Zielflaggen-Eklat: Model beendet Kanada-GP zu früh

11. Juni 2018, 11:17
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Kommunikationsproblem, Winnie Harlow frei von Schuld – Vettels 50. GP-Sieg als Weckruf für Mercedes

Montreal – Mit ihrem zu frühen Schwenken der Zielflagge beim Großen Preis von Kanada hat Model Winnie Harlow unverschuldet für Irritationen auf und neben der Formel-1-Strecke in Montreal gesorgt. "Ich war reichlich verwirrt", sagte Sieger Sebastian Vettel am Sonntag. "Einige Streckenposten glaubten schon, dass alles vorbei war und schwenkten fröhlich alle Flaggen für die Fahrer."

Der vierfache Weltmeister wollte gerade mit seinem Ferrari die 70. und letzte Runde in Angriff nehmen, als Harlow die schwarz-weiße Flagge schwenkte. "Sag ihnen, nicht die Flagge zu schwenken, wenn es noch nicht vorbei ist", sagte Vettel über den Boxenfunk. Vom Kommandostand erhielt der Deutsche die Anweisung, weiter auf dem Gas zu bleiben.

Das Rennen wurde laut dem Reglement mit 68 statt mit 70 Runden gewertet. Am Ergebnis auf den ersten Plätzen änderte das nichts. Laut Renndirektor Charlie Whiting handelte es sich um ein Kommunikationsproblem. Winnie Harlow traf keine Schuld.

Wenige Stunden später meldete sich das kanadische Model via Twitter. "Ich war es nicht", schrieb die 23-Jährige Kanadierin, die an der Vitiligo-Krankheit leidet, eine gute Freundin von Mercedes-Pilot Lewis Hamilton ist. "Ich bin so dankbar, dass niemand verletzt wurde", fügte sie hinzu.

Dankbar war bestimmt auch Vettel, der mit seinem 50. Sieg in der Königsklasse den Sprung an die Spitze des WM-Klassements schaffte und dem schon während der Schlussphase des Rennens der Rekordweltmeister in den Sinn kam. "Ich musste viel an Michael Schumacher denken, an seinen letzten Sieg hier", sagte Vettel. Auch der große Gilles Villeneuve sei ihm in den Sinn gekommen: "Ferrari lebt auch nach all den Jahren, wir sind da, und wir gewinnen. Ich bin unglaublich stolz, mehr und mehr Teil dieser Geschichte zu werden."

Nun bescherte Vettel der Scuderia also den ersten Sieg in Kanada seit 2004, seit Schumachers Erfolg. "Es ist schade, dass er nicht dabei sein konnte", sagte der 30-Jährige über sein Idol. Wie der Rekordweltmeister will er Ferrari nach langer Durststrecke wieder zum WM-Titel führen. Und seit Sonntag erscheint es noch wahrscheinlicher, dass dem "roten Engel" (Corriere dello Sport) dies schon im Jahr 2018 gelingt.

Ein Punkt Vorsprung

Nicht, weil Vettel das WM-Klassement jetzt wieder vor Weltmeister Lewis Hamilton anführt. Nur einen Punkt beträgt der Vorsprung auf den Mercedes-Piloten. Sondern weil in Montreal überdeutlich wurde, dass sich in den zwei Monaten ohne Sieg und mit viel Pech nichts Grundsätzliches für Vettel geändert hat: Er hat immer noch das beste Auto im Feld. Und Konkurrent Mercedes hat weiterhin ziemlich viel mit sich selbst zu tun.

Toto Wolff, Motorsportchef der Silbernen, bezeichnete das Ergebnis des siebten Saisonrennens als "Weckruf für das ganze Team. Ferrari war durchgehend schneller, wir hatten keine Chance auf den Sieg." Der englische Guardian befand: "Vettels Sieg war absolut dominant. Von wirklichem Wert ist aber der Schlag, den er seinem Rivalen Lewis Hamilton zufügte."

Hoffen auf Motor-Update

Allein mit dem notgedrungenen Verzicht auf das Motoren-Upgrade wollte man die Niederlage bei Mercedes nicht erklären. Der neue Antrieb soll nun aber beim kommenden Rennen in Frankreich (24. Juni) ins Auto und für ein wenig Besserung sorgen.

In Montreal blieb Hamilton völlig hinter den Erwartungen zurück, ausgerechnet auf einer Strecke, die Erfolge bislang fast garantierte: Schon sechsmal hat er auf dem Circuit Gilles Villeneuve gewonnen. Diesmal war mehr als Rang fünf nicht drin, auch das Red-Bull-Duo Max Verstappen und Daniel Ricciardo war zu schnell.

"Das wird in den kommenden Tagen wohl noch ein bisschen mehr wehtun", sagte Hamilton, der sich ansonsten aber weigerte, an seinem Auto und den eigenen Titelchancen zu zweifeln, zumal noch 14 weitere Rennen auf verschiedensten Strecken am Programm stehen. "Das mache ich nicht", sagte er äußerlich völlig gelassen, "Zweifel ist ein Zeichen von Schwäche, und mein Geist ist nicht schwach. Ich bin weiter hier, um zu gewinnen." (APA, sid, red, 11.6.2018)

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    Winnie Harlow traf keine Schuld, sie erhielt die Anweisung, die Zielflagge zu schwenken, zu früh.

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