Missbrauchsprozess in Freiburg: Mutter und Lebensgefährte vor Gericht

    11. Juni 2018, 08:55
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    Sollen Buben jahrelang missbraucht und an Freier verkauft haben

    Freiburg – Auf den Tag genau fünf Monate nach Bekanntwerden des jahrelangen Missbrauchs eines Buben in Staufen bei Freiburg müssen sich die beiden Hauptbeschuldigten ab heute, Montag, 9.00 Uhr vor Gericht verantworten. In dem Prozess vor dem Landgericht Freiburg sind die 48 Jahre alte Mutter des Kindes und ihr 39-jähriger Lebensgefährte angeklagt.

    Ihnen wird vorgeworfen, den heute neun Jahre alten Buben mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie das Kind auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben. In dem Fall gibt es insgesamt acht Tatverdächtige. Jeder von ihnen ist einzeln angeklagt.

    Umfassendes Geständnis

    "Der Lebensgefährte der Mutter hat umfassend gestanden und den Ermittlern Hinweise gegeben", sagte Staatsanwältin Nikola Novak vor Beginn des Prozesses. Zudem gebe es von den Taten zahlreiche Filmaufnahmen und Dokumente, die von den Tätern stammten und die nun als Beweismittel dienten. In dem Prozess werde es nun auch darum gehen, die Rolle der Mutter zu beleuchten. Die Frau hat sich den Angaben zufolge bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie soll, gemeinsam mit ihrem Freund, auch ein drei Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben.

    "Ich erhoffe mir, auch wenn es vielleicht unrealistisch ist, von der angeklagten Kindsmutter vielleicht mal eine Erklärung zur Motivation", sagte die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Katja Ravat. Sie vertritt in dem Prozess den missbrauchten Buben. Die Schwere und Vielzahl der Verbrechen sowie die Rolle der Mutter machten diesen Fall außergewöhnlich.

    Ziel von Anklage und Nebenklage sei neben langjährigen Haftstrafen eine anschließende Sicherungsverwahrung, vor allem für den wegen schwerer Kindesmisshandlung vorbestraften Lebensgefährten der Mutter. "Dass ich dem Kind rückmelden kann, dass der Mann auf absehbare Zeit nicht mehr aus der Haft entlassen werden wird", sagte Ravat.

    Bub ist in staatlicher Obhut

    Die Taten haben sich den Angaben zufolge von 2015 bis Herbst 2017 ereignet, geplant habe sie das Paar von Anfang 2014 an. Seit den Festnahmen der mutmaßlichen Täter im Herbst 2017 ist der Bub in staatlicher Obhut. Er wird in dem Prozess nicht aussagen müssen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

    Parallel zum Strafverfahren in Freiburg beginnt in Karlsruhe am Montag der Prozess gegen einen Mann aus Schleswig-Holstein. Der heute 44-Jährige hat laut Anklage den Buben missbrauchen, töten und sich an der Leiche vergehen wollen. Als er anreiste, wurde er in Karlsruhe festgenommen. (APA, 11.6.2018)

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