Forscher testeten, wovor wir uns am meisten ekeln

10. Juni 2018, 09:00
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Umfrage ergab sechs Gruppen von Ekelauslösern – tiefverwurzelte Angst vor ansteckenden Krankheiten dürfte an der Wurzel des Gefühls stecken

foto: apa/afp/anne-christine poujoulat
Kakerlaken sind unappetitlich? Nun, es gibt Dinge, vor denen es uns stärker graust, wie eine Befragung durch britische Forscher ergab.

London – Einen mäßig appetitlichen Fragebogen legten Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine ihren Probanden vor: Die über 2.500 Teilnehmer – vorwiegend aus den USA und Großbritannien – sollten aus insgesamt 75 Szenarien, die vorab als "möglicherweise ekelhaft" eingestuft worden waren, die ihrer Meinung nach schlimmsten auswählen.

Auf dem Menü standen unter anderem eitrige Wunden und vor Insekten wimmelnde Gegenstände, aber auch akustische Reize – vom Niesen bis zum Kackgeräusch. Jedes dieser Szenarien sollten die Probanden auf einer Skala von "nicht ekelig" bis "extrem ekelerregend" einstufen.

Kategorien des Ekels

Nach der Auswertung der Ergebnisse glauben die Forscher um Val Curtis die Ekelfaktoren zu sechs Gruppen zusammenfassen zu können: 1) Auffälligkeiten jeglicher Art auf der Haut, 2) Deformationen des Körpers oder von Körperteilen, 3) potenziell krankheitsübertragende Tiere wie Insekten, 4) verdorbene Nahrung, 5) nachlässige Körperhygiene und 6) riskantes Sexualverhalten.

All diese Faktoren laufen laut Curtis auf einen gemeinsamen Nenner hinaus: Sie könnten Hinweise auf eine Bedrohung durch ansteckende Krankheiten – ob Pocken, Cholera oder Syphilis – sein und lösen daher ein Vermeidungsverhalten aus. Die Forscher sehen damit die sogenannte "Parasite Avoidance Theory" bestätigt, derzufolge Tiere ein Verhalten entwickelt haben, das den Kontakt mit potenziellen Krankheitsüberträgern minimiert. Curtis geht aufgrund von Studien zu verschiedenen Tiergruppen davon aus, dass dieses Verhalten sehr weit im Stammbaum der Evolution zurückreicht.

Zugleich könne dies die evolutionäre Perspektive zum Zweck von Gefühlen stützen, derzufolge eine Emotion zu einer Aktion führt. Im Fall von Ekel ist es die Handlung, auf Distanz zu etwaigen Krankheitsherden zu gehen. Curtis bezeichnet Ekel daher als "strukturiert, erkennend und antwortend" auf die Bedrohung durch eine Infektion. Selbst wenn das Gefühl – etwa was "deformierte" bzw. von der Norm abweichende Körper betrifft – in die Irre gehen kann.

Einige Ergebnisse

In der Befragung stellten sich auch einige Unterschiede zwischen den Geschlechtern heraus. Frauen reihten im Schnitt riskantes Sexualverhalten (etwa Promiskuität), aber auch Tiere wie Mäuse oder Insekten weiter oben auf der Ekel-Skala ein, als es die Männer taten. Und insgesamt gaben die Frauen quer durch alle Kategorien höhere Ekelgrade an. Die Forscher sehen dies vor dem Hintergrund, dass Männer im Schnitt risikobereiter als Frauen seien: ein grundlegender Verhaltensunterschied, der sich eben auch beim Thema Ekel äußere.

Und was fanden die Versuchsteilnehmer am schlimmsten? Schlechte Nachrichten für alle, die es mit der Körperhygiene nicht so genau nehmen: Körpergeruch rangierte sehr weit oben. Die unübertroffene Nummer 1 der Befragung war allerdings eine andere – offenbar löst nichts so starken Ekel in uns aus wie der Anblick einer infizierten Wunde, aus der Eiter quillt. (jdo, 10. 6. 2018)

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