Die Rückkehr nach Castelmonte

10. Juni 2018, 09:07
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Kontemplatives Autowaschen, die Bergwertung zur Wand hinauf, ein Abendessen bei Mario: Friaul hat uns vermisst und wir es auch. 2018 war das Jahr der Rückkehr

Armin kam am Donnerstag als Erster an. Gemütlich entstieg er zu Mittag dem Mercedes CLS, er hatte bereits in Cormòns eingekauft, Spumante, Vino und Olio, er war entspannt und hatte einen kleinen Appetit, den wir in der Osteria vom Conte Collavini stillten.

foto: guido gluschitsch
Armin rechts, Rudi links, in der Mitte der Benz.

Rudi im Audi R8 war bereits von weither zu hören, auch wenn er normalerweise für seinen dezenten Auftritt bekannt ist. Heute nicht. Er entwrang sich dem Wagen, die Augen flackerten noch wirr. Die Ruhe am Hügel von Lonzano sauste auf ihn herab wie eine Faust, erschlug ihn fast. Rudi brauchte Stunden, um wieder zu entschleunigen und da zu sein, der Zehnzylinder des Audi knisterte noch.

foto: guido gluschitsch
Rudi neben dem Audi.

Guido kam im BMW. Er kam leise, weil auf den letzten Metern elektrisch, und er schaute pfiffig. Die Intelligenz des Wagens hatte von Guido Besitz ergriffen, er parlierte in mehreren Sprachen, hielt Fachvorträge, ehe er sich auch bei uns wieder verständlich machen konnte.

Andreas schließlich. Er hatte sich für die Anreise den Porsche ausgesucht, den Boxster GTS, ganz typisch, ein fescher Alleskönner, der Porsche, und der Andreas auch. Er kam als Letzter, weil er noch in Gorizia, das bei ihm Görz heißt, vorbeischauen musste, auch in Grado. Mit ihm kam das Lachen, der Porsche böllerte noch ein wenig, Andreas stieg von einem Fuß auf den anderen, ganz unternehmungslustig und voller Vorfreude schon.

foto: guido gluschitsch
Andreas im Porsche hinter dem BMW.

Der Ford Mustang mit meiner Wenigkeit hatte es ja kaum erwarten können, er war bereits vorneweg als Erster ins Collio geprescht, um der heiteren Runde der Standard-Automobilisten den Weg zu bereiten, das Quartier aufzuschlagen und die Umgebung auf die Gäste vorzubereiten. Ganz leise und bescheiden sind sie ja nicht, da braucht es neben der Umsicht auch ein wenig Nachsicht.

foto: guido gluschitsch
Der Mustang, der Benz, der Karner und der Völker.

Der Audi brüllt praktisch schon beim Anschauen. Und erst recht, wenn er gestartet wird. Eine Rennmaschine, man wähnt sich in der Boxengasse von Le Mans, aber nicht bei den Hybridfahrzeugen. Unerbittlich im Sound, aber auch im Vorankommen. Ein Zehnzylinder-Saugmotor, 540 PS auf der Hinterachse, Spitze 320 km/h. Auch der Teuerste in der Runde. Faszinierend in der Bösartigkeit, brachial, wenn er gefordert wird. Aber man kann in der Früh auch Kipferln vom Bäcker holen, ohne ausschließlich mit Bröseln zurückzukommen.

Plug-in-Hybrid

Der BMW i8 kommt spektakulär im Auftritt, weil sich die Türen nach oben öffnen, aber leise daher. Er ist das innovativste Fahrzeug in der Runde, auf die Hinterachse wirkt ein Dreizylinder-Benziner, auf die Vorderachse ein Elektromotor, insgesamt ist das ziemlich schnell. Und weist am ehesten in die Zukunft. Kostet übrigens so viel wie der Audi, nämlich 180.000 Euro.

foto: guido gluschitsch
BMW i8 Roadster und Porsche Boxster GTS.

Der Porsche Boxster GTS ist faszinierend laut und schnell und schön, er zaubert im forschen Antritt eine Klangwolke zwischen Gabalier und Tschaikowski auf die Straße, ein beglückendes Fahrerlebnis mit Sicherheitszone. Der wird sehr schnell, ohne dabei böse zu werden. Da sind wir schon unter der 100.000er-Grenze, wenn auch nur millimeterscharf.

Benz und die Begründung

Der Mercedes ist jetzt schwer zu erklären. Coupé ja, aber vier Türen, dann auch noch Diesel. Kollege Stockinger, der wie immer für die Fahrzeugauswahl zuständig war, hatte eine wunderbare Erklärung, aber sie ist mir nicht haftengeblieben. Wenn man sich dann aber reinsetzt und ein paar Kurven fährt, erschließt sich einem der sportliche Geist der komfortablen Kutsche.

foto: guido gluschitsch
CLS und Mustang.

Und der Ford Mustang schließlich. Fünf Liter Hubraum, V8, 450 PS und ein unvergleichlicher Sound, sehr amerikanisch, auch in der Verarbeitung. Der Publikumsliebling und zugleich auch das günstigste Fahrzeug in der Runde. Um 70.000 Euro gibt es hier enorm viel Auto, Spaß und Aufmerksamkeit.

Zurück in die Zukunft

2018 stand jedenfalls die Rückkehr ins Friaul auf dem Programm. Es war eine eindrucksvolle und emotionale Rückkehr, elf Mal waren wir schon hier, nur vergangenes Jahr warf es uns aus der Bahn und nach Istrien, was auch sehr schön war, aber kein Vergleich. Das gemeinsame Stelldichein zur kontemplativen Autowäsche als Vorbereitung zum Shooting. Die Jause und Vorbesprechung. Dann schließlich die Bergwertung von Cividale hinauf zum Castelmonte. Oben die Wand und das Zusammenwürfeln und Auseinanderklauben der Autos in allen Varianten, bis wir die perfekten Bilder zusammenhaben – und die Erkenntnis, dass das Making-of und die Zwischenschritte die bessere Komposition ergeben als das akkurat Aneinandergereihte und Aufgestellte.

foto: michael völker
Wenn sich der Fotograf für die Objekte seiner Begierde in Pose wirft: Kollege Gluschitsch hatte die Kamera mit.

Jede Mengen Kurven, Aufstiege, Umwege, Täler, und jeder darf einmal mit allem fahren, das muss bei einem Mittagessen beim Korsic in San Floriano ausführlich besprochen werden. Große Empfehlung übrigens. Schließlich die Mitzieher, die Fahrfotos, und es rückt der Abend heran. Wir ziehen uns Hemden an, frisieren uns, scherzen schon, wen Marco, der Wirt von der Trattoria Da Mario, heute besonders herzen wird, aber der hat nur Augen für den einen Stern in der Runde, der uns heute walten und fahren ließ, alle Bubenscherze überhörte oder großzügig belächelte. (Michael Völker, 10.6.2018)

foto: michael völker
Der BMW i8 hilft mit seinen Schmetterlingstüren dabei, die natürliche Anmut seiner Fahrer hervorzustreichen.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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