"Dr. Böhmermanns Struwwelpeter" im ZDF: Kinder brauchen Liebe ...

8. Juni 2018, 11:00
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Jan Böhmermann nimmt in einer Sonderausgabe des "Neo Magazin Royale" am Freitag nicht die Kinder, sondern die Eltern an der Nase

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Das liegt oft an anderen Eltern. Kinder zu erziehen stellt heute aber auch vor so schwierig zu beantwortende Fragen wie: Soll es das neue iPhone für die patscherten Kinderhände sein oder tut’s das Vorgängermodell auch? So was gab’s früher nicht.

Auch die richtige pädagogische Ideologie für die Aufzucht zu wählen kann Nerven aufreiben. Vorbei sind die Zeiten, da der Griff ins Jugendbuchregal unverfänglich war. Soll man lieber die Aschenputtel-Neufassung ökologischer oder feministischer Prägung vorlesen? Das Original ist ja sexistisch!

Was früher als Gutenachtgeschichte durchging, steht heute schnell im Giftschrank der Kinderliteratur. Etwa der 1844 von Heinrich Hoffmann veröffentlichte Struwwelpeter. Den nimmt Jan Böhmermann sich Freitagabend (23 Uhr, ZDF) vor.

foto: zdf/joseph strauch

Und bereitet die schwarze Pädagogik zeitgemäß auf: Neunjährige, denen vor lauter Chinesischlernen nur mehr Fingernuckeln als Stressabbau bleibt? Genau. Kinder, die instagrammen und sozial netzwerken, aber die einfachsten Handgriffe des analogen Lebens nicht mehr erlernen? Bingo.

In eine halbe Stunde packt diese Sondersendung des Neo Magazin Royale allerlei Zeitdiagnostisches zwischen Nahrungs- und Rassenintoleranz. Böhmermann belehrt dabei nicht die Kinder, er nimmt die Eltern an der Nase.

Vorigen Juni pirschte der TV-Lausbub sich unter dem Titel Letzte Stunde vor den Ferien in humoresken Videos Klassikern der deutschsprachigen Literatur an, um sie vom angestaubten Sockel zu stoßen. Der Einfallsreichtum seiner Redaktion und die Kunstfertigkeit seines Produktionsteams zeigen sich einmal mehr in Hochform. (Michael Wurmitzer, 8.6.2018)

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