Ultraviolette Zunge soll Feinde abschrecken

8. Juni 2018, 09:00
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Blauzungenskinke halten für Angreifer einen Überraschungseffekt parat – und werden ihrem Namen nicht gerecht, wie Forscher nun herausfanden

foto: shane black
"Verschwinde, mit mir ist nicht zu spaßen!" (freie Übersetzung aus dem Skinkischen)

Sydney – Werden Tiere mit einem Gegner konfrontiert, können sie auf ganz unterschiedliche Weise reagieren: Flüchten, kämpfen, in manchen Fällen sich einfach tot stellen – oder bedrohlich wirken. Ob gesträubtes Fell, aufgeplustertes Gefieder oder das Annehmen einer aufrechten Körperhaltung: Oft laufen die diversen Strategien darauf hinaus, größer und damit abschreckender zu wirken. Manche Spezies setzen allerdings auch auf zusätzliche Überraschungseffekte.

Dazu gehören auch die Blauzungenskinke (Tiliqua), eine Echsengattung, die in Australien beheimatet ist. Diese bis zu einem halben Meter langen Tiere nehmen bei einer Bedrohung ebenfalls eine Körperhaltung ein, die sie eindrucksvoller wirken lässt. Dazu kommt aber ein Spezialeffekt: Sie öffnen weit das Maul und lassen daraus die auffällig gefärbte Zunge hervorschnellen, der sie ihren Namen verdanken.

Die wahre Farbe

Nun berichtet Martin Whiting von der australischen Macquarie University im Fachjournal "Behavioral Ecology and Sociobiology", dass Säugetiere wie wir diese eindrucksvolle Zurschaustellung gar nicht vollständig wahrnehmen können. Die Zunge mag für unsere Augen blau sein, in Wirklichkeit ist aber vor allem eine ultraviolette Komponente im Spiel. Wahrnehmen können das nur Tiere, die einen besseren Gesichtssinn haben als Säuger – etwa Vögel, Schlangen oder Warane. Und genau das sind auch die Fressfeinde, vor denen sich die Skinke hauptsächlich in Acht nehmen müssen.

Mit tragbaren Spektrophotometern konnten die Forscher um Studienerstautor Arnaud Badiane nicht nur die wahre Farbe der Zunge bestimmen. Sie stellten auch fest, dass das Ultraviolett nach hinten immer intensiver wird. Mit simulierten Attacken durch Tierattrappen fanden die Forscher heraus, dass das mit der Abschreckungstaktik der Echse zusammenhängt.

Timing ist dabei offenbar alles: Der Skink versucht so lange wie möglich unauffällig zu bleiben, um dann einen Angreifer im entscheidenden Moment zu irritieren und zum Abschwenken zu bringen – bei Attacken durch Vögel sei dies laut den Forschern besonders effektiv. Reißt der Skink das Maul zu früh auf, wird er vorzeitig entdeckt und der Angreifer kann sich auf ihn einstellen. Tut er es zu spät, war die ganze Ausstattung natürlich sowieso umsonst. (jdo, 8. 6. 2018)

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