Gedenken ohne Geld

Einserkastl8. Juni 2018, 17:40
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Der Verein Gedenkdienst, bei dem Jugendliche als Zivildiener im Ausland für Projekte zum Gedenken an den Holocaust arbeiten, überlegt, seine Tätigkeit einzustellen

Das ist eine ungute Geschichte. Der Verein Gedenkdienst, bei dem 20 Jugendliche als Zivildiener im Ausland für Projekte zum Gedenken an den Holocaust arbeiten, überlegt, seine Tätigkeit einzustellen. Kein Geld mehr. Drei junge Männer, die in Israel diesen Dienst leisten, wollen das gemeinsame Foto verweigern, um das Sebastian Kurz im Rahmen seines Israel-Besuchs am 10. Juni gebeten hat.

Was ist da los? Der Leiter des Vereins (Es gibt noch einen zweiten, den Auslandsdienst) sagt, die beschlossene Budgeterhöhung von 720.000 auf 1,2 Millionen Euro sei "noch nicht bei uns angekommen". Zuständig ist das von der FPÖ besetzte Sozialministerium unter Beate Hartinger-Klein. Da diese ziemlich unfallgefährdet in ihrer Amtsführung ist, wie man bereits mehrfach Gelegenheit hatte festzustellen, kann hier eine Erklärung greifen: Inkompetenz oder Desinteresse. Man kann aber auch der Meinung der SPÖ-Abgeordneten Sabine Schatz sein, die meint, es sei zynisch, wenn der Gedenkdienst ausgerechnet im Gedenkjahr 2018 unter Druck gesetzt wird, "während die FPÖ rechtsextreme Zeitschriften am Leben erhält".

Für einen Bundeskanzler, der immer auf schöne Bilder achtet, ist dieser Fotoboykott der Zivildiener in Yad Vashem, der wichtigsten israelischen Gedenkstätte, schon etwas peinlich, meint Neos-Abgeordneter Douglas Hoyos. Man sollte die Sache rasch reparieren. (Hans Rauscher, 8.6.2018)

Weitere Kommentare von Hans Rauscher lesen Sie hier.

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