Github-Kauf: Microsoft verabschiedet sich weiter von Windows

    Analyse5. Juni 2018, 11:45
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    Das Unternehmen will Entwickler dazu bringen, den eigenen Cloud-Service zu nutzen

    Mit dem Kauf von Github um 7,5 Milliarden US-Dollar hat Microsoft eine große Verantwortung auf sich genommen. Neben des Geldes würde das Unternehmen, sollte es die Plattform in eine unbeliebte Richtung führen, auch das Vertrauen der Entwickler verlieren, welches es sich über die letzten Jahre aufgebaut hat.

    Weg von Windows

    Seitdem Nadella Microsoft als CEO übernommen hat, investiert Microsoft massiv in Open-Source-Lösungen, also Software, die einen offenen Quelltext hat und von Dritten frei genutzt und erweitert werden kann. Etwa sind Power Shell, Visual Studio Code und die Javascript-Engine des Browsers Microsoft Edge heute Open-Source-Projekte, außerdem unterstützt Windows 10 mittlerweile Linux. Das zeigt die Veränderung, die Microsoft in den letzten Jahren geprägt hat. Steve Ballmer, Microsoft-CEO bis 2014, hatte noch vehement versucht, Windows im Zentrum von Microsofts Strategie zu behalten. Daraus resultierten erfolglose oder unbeliebte Produkte wie das Windows Phone oder Windows 8. Nadella erkannte, dass es in dem Bereich keinen Wachstum mehr gibt. Das heißt nicht, dass Microsoft sich gänzlich von dem Betriebssystem verabschiedet – schließlich gilt das Betriebssystem auf Desktop-Systemen immer noch als klarer Marktführer. Doch mit seiner Offenheit zu Programmierern will das Unternehmen sich auf neue Märkte fokussieren, etwa dem Cloud-Geschäft, mit dem der Kauf von Github in Verbindung steht.

    Social Media und Open Source

    Aber: Github ist nicht nur ein einfaches Tool für Programmierer, sondern hat sich mittlerweile zu dem Herzstück entwickelt, welches die Open-Source-Community im Netz antreibt. Es ist eine Mischung aus sozialen Netzwerk und Programmmanagement-Tool, wie Wired anmerkt. Was Microsoft letztlich erreichen möchte, ist, Entwickler dazu zu bringen, seine Cloud-Services für Entwickler interessant zu machen – das könnte durch eine Integration mit Github funktionieren, sofern diese effektiv und trotzdem nicht zwingend ist.

    Github hat aktuell keinen wirklichen Konkurrenten. Sowohl Google wie auch Microsoft selbst haben in der Vergangenheit versucht, sich auf dem Markt zu etablieren. Jedoch konnten weder Google Code noch Microsofts Codeplex die Plattform besiegen. Vor Github dominierte der Dienst Sourceforge den Markt – und er sollte für Microsoft als Musterbeispiel dafür gelten, wie Github sich künftig nicht entwickeln darf, um populär zu bleiben. Sourceforge wurde 2012 von dem Karriereservice-Unternehmen DHI Holdings gekauft. Kurze Zeit später begann es, die Website mit Werbung zu füllen, die oft zu ungewollten Downloads führte. Dem nicht genug, bei "verlassenen" Projekten mussten User "Bundles" herunterladen, die die eigentlich gewollte Software und ungewollte, von vielen als Adware klassifizierte Programme beinhalteten. Enttäuschte User verließen die Plattform in Scharen, 2016 musste sie verkauft werden.

    Gitlab wirbt für Umzug

    Viele User haben bereits jetzt ihre Unmut gegenüber dem Kauf von Github ausgedrückt – Gitlab, ein Konkurrenzdienst, hat die Frustration vieler Nutzer zum Anlass genommen, um die eigene Plattform zu bewerben – und hat hierfür ein Video hochgeladen, in welchem erklärt wird, wie die Migration von Github zu Gitlab am effektivsten funktioniert. Der Dienst hat seit der offiziellen Ankündigung zum Kauf nach eigenen Angaben zehnmal so viele Projektimporte verzeichnet als sonst. Aber: Der Großteil der Unternehmen und Entwickler auf Github geben Microsoft eine Chance.

    Das Unternehmen hat in einem Eintrag auf dem Unternehmensblog versichert, dass Github weiterhin unabhängig betrieben wird. Es soll eine Plattform für Entwickler aller Branchen bleiben – Einschränkungen in Bezug auf Programmiersprache, Tools und Betriebssystem werde es nicht geben. Das ist auch ein Zeugnis für den neuen Weg, den Microsoft geht – weg vom Geschäftsmodell Windows. (muz, 5.6.2018)

    • Windows ist nicht mehr die einzige Zukunft für Microsoft.
      foto: ap/thompson

      Windows ist nicht mehr die einzige Zukunft für Microsoft.

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