nähe zu den türkischen Nationalisten von Milli Görüs nachgesagt wird. Die Bewegung Milli Görüs ("Nationale Sicht") geht auf den 2011 verstorbenen türkischen Politiker Necmettin Erbakan zurück und ist in Deutschland der größte staatsunabhängige sunnitische Verband.

    Vize wirft Präsident Alleingang vor

    Tasdögen hat Olgun immer wieder öffentlich kritisiert, so auch am Montag. In einer schriftlichen Stellungnahme wirft er Olgun vor, die Moscheenschließungen mit einer Anzeige beim Kultusamt veranlasst zu haben. Der Weg dorthin sei mit Olgun und der Regierung abgesprochen gewesen, "die Auflösung der Arabischen Kultusgemeinde sogar bezweckt. Insbesondere ist davon auszugehen, dass erst die Anträge des Präsidenten den Stein zum Rollen gebracht haben", so Tasdögen.

    Der Oberste Rat der IGGÖ sei in dieser Angelegenheit vom Präsidenten über Monate hinweg nicht informiert gewesen. In der Sitzung des Obersten Rats am Wochenende sei der Präsident von mehreren Ratsmitgliedern sowohl schriftlich als auch mündlich aufgefordert worden, den vom Kultusamt erwähnten Schriftverkehr offenzulegen. "Präsident Olgun verweigerte jegliche Akteneinsicht."

    Olgun zum Rücktritt aufgefordert

    Die Arabische Kultusgemeinde, die dem Präsidenten kritisch gegenübersteht, sei aufgelöst und ihre Moscheen geschlossen worden. Tasdögen vermutet, dass Schließungen weiterer Kultusgemeinden folgen könnten. Gleichzeitig sei eine neue Gemeinde, die Olgun nahestehen soll, gegründet worden. Fragen dazu sei der Präsident ausgewichen und habe die Sitzung unterbrochen, sodass weder die Presseaussendung noch der darin bekanntgegebene Dreipunkteplan im Obersten Rat beschlossen worden seien.

    "Aufgrund der oben genannten satzungswidrigen Handlungen des Präsidenten haben Mitglieder des Obersten Rates ihn aufgefordert, vom Amt zurückzutreten, und mitgeteilt, den Fall dem Schurarat der IGGÖ zu übertragen", erklärte Tasdögen. (APA, 11.6.2018)

    • Wird von seinem Vize öffentlich angegriffen: IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun.
      foto: apa/hans punz

      Wird von seinem Vize öffentlich angegriffen: IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun.

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