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14. Juni 2018, 13:00

Varius Avitus Bassianus wusste, dass dieser Tag über sein weiteres Schicksal entscheiden würde. Der junge Mann, mit 14 Jahren fast noch ein Kind, beobachtete von seinem Pferd aus den Verlauf der Schlacht gegen seinen Widersacher, den regierenden Augustus Marcus Opellius Macrinus. Erst etwas mehr als drei Wochen zuvor war Varius von einer Legion in Syrien zum Gegenkaiser ausgerufen worden.

foto: kunsthistorisches museum wien
Varius Avitus Bassianus nannte sich selbst Marcus Aurelius Antoninus. In die Geschichte ging er unter dem Namen Elagabal ein.

Die Schlacht verlief chaotisch, doch die Truppen des Kaisers schienen die Oberhand zu behalten. Varius' General Gannys hatte keine militärische Erfahrung, und seine Legionäre traten die Flucht an. Die Mutter und Großmutter des Varius sprangen aus ihrer Kutsche und flehten die Soldaten an, weiterzukämpfen. Den Ausschlag gab Varius selbst: Auf seinem Pferd sprengte er seinen Legionären und dem Gegner mit gezogenem Gladius entgegen. Doch auch Macrinus war kein brauchbarer Feldherr – er war vom Beruf Anwalt. Vom Widerstand überrascht, trat er die Flucht an. So schildert der Geschichtsschreiber und Zeitgenosse Cassius Dio in seiner "Römischen Geschichte" die Schlacht bei Antiochia am Orontes in der Provinz Syrien am 8. Juni des Jahres 218. Mit dem Sieg bei der "Antiocheia die Große" genannten Stadt (die heutige südtürkische Stadt Antakya liegt in der Nähe der Ruinen der antiken Metropole, ihr Name leitet sich von dieser ab) wurde Varius der bislang jüngste Alleinherrscher der römischen Kaiserzeit. In die Geschichte fand er unter einem Namen Einzug, mit dem er zu Lebzeiten nie genannt wurde: Elagabal.

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Kaiser Macrinus verlor infolge der Schlacht von Antiochia Macht und Leben.

Er gilt in der langen Liste der verhaltensoriginellen Kaiser Roms als der Inbegriff des vom Caesarenwahn befallenen Herrschers. Trotz seiner nur vierjährigen Regierungszeit gibt es über ihn wahrscheinlich mehr Anekdoten als von jedem anderen Augustus. Die Erzählungen über ihn reichen von extremen Grausamkeiten über wilde sexuelle Ausschweifungen bis zu religiösem Extremismus. Dass Cassius Dio Elagabal in seinem Bericht über die Schlacht bei Antiochia ein mutiges Eingreifen in das Kampfgeschehen attestiert, ist überraschend, schließlich lässt er, wie im Übrigen auch Herodian in seiner "Geschichte des Kaisertums nach Mark Aurel", sonst kein gutes Haar an dem jungen Kaiser, den er bevorzugt den "falschen Antoninus" nennt. Das außergewöhnlich negative Bild, das die römischen Historiker von Elagabal zeichneten, bildet die Basis seines üblen Rufes und seines reichhaltigen Nachlebens in Kunst und Literatur. Ob die Nachrede nun gerechtfertigt ist oder nicht – offenbar hatte Elagabal den Bogen überspannt, denn die Römer bereiteten dem orientalischen Mummenschanz bereits nach vier Jahren ein blutiges Ende.

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Julia Maesa wollte den Machtverlust ihrer Familie nicht akzeptieren.

Ursprünglich hatten Elagabals ehrgeizige Großmutter Julia Maesa und seine Mutter Julia Soaemias ihn in diese Situation gebracht. Julia Maesa war nicht bereit gewesen, den Machtverlust ihrer Familie hinzunehmen – zu sehr hatte sie sich an den Einfluss gewöhnt. Seit der Mann ihrer Schwester Julia Domna, Lucius Septimius Severus, im Jahr 193 zum Augustus ausgerufen worden war, lebte ihre Familie im Zentrum der Macht des römischen Imperiums.

Doch im April 217 war ihr "Caracalla" genannter Neffe Marcus Aurelius Antoninus, der Sohn und Nachfolger des Septimius Severus, ermordet worden – und Caracalla hatte keinen Nachfolger hinterlassen. Damit war die Dynastie der Severer schon in der zweiten Generation wieder ausgestorben, denn Caracalla hatte seinen Bruder und Mitregenten Geta bereits 211 beseitigen lassen.

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Caracallas Porträt, in einen Aquamarin geschnitten.

Attentat auf den Kaiser

Der Mordanschlag an Caracalla war von niemand Geringerem als dem Prätorianerpräfekten Macrinus angestiftet worden. Der Augustus war im Osten des Reiches gerade mit einem Krieg gegen die Parther beschäftigt – er sah sich in der Nachfolge Alexanders des Großen und wollte das Partherreich ins römische Imperium eingliedern. Als er unterwegs mit seinen Truppen von seinem Pferd abstieg, um seine Notdurft zu verrichten, wurde er von einem seiner eigenen Soldaten niedergestochen. Zwei Tribune der Prätorianergarde vollendeten den Mordanschlag. Die Soldaten zögerten, den Prätorianerpräfekten zum neuen Augustus zu proklamieren. Caracalla war bei den Legionären sehr beliebt gewesen, nicht zuletzt, weil er sie mit kräftigen Solderhöhungen versorgte. Hätte Macrinus nicht erfolgreich seine Beteiligung an dem Attentat verschleiert, wäre er wohl vom Militär umgebracht worden.

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Caracalla beseitigte seinen kleinen Bruder und Mitregenten Geta, hier auf einem Denar als Caesar.

Macrinus war ein Berber aus der Provinz Mauretania Caesariensis. Von seinem gesellschaftlichen Status war er ein eques, ein Ritter. Vor seinem Aufstieg zum Prätorianerpräfekten hatte er keine militärische, sondern eine zivile Laufbahn beschritten. Er war der erste Augustus, der nicht über die Senatorenwürde verfügte, und hatte daher entsprechend keinen Rückhalt in Rom. Der einzige Grund, warum der Senat ihn anerkannte, war die Beseitigung des den Senatoren verhassten Caracalla. Macrinus verprellte die römischen Würdenträger darüber hinaus mit einer Reihe zweifelhafter Entscheidungen, mit denen er sich über den Senat hinwegsetzte. Dazu erbte er von seinem Vorgänger desolate Finanzen und den Krieg im Osten – er bot aus Mangel an Alternativen den Parthern einen Friedensschluss an. Deren König Artabanos IV. beeindruckte dies wenig, er ließ seine Armee heranrücken und erzwang den Kampf bei der Stadt Nisibis an der heutigen türkisch-syrischen Grenze, der mit einer Niederlage der Römer endete.

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Caracalla sah sich in der Nachfolge von Alexander dem Großen.

Fake-News

Macrinus musste sich den Frieden mit einer gigantischen Summe von 200 Millionen Sesterzen erkaufen. In der Folge musste Macrinus strikte Einsparungen durchsetzen, insbesondere bei den Militärausgaben – keine gute Idee, wenn man auf die Unterstützung der Legionen angewiesen ist.

Gegenüber dem Senat erklärte er sich jedoch zum Sieger und ließ sogar Münzen mit der Inschrift Victoria Parthica prägen – eine Form von antiken Fake-News, schließlich waren die Münzen das übliche Medium, um die Politik des jeweiligen Herrschers zu verbreiten.

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Julia Mamaea, Tante des Elagabal.

Eine weitere Fehleinschätzung war die Verbannung der Julia Maesa mit ihren Töchtern Julia Soaemias und Julia Mamaea und den Enkelsöhnen Varius Avitus Bassianus und Alexianus Bassianus, der spätere Kaiser Severus Alexander, von Rom nach Syrien. Hier, in der Stadt Emesa (dem heutigen Homs), verfügte die Familie über Vermögen und eine Machtbasis. Der Vater der Schwestern Julia Domna und Julia Maesa war Julius Bassianus, der in Emesa das erbliche Amt des Hohepriesters des lokalen Sonnengottes Elagabal innehatte. Dieses Amt trat nun der zu dem Zeitpunkt 13-jährige Varius an.

Der ermordete Caracalla verfügte durch seinen Vater Septimius Severus im Gegensatz zu Macrinus außerdem über eine dynastische Legitimation – auch wenn Macrinus eilig den Beinamen Severus annahm und seinem eigenen Sohn Diadumenianus den Beinamen Antoninus gab und so an die Severische wie auch die Antoninische Dynastie anknüpfen wollte.

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Der zehnjährige Diadumenianus auf einem Sesterz.

Den nicht einmal zehnjährigen Diadumenianus ernannte er zunächst zum Caesar und schließlich zum mitregierenden Augustus. Auf eine dynastische Legitimation baute jedoch auch Julia Maesa ihre Hoffnungen auf eine Rückkehr zur Macht. Sie verbreitete das Gerücht, ihre Enkelsöhne Varius und Alexianus seien in Wirklichkeit uneheliche Söhne Caracallas. Varius' Name wurde in Marcus Aurelius Antoninus geändert, um wie schon der angebliche Vater Caracalla an die Dynastie der Antoniniane mit den hochangesehenen Kaisern Antoninus Pius und Marcus Aurelius anzuschließen.

Die steigende Unzufriedenheit des Militärs mit Macrinus nutzte Julia Maesa für ihre Zwecke. Sie versprach den Soldaten der in der Nähe von Emesa stationierten Legio III Gallica, ihr beträchtliches Vermögen an sie zu verteilen, wenn sie ihrer Familie wieder zum Kaiserthron verhelfen würde, berichtet Herodian. Sie soll ihre Töchter und Enkel heimlich in der Nacht ins Legionslager gebracht haben, wo die Soldaten Elagabal am 16. Mai 218 zum Kaiser proklamierten. Dio zufolge soll es jedoch Gannys gewesen sein, der den Jungen ohne das Wissen der Familie zu den Soldaten brachte und damit den Aufstand auslöste.

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Septimius Severus, Begründer der severischen Dynastie.

Macrinus, der sich wegen des Partherkrieges noch in Antiochia befand, schickte Truppen unter der Führung seines Prätorianerpräfekten Ulpius Julianus gegen die meuternde Legion und versuchte auch die bei Apamea stationierte Legio II Parthica zu der Niederschlagung des Aufstandes zu bewegen. Doch die Soldaten liefen über, und Macrinus erhielt den Kopf des Julianus zurückgeschickt.

Die aufständischen Legionen marschierten nun den Orontes hinab Richtung Antiochia, und dem Kaiser blieb nicht viel Zeit, neue Truppen auszuheben. Im Wesentlichen konnte er sich nur auf die Prätorianer stützen, mit denen er seinem Herausforderer entgegenzog. Die erzwungene Schlacht zwischen den militärischen Laien war sicherlich kein Meilenstein römischer Kriegskunst.

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Julia Domna war die Frau des Septimius Severus. Sie wurde nach ihrem Tod divinisiert.

Flucht und Tod

Macrinus flüchtete zunächst nach Antiochia. Als die Nachricht seiner Niederlage eintraf, setzte er sich ab und versuchte mit einem einfachen Umhang verkleidet zu entkommen. Seinen Sohn Diadumenianus schickte er zum Partherkönig Artabanos, doch er wurde entdeckt und getötet. Der unterlegene Augustus wurde schließlich in Kappadokien gefangen genommen und hingerichtet. Er hatte in seiner 14 Monate dauernden Herrschaft Rom kein einziges Mal betreten.

Verhängnisvoller Irrtum

Julia Maesa und Julia Soaemias glaubten vermutlich, den jugendlichen Kaiser leicht lenken zu können. Ein Irrtum, wie sich rasch zeigte. Schon auf dem Weg nach Rom wurde Gannys, der mit der Mutter des 14-Jährigen eine Beziehung hatte und sein Erzieher war, ermordet – den Berichten der Geschichtsschreiber zufolge von Elagabal selbst.

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Der Stein von Emesa beim Transport in einer Quadriga auf der Rückseite eines Denars. Der Kaiser nutzte solche Münzen für die Verbreitung seines Elagabal-Kultes.

Elagabal statt Jupiter

Mit Elagabal zog nicht nur ein neuer Herrscher in Rom ein – dieser brachte gleich auch seine eigene Religion mit in die Hauptstadt des Weltreiches. Sein Tross führte auch den Stein von Emesa mit. Dabei handelte es sich um einen "vom Himmel gefallenen" kegelförmigen schwarzen Stein, vermutlich ein Meteorit, der im Elagabaltempel verehrt wurde. Die Römer waren traditionell nicht sehr pingelig, was fremde Götter anging, schließlich spielte es kaum eine Rolle, ob nun ein paar mythologische Wesenheiten mehr oder weniger die Götterwelt bevölkerten. Doch der junge Kaiser setzte seinen Gott Elagabal an die Spitze des Pantheons und verstand sich darüberhinaus mehr als Hohepriester denn als Herrscher.

Rätselhaftes Horn des Elagabal

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Julia Cornelia Paula, Elagabals erste Frau.

Seinem für die Römer befremdlichen orientalischen Kult widmete er auch Darstellungen auf vielen seiner Münzen. Gerade jene Geldstücke, die auf ihrer Rückseite Bezug auf den Elagabalkult nahmen, zeigten auf der Porträtseite den Kaiser mit einem merkwürdigen hornförmigen Gebilde auf dem Kopf.

Während der Zusammenhang dieses "Horns" mit der Religion ziemlich sicher ist, scheiden sich bei der Interpretation desselbigen die Geister: Eine gängige Deutung besagt aber, dass es sich dabei um einen getrockneten Stierpenis handeln soll. Dies würde die Irritation der römischen Bürger noch nachvollziehbarer machen.

Drei Ehefrauen

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Die Vestalin Aquilia Severa war Elagabals zweite Frau.

Bald nach seiner Ankunft in Rom wurde der Kaiser verheiratet. Als seine Frau wurde Julia Cornelia Paula aus einer vornehmen römischen Adelsfamilie ausgewählt. Doch Ende 220 ließ sich Elagabal scheiden – der Überlieferung zufolge wegen eines körperlichen Makels Julia Paulas. Der Priesterkaiser hatte jedoch ein anderes Motiv: Er wollte eine göttliche Dynastie zeugen.

Skandal

Zu diesem Zweck heiratete er Julia Aquilia Severa, eine Priesterin der Vesta. Dies war ein für die Römer unfassbarer Vorgang. Eine Vestalin hatte jungfräulich zu sein, und auf einen Verstoß gegen dieses Gebot stand die Todesstrafe. In solchen Fällen wurde die unkeusche Priesterin lebendig begraben, während der Mann zu Tode gepeitscht wurde.

foto: apa/afp/turkia
Der Triumphbogen des Septimius Severus in Leptis Magna. Der Kaiser wurde in dieser Stadt im heutigen Libyen geboren.

Die Empörung in Rom war so groß, dass sich der Kaiser vor dem Senat rechtfertigen musste. Schon ein halbes Jahr später löste Elagabal die skandalöse Ehe wieder auf, heiratete Annia Aurelia Faustina, die in direkter Linie von Kaiser Marcus Aurelius abstammte. Da Annia jedoch mit dem Konsul Pomponius Bassus verheiratet war, ließ Elagabal diesen einfach hinrichten. Ende 221 verstieß Elagabal auch seine dritte Frau und heiratete seine zweite erneut.

foto: wikimedia, josé luiz bernardes ribeiro
Die Büste des Elagabal in den Musei Capitolini.

Elagabal hatte nicht nur einen großen Ehefrauenverschleiß, er war auch dem eigenen Geschlecht nicht abgeneigt. Sein absoluter Favorit war der Sklave Hierocles, ein Wagenlenker aus dem Circus. Diesen wollte Elagabal zu seinem Caesar machen, was seine Großmutter Julia Maesa verhinderte. Sie setzte durch, dass Elagabals Cousin Severus Alexander zum Mitregenten ernannt wurde.

Dio berichtet von dem Athleten Aurelius Zoticus, der einen außergewöhnlich großen Penis gehabt haben soll. Dies erfuhr der Kaiser – er soll über entsprechende Scouts verfügt haben. Elagabal ernannte Zoticus zu seinem Cubicularius, dem Kämmerer, und ließ ihn zu sich in den Palast bringen. Als dieser ihn bei der ersten Begegnung mit "Herr" ansprach, soll der Kaiser ihm laut Dio beschieden haben, er sei kein Herr, sondern vielmehr eine Dame. Doch weil der eifersüchtige Hierocles dem Zoticus heimlich ein Antiaphrodisiakum verabreichen ließ, wurde der neue Liebhaber schon nach der ersten Nacht aus dem Palast geworfen.

Cassius Dio erzählt auch, der "falsche Antoninus" habe Ärzten eine große Summe geboten, wenn sie ihm eine künstliche Vagina einpflanzen würden. Sogar prostituiert soll sich der Kaiser haben – nicht nur in Kneipen und Bordellen, sondern sogar im Herrscherpalast.

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Severus Alexander, Mitregent und Nachfolger Elagabals.

Die Mitregentschaft seines Cousins Severus Alexander ab Juni 221 wollte Elagabal jedenfalls nicht hinnehmen, einen Mordanschlag verhinderten jedoch die Prätorianer. Auch die Unterstützung seiner Großmutter Julia Maesa hatte Elagabal längst verloren, sie setzte mittlerweile auf ihren zweiten Enkel, um die Dynastie vor dem Untergang zu retten. Am 11. März des Jahres 222 wurde Elagabal schließlich von der Prätorianergarde gemeinsam mit seiner Mutter Julia Soaemias ermordet. Ihre Leichen wurden geköpft und nackt durch die Stadt geschleift, Elagabal schließlich in die Tiber geworfen. Die Spaltung der Herrscherfamilie wird daran deutlich, dass die Macht problemlos an Severus Alexander überging.

Auch wenn die Berichte der Geschichtsschreiber nicht vollumfänglich für bare Münze genommen werden können, da sie die Ereignisse natürlich aus ihrem Blickwinkel erzählten. Während sie Elagabal verteufeln, streichen sie die Tugendhaftigkeit seines Nachfolgers Severus Alexander über Gebühr hervor.

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Julia Mamaea starb im Jahr 235 gemeinsam mit ihrem Sohn Severus Alexander bei einem Soldatenaufstand in Mainz.

Was auch immer von den Anekdoten einen wahren Kern in sich trägt oder dazugedichtet wurde, die Regierungen des Macrinus und des Elagabal führten jedenfalls zu einer weiteren nachhaltigen Beschädigung der Kaiserwürde. Schon während des Machtkampfes des zweiten Vierkaiserjahres 193, aus dem schließlich Septimius Severus als Sieger hervorging, war es zu unwürdigen Ereignissen gekommen. So hatten die Prätorianer nach der Ermordung des Publius Helvius Pertinax, der wegen seiner Sparmaßnahmen beim Militär umgebracht wurde, das Kaiseramt an den Meistbietenden verkauft. Der wohlhabende Senator Marcus Didius Julianus bot der Garde 25.000 Sesterzen pro Mann und erhielt den Zuschlag. Da er die Versprechen nicht erfüllen konnte, senkte dies seine Lebenserwartung umgehend.

Nach dem Ende der Severerdynastie mit dem gewaltsamen Tod des Severus Alexander und seiner Mutter Julia Mamaea bei Mogontiacum im Jahr 235 begann mit Maximinus Thrax die Zeit der Soldatenkaiser – ein etwas irreführender Begriff, da sich im Wesentlichen schon alle Kaiser zuvor auf das Militär als ihre Machtbasis stützten. Jedenfalls wechselten die Herrscher in der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts fünf Jahrzehnte lang in rascher Folge, bis Gaius Aurelius Valerius Diocletianus schließlich eine umfassende Reichsreform durchsetzen konnte und das Prinzipat durch die Tetrarchie abgelöst wurde. (Michael Vosatka, 14.6.2018)