Schon 100 Tote nach heftigem Vulkanausbruch in Guatemala

7. Juni 2018, 20:04
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Nur ein Bruchteil der Opfer wurden identifiziert – die Sorge vor einem neuerlichen Ausbruch ist groß

Guatemala-Stadt – Die Zahl der Toten durch den Vulkanausbruch in Guatemala ist auf mindestens 100 gestiegen. Die sterblichen Überreste von 100 durch den Ausbruch des Feuervulkans getöteten Menschen seien in die Gerichtsmedizin gebracht worden, teilte das rechtsmedizinische Institut Inacif am Donnerstag mit. Vor Bekanntgabe der neuesten Zahlen hatten gut 190 Menschen als vermisst gegolten.

Laut der Sprecherin des Instituts, Mirna Zeledon, waren erst 28 der 99 Toten identifiziert. Das Institut veröffentlichte eine Liste der Toten und erklärte, am Mittwoch seien 24 weitere Todesopfer in den Leichenhallen registriert worden. Allein 88 Leichen waren demnach in zwei Leichenhallen im Department Escuintla aufgenommen worden. Das Gebiet war besonders schwer von dem Ausbruch des Vulkans getroffen worden.

Mehr als 12.000 Menschen in Sicherheit gebracht

Der Katastrophenschutz des Landes teilte mit, dass bis Dienstag mehr als 12 000 Menschen in Sicherheit gebracht worden seien. 44 Opfer erlitten Verletzungen. Die US-Luftwaffe kündigte an, sechs Kinder mit schweren Verbrennungen zur Behandlung in die Vereinigten Staaten zu bringen. Die Kinder und deren Begleitpersonen würden nach Texas ausgeflogen, teilte die US-Botschaft in Guatemala auf Twitter mit. Die Regierung des mittelamerikanischen Landes habe die Hilfe angefordert. Die Luftwaffe habe zudem Ausrüstung gespendet, um guatemaltekische Einsatzkräfte zu unterstützen.

Auch das Nachbarland Mexiko entsandte nach Angaben des Außenministeriums Hilfe. Ein Ärzteteam und mobile Praxen würden nach Guatemala geschickt, teilte das Ministerium mit.

Schon lange aktiv

Der 3.763 Meter hohe Feuervulkan (Volcan de Fuego), der 35 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt liegt, ist schon seit Monaten aktiv. Am Sonntag war der Vulkan ausgebrochen, in den vergangenen Tagen gab es mehrere Explosionen. Die Bergungsarbeiten mussten deshalb immer wieder unterbrochen werden.

Teilweise machen heftige Regenfälle die Suche unmöglich, dann wieder rumort der Vulkan und versetzt Anrainer und Helfer in Panik. Das Institut für Vulkanologie meldete am späten Nachmittag einen erneuten Abgang eines Lava-Stroms vom Feuervulkan. Dieser sei rund 30 Meter lang und stellenweise bis zu drei Meter hoch, erklärte das Institut auf Twitter. Der Strom habe Felsbrocken und Bäume mitgerissen.

Panik löst Verkehrschaos aus

Pyroklastische Ströme bewegen sich sehr viel schneller vorwärts als Lavaströme, so dass Anrainern oft keine Zeit bleibt, sich zu retten. Unter den Bewohnern der Ortschaft Escuintla in der Nähe des Vulkans brach Panik aus. Viele versuchten, mit Autos zu fliehen, wodurch ein Verkehrschaos ausgelöst wurde. Rettungshelfer, Polizisten und Soldaten mussten das Gebiet verlassen.

Schadensberichte für Plantagen

Die Familien begannen damit, die Toten in langen Prozessionen zu Grabe zu tragen. In den am stärksten betroffenen Verwaltungsbezirken Escuintla, Chimaltenango und Sacatepeqeuz wurde der Notstand ausgerufen. Abgeordnete forderten Schadensberichte für die zahlreichen Kaffeeplantagen und Maisanbaubetriebe.

Wiederaufbaupläne

Guatemalas Präsident Jimmy Morales nannte den Vulkanausbruch eine "Tragödie" und kündigte an, die Suchaktionen und die Opferhilfe würden solange fortgesetzt wie nötig. Zudem werde an einem Wiederaufbauplan gearbeitet.

Weitere Ausbrüche werden befürchtet. Experten warnten am Mittwoch zudem davor, dass angesichts der großen Mengen vulkanischen Schlamms Starkregenfälle zu Erdrutschen führen könnten.

Seit 2002 ist der Berg wieder verstärkt aktiv. Erst im Mai brach der Vulkan aus und löste eine Schlammlawine aus. (APA, 7.6.2018)

  • Die Rettungskräfte suchten auch zwei Tage nach dem Ausbruch an den Hängen des Volcan de Fuego weiter nach Verschütteten.
    foto: reuters/luis echeverria

    Die Rettungskräfte suchten auch zwei Tage nach dem Ausbruch an den Hängen des Volcan de Fuego weiter nach Verschütteten.

  • Sechs Ortschaften im Gefahrengebiet wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes evakuiert.
    foto: reuters/luis echeverria

    Sechs Ortschaften im Gefahrengebiet wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes evakuiert.

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/afp/maria del rocio lazo
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