Die zwei Whatsapp-Gründer hassten es, bei Facebook zu arbeiten

    6. Juni 2018, 08:29
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    Das "Wall Street Journal" berichtet über jahrelange schlechte Stimmung zwischen WhatsApp und Facebook

    Es war die größte Übernahme der vergangenen Jahre: Im Februar 2014 gab Facebook bekannt, den populären Messenger-Dienst Whatsapp für rund 19 Milliardne Dollar zu kaufen. Sowohl Facebook-Chef Mark Zuckerberg als auch Whatsapp selbst versprachen damals, dass der Service seine Autonomie behalten solle.

    Dem war aber nicht so: Facebooks Führungsspitze soll sich massiv in die Angelegenheiten von Whatsapp eingemischt haben. Nun gaben die beiden Whatsapp-Gründer Jan Koum und Brian Acton auf: Acton verließ das Unternehmen vergangenen September, Koum diesen März. Gemeinsam verzichteten sie dadurch auf Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Dollar.

    Massiver Druck

    Soviel war ihnen offenbar ihre Freiheit wert, kommentiert das Wall Street Journal. Zuckerberg und Facebook-Managerin Sheryl Sandberg sollen massiven Druck auf Whatsapp ausgeübt haben. Der Dienst solle endlich lukrativ werden, forderte Facebook. So wollte der IT-Konzern etwa, dass Whatsapp unverschlüsselte Chats zwischen Unternehmen und Kunden anbietet. Gegen personalisierte Werbung, wie sie etwa den Großteil der Facebook-Einnahmen ausmacht, wehrten sich die Whatsapp-Gründer bis zuletzt.

    "Passiv-Aggressiv"

    Die Atmosphäre wird von Insidern als feindselig und "passiv-aggressiv" beschrieben. So waren die rund 200 Whatsapp-Mitarbeiter mit ihren Arbeitsplätzen bei Facebook unzufrieden. Sogar über Details wie die Arbeitsstühle und Toiletten wurde gestritten. Facebook-Mitarbeiter sollen sich über ihre Kollegen bei Whatsapp lustig gemacht haben, etwa weil diese um Ruhe rund um ihr Büro gebeten hatten.

    Geschäftsmodelle

    Nach dem Abschied von Acton und Koum dürfte Whatsapp nun stärker mit Facebook verschmelzen. Der langjährige Facebook-Manager Chris Daniels wurde von Zuckerberg damit beauftragt, ein Geschäftsmodell für Whatsapp zu entwickeln. In der Zwischenzeit gab Acton bekannt, seinen Facebook-Account gelöscht zu haben. Außerdem spendete er fünfzig Millionen Dollar an die Signal Foundation, die hinter dem Mitbewerber Signal steckt.

    Anders verlief übrigens der Integrationsprozess mit Instagram, das 2012 von Facebook übernommen worden war. Anfangs gab es auch hier Streitigkeiten: Nachdem Instagram in den ersten Monaten wichtige Umsatzziele verfehlte, führte Facebook eine Art Coup durch, um eigene Modelle umsetzen zu können. Mittlerweile gilt Instagram als eines der wichtigsten Geschäftsfelder bei Facebook – und seine Gründer Kevin Systrem und Mike Krieger sind nach wie vor dabei. (red, 6.6.2018)

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      foto: ap/sison
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