Krieg gegen die freie Presse: Ausweitung der Kampfzone

Einserkastl11. Juni 2018, 08:29
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Wenn kritischer Journalismus als "übler Eklat" bezeichnet wird, ist der Fokus im Land bereits bedenklich verschoben

Jemand, der sich dem Journalismus verpflichtet fühlt, wird seinem Gegenüber auch kritische, ja vielleicht sogar schmerzlich unangenehme Fragen stellen, wenn es im Sinne der Recherche notwendig ist. Auch wenn dieses Gegenüber mächtig ist.

Die Bereitschaft zum Hinterfragen macht den Beruf neben dem Mut und der Konsequenz, die dafür erforderlich sind, auch aus. Eine Regierung, die sich als demokratisch definiert, weiß das und wird auch nicht versuchen, etwas dagegen zu unternehmen.

Autokraten wie Erdogan, Putin oder Trump führen seit langem Krieg gegen die freie Presse – mit Untergriffen, Diskreditierung, Zensur. Sogar mit Auslöschung. Eine in ihrer Autarkie eingeschränkte Presse stellt einen Lackmustest für den Zustand des zugehörigen Landes dar, ebenso wie die freien oder nicht mehr ganz so freien Künste. Weitere Hinweise auf diesen Zustand sind die Gleichschaltung der Medien und das Anwerfen der Propagandamaschinerie.

Wenn also die Kronen Zeitung hinter den konkreten Fragen von Lou Lorenz-Dittlbacher oder Stefan Kappacher an Medienminister Gernot Blümel einen unbotmäßig "üblen Eklat" vermutet, hat sich der Fokus im Land bereits besorgniserregend verschoben. Konkret bedeutet Eklat übrigens "etwas, das großes Aufsehen hervorruft und Anstoß erregt".

Dort, wo eine seriöse Frage Anstoß erregt, wird die Kampfzone offenbar ausgeweitet. (Julya Rabinowich, 11.6.2018)

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