Diabetes: Med-Uni Graz entwickelt Leitlinie für Unterzucker-Messung

    8. Juni 2018, 06:00
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    Im Zuge eines europäischen Projekts soll Hypoglykämie klassifiziert werden, um besser vorhersagen zu können, welche Folgen wann eintreten

    Die Hypoglykämie, das Absinken des Blutzuckers während der Insulintherapie, ist für viele Menschen mit Diabetes eine latente Gefahr: Unterzuckerungen sind die häufigsten Notfälle im Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit. Die Med-Uni Graz beteiligt sich aktuell an einem EU-Forschungsprojekt, das die Belastung und Folgen der Hypoglykämie klären und lindern will.

    Diabetes-Patienten brauchen viel Geduld: Um die Folgen von Diabetes zu verhindern, muss der Blutzuckerspiegel künstlich auf möglichst optimalem Niveau gehalten werden. Um Unter- oder Überzuckerungen (Hypo- und Hyperglykämien) zu verhindern, muss alle paar Stunden der Zuckerspiegel gemessen und berechnet werden, wie viel Insulin verabreicht oder Diabetes-Medikamente eingenommen werden müssen.

    Die rechtzeitige Wahrnehmung einer Hyperglykämie stellt laut Julia Mader von der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med-Uni Graz für viele Betroffene eine Herausforderung dar: Der Auslöser einer akuten Unterzuckerung könne eine Überdosierung ebenso sein wie zu wenig Nahrung, Alkohol oder falsch eingeschätzte körperliche Aktivität. Und auch die Grenze, ab der man von einer Unterzuckerung spricht, wird nach wie vor von Medizinern diskutiert.

    Einheitliche Definition

    Im Rahmen des Gesamtprojektes "Hypo-RESOLVE" soll daher eine Klassifikation von Hypoglykämie, die auf klassisch validen Daten von bis zu 150 kürzlich durchgeführten klinischen Studien basiert, aufgestellt werden. Damit will man zu einer einheitlichen Definition von Hypoglykämie kommen, diese besser vorhersagen und abschätzen können, welche Folgen wann eintreten. Aufgrund dieser Daten soll auch der Weg für weitere Forschungen zu glukosesenkenden Therapiemöglichkeiten geebnet werden.

    Forscher weltweit arbeiten an Systemen, bei denen der Blutzucker kontinuierlich gemessen wird. Bei solchen sogenannten CGM-Systemen wird ein winziger Sensor unter der Haut eingebracht, der Blutglukosewert wird nicht-invasiv gemessen und über einen Sender mehrmals pro Tag an den Empfänger versendet.

    Die Arbeitsgruppe von Thomas Pieber an der Med-Uni Graz wird im Rahmen des Projektes von CGM ermittelte, niedrige Glucosewerte analysieren. Weiters sollen die Ergebnisse von nicht-invasiven, kontinuierlichen CGM-Messungen solchen von"blutigen" Messungen gegenübergestellt werden. Anhand der im Projekt erarbeiteten Kriterien will man dann eine einheitliche Leitlinie erarbeiten, die den Umgang mit niedrigen Blutglukosewerten bei klinischen Studien regelt. Weiters sollen die ökonomischen Auswirkungen der Hypoglykämie (Krankenhausaufenthalt, Verletzungsgefahr, Arbeitsausfall) berechnet und erhoben werden. Der Grazer Anteil des Projektvolumens beträgt 800.000 Euro. (APA, 8.6.2018)

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