Mexiko erhebt Strafzölle auf US-Schweinefleisch

5. Juni 2018, 18:26
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Der Handelsstreit geht in die nächste Runde, Opfer wird es wohl in Mexiko und Nordamerika geben

Mexico City – Wie erwartet ist der Handelsstreit zwischen Mexiko und US-Präsident Donald Trump nun eskaliert: Mexiko hat angekündigt, in Zukunft etwa 90 Prozent der amerikanischen Schweinefleischimporte, die sich jährlich auf etwa 1.07 Milliarden US Dollar belaufen, mit einem Strafzoll von 20 Prozent zu belegen.

Dies bestätigten zwei Vertreter der mexikanischen Schweinefleischindustrie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Die Zollerhebung auf amerikanische Schweinebeine und –Schultern – die mit beliebtesten Teilstücke vom Schwein in Mexiko, für die es in Amerika weit weniger Bedarf gibt – ist eine direkte Vergeltungsmaßnahme für Präsident Trumps Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte.

"Es sind 20 Prozent auf Beine und Schultern, frisch und gefroren … mit Knochen und ohne Knochen," sagte Heriberto Hernandez, Präsident von Mexikos führendem Verband von Schweinefleischproduzenten OPORPA, nach einer Besprechung mit Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo. Hernandez sagte, er unterstütze die Entscheidung der mexikanischen Regierung und glaube nicht, dass Schweinefleischpreise in Mexiko aufgrund der neuen Zölle steigen werden, da es "viele Alternativen" zu amerikanischen Lieferanten gebe. Davon profitieren könnten vor allem Kanada – dank NAFTA – die EU, Brasilien und Chile. Im Jahr 2017 importierte Mexiko etwa 840,000 Tonnen Schweinefleisch.

US-Bauern und mexikanische Verbraucher leiden

Die Leidtragenden des Zollkrieges zwischen Mexiko und Donald Trump kommen voraussichtlich von beiden Seiten: Während amerikanische Bauern von nun an wohl aufgrund deutlich niedrigerer Exporte nach Mexiko mit sinkenden Schweinefleischpreisen werden kämpfen müssen, könnten die mexikanischen Verbraucher mit höheren Preisen – und einem schwächeren Peso – bestraft werden. Peso und Dollar reagierten auf die mexikanische Ankündigung neuer Strafzölle: Der Peso schwächelte, im Gegenzug erfuhr der Dollar am Dienstag einen Anstieg um bis zu 0,7 Prozent.

Victor Manuel Ochoa, Vorstandsvorsitzender des führenden Schweinefleischherstellers Granjas Carroll, sagte, steigende Preise in Mexiko seien eine wahrscheinliche Konsequenz der neuen Zölle. "Es wäre sehr schwierig für mexikanische Schweinefleischpreise, unverändert zu bleiben," sagte Ochoa. Damit widersprach er den Prognosen von OPORPA-Präsident Hernandez.

Schweinefleischzölle erst der Anfang

Die mexikanische Regierung hatte bereits vergangene Woche die Entscheidung der USA, Strafzölle einzuführen, scharf verurteilt und angekündigt, "äquivalente Maßnahmen" gegen eine Reihe von US-amerikanischen Produkte erheben zu wollen. Diese würden Stahl, Glühbirnen, Äpfel, Weintrauben, Käse und Weintrauben betreffen, unter anderem.

Der Verurteilung der amerikanischen Strafzölle schlossen sich neben Mexiko viele andere internationale Regierungschefs an. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bezeichnete die protektionistischen Zölle von Präsident Trump als "völlig inakzeptabel" und einen "Affront gegenüber den Tausenden Kanadiern, die an der Seite ihrer amerikanischen Brüder gekämpft haben und gestorben sind."

Der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker hatte im Vorfeld über die US-Strafzölle gesagt: "Das ist Protektionismus, einfach und simpel." (jeo, 05.06.2018)

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