Elon Musk: Mit der Trump-Taktik gegen kritische Schlagzeilen

    23. Juni 2018, 17:30
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    Tesla-Gründer weiterhin auf Kreuzzug gegen die Medien, während seine Firmen in Schwierigkeiten stecken

    Elon Musk hat es weit gebracht. Vom 12-jährigen, der ein Videospiel programmiert wurde er zum Gründer von Tesla, dem Unternehmen, das als Synonym für fortschrittliche Elektroautos steht. Mit SpaceX steht er zudem an der Spitze der Entwicklungen in der privaten Raumfahrt. Die Boring Company soll den städtischen Verkehr mit Untergrund-Tunneln revolutionieren und Zukauf SolarCity die Energiewende vorantreiben.

    Doch Musk hat seinen Ruf als Innovator und Visionär nicht nur durch seine unternehmerischen Aktivitäten erworben. Er hat ihn auch den Medien zu verdanken, die sich oft auf jede Ankündigung von ihm gestürzt und seine gewagten Versprechen in die Welt transportiert haben. Selbst eigenwillige Marketinggags, wie der Verkauf von Mini-Flammenwerfern, wurden zahlreich aufgegriffen. Jetzt allerdings befindet sich Musk auf Kreuzzug gegen sie. Dabei gibt er ein hehres Motiv vor, tatsächlich dürfte seine Kampagne aber ein Ablenkungsmanöver sein, wird in manchen Kommentarspalten argumentiert.

    Tesla in Troubles

    Denn aktuell läuft es für Musk nicht, wie geplant. Autohersteller Tesla musste sich in den vergangenen Monaten einige kritische Schlagzeilen gefallen lassen, als mehrere Unfälle unter Beteiligung der Autopilot-Funktion aufgearbeitet wurden und Zweifel an den Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken aufkam. Gleichzeitig erreicht das Unternehmen die versprochenen Produktionsziele für das Modell 3 nach wie vor nicht, weswegen man zuletzt sogar ein komplettes Produktionsband für Elektroakkus von Europa nach Kalifornien verfrachtet haben soll.

    Die Investoren sind unzufrieden und wollen drei leitende Manager ihres Postens entheben – inklusive Musks Bruder Kimbal. Das 2003 gegründete Unternehmen schreibt auch 15 Jahre später immer noch Nettoverluste, Gerüchte über eine mögliche Pleite und Bedarf eines großen Investments machen die Runde. Derweil läuft auch eine Klage der Investoren gegen Tesla gegen die 2,6 Millionen Dollar schwere Übernahme von SolarCity. SpaceX verschob kürzlich eine bemannte Mondumrundung.

    Musk will Medienbewertungsportal gründen

    Ende Mai startete Musk dann auf einmal via Twitter einen Frontalangriff auf die Medien. Er warf ihnen Scheinheiligkeit vor, erklärte, sie würden die Wahrheit für sich reklamieren, aber nur genug veröffentlichen, um "die Lüge zu beschönigen". Dass sein Wording an US-Präsident Donald Trump erinnerte, konterte er proaktiv mit der Frage: "Warum denkt ihr, wurde er überhaupt erst gewählt?".

    Er kündigte an, eine Art Plattform zur Bewertung von Medien, Artikeln und Journalisten ins Leben zu rufen. Sie solle freilich auch geschützt sein, gegen automatisierte Kampagnen. Als Namensidee brachte er "Prawda" ins Spiel, das russische Wort für "Wahrheit" und gleichzeitig der Name des größten Propagandablatts des einstigen Sowjetregimes.

    Die Trump-Strategie

    Musk sei "der Donald Trump des Silicon Valley", reagierte man mit einem Meinungsartikel in der New York Times. Auch andere Medien lieferten ähnliche Einschätzungen, die Musk ob seiner dünnen Haut und seiner fragwürdigen Position gegenüber kritischer Presse angriffen. Während Musk weiter gegen Berichterstatter und einzelne Journalisten schoss, machte sich ein Teil seiner Anhänger auf, es ihm gleich zu tun. Er selbst hielt seine letzte Präsentation zum Tunnelprojekt in Los Angeles unter streng kontrollierten Bedingungen ab. Keine TV-Kameras, Zutritt nur bei Reservierung und alle Fragen mussten vorab genehmigt werden.

    Wenngleich Musk mit der Behauptung, dass auf viele Journalisten ein gewisser Druck herrscht, viele Klicks und Werbeeinahmen zu generieren, nicht Unrecht hat und natürlich auch Medien Fehler unterlaufen, erscheint sein Auftritt wie ein Wutanfall oder ein Ablenkungsmanöver, argumentiert man beim Guardian. Angesichts der Entwicklung bei Tesla erscheint letztere Variante wahrscheinlich. Das legt den Vergleich mit Trump einmal mehr nahe, denn auch dieser liebt es, andere Themen anzureißen und auf die Medien loszugehen, wenn er in die Kritik gerät.

    Während Trump ein politisch starkes Protektorat hat und sich selbst vor den Ermittlungen von Robert Mueller geschützt sieht, muss Musk auf die Geduld seiner Investoren bauen. Ob diese auf seinen Angriff gegen die Medien einsteigen, ist ungewiss. Definitiv erwarten sie aber, dass er die Massenproduktion des Tesla 3 endlich in Schwung bringt. (gpi, 05.06.2018)

    • Musks Feldzug gegen die Medien könnte ein Manöver aus dem Strategiehandbuch von Donald Trump sein.
      foto: ap

      Musks Feldzug gegen die Medien könnte ein Manöver aus dem Strategiehandbuch von Donald Trump sein.

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