Doku "Wer braucht die Männer?" auf ORF 1: Muskelverspannung

6. Juni 2018, 21:00
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Herausgekommen ist bestes Infotainment, wie man es vom gewitzt pointierten Settele mittlerweile kennt

Mit #MeToo, #TimesUp sowie dazugehörigen Gegenbewegungen wird eines wieder ganz offenkundig: Der Mann als solcher ist in der Krise. Mit sich und mit der Welt. Schon vor 100 Jahren war das nicht anders. Damals ersetzten Maschinen zunehmend die Muskelkraft, der Krieg – seit jeher Identifikationsmerkmal – verlor durch den technologischen Schrecken die Unschuld, es galt, sich neu zu erfinden.

Wie das heute, angesichts von Globalisierung, Digitalisierung und sich verändernden Rollenbildern vonstattengeht, das hat sich ORF-Redakteur Hanno Settele in seiner neuen Dokeins-Folge Wer braucht die Männer? angesehen.

Herausgekommen ist bestes Infotainment, wie man es vom gewitzt pointierten Settele mittlerweile kennt. Viel zu lachen gibt es etwa, wenn er Männer und ihre Kompensationsstrategien zum Alltagsfrust bloßlegt: Zeltlager im Wald, Baggerfahrervereine ("Wer haut ned gern amoi wos zaum?"), Fitnesscenter natürlich, aber auch Fettabsaugen bei Dr. Worseg, der sein Interview (besonders männlich?) bei vollem Muskeleinsatz direkt vom OP-Tisch aus gibt.

Im Infoteil liefert Settele wie immer interessante Statistiken: Frauen machen mehr Studienabschlüsse als Männer und ziehen häufiger vom Land in die Stadt. Das führt mitunter zu "sterbenden Dörfern". Maßnahmen dagegen zu finden ist schwierig, aber nicht unmöglich. Als Vorzeigemodell für ein modernes Geschlechterverhältnis präsentiert die Doku Island: Dort werde es als "cool" empfunden, wenn Männer in Karenz gehen: 46 Prozent tun es.

Letztlich lehrt die Doku, dass Männer nur dann zu neuen Rollen finden können, wenn das ökonomisch-politische Umfeld es auch will und zulässt. (Stefan Weiss, 6.6.2018)

  • Hanno Settele und die Männer – Mittwoch um 20.15 Uhr in ORF 1.
    foto: orf

    Hanno Settele und die Männer – Mittwoch um 20.15 Uhr in ORF 1.

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