Wind- und Sonnenstrom treiben Preise nach unten

5. Juni 2018, 08:00
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Die Energiekomponente wird mit Zurückdrängen von Öl und Gas aus der Stromproduktion gegen null tendieren

Es klingt wie ein Widerspruch und hat doch eine verblüffende Logik: Mit zunehmender Elektrifizierung und dem Anspruch der Politik zumindest im Großteil Europas, bis 2050 Öl und Gas aus beinahe allen Lebensbereichen zu verdrängen und durch elektrische Energie zu ersetzen, wird Strom noch billiger und wird sich letztlich auf einem tiefen Preisniveau stabilisieren.

Das liege an den Grenzkosten von fast null, die neben der Tatsache, dass erneuerbare Energien CO2-frei sind, eine weitere charmante Facette von Strom aus Wind- und Sonnenkraft darstellten.

Was Eurelectric-Präsident Francesco Starace am Montag beim Jahreskongress der Vereinigung der europäischen Energiewirtschaft in Laibach ausführte, muss etwas relativiert werden.

Kosten steigen tendenziell

Starace, Chef des italienischen Stromriesen Enel, bezog sich in seinem Gedankengang auf die reine Energiekomponente bei Strom; Steuern, Netzkosten und andere Abgaben, die derzeit etwa zwei Drittel einer durchschnittlichen Stromrechnung ausmachen, sind davon ausgeklammert.

Experten gehen aber davon aus, dass die von der Energiewirtschaft nicht beeinflussbaren Kosten eher steigen als sinken. Mit ein Grund ist die Mineralölsteuer (MÖSt), die allein in Österreich im Vorjahr rund 4,4 Milliarden Euro ins Budget gespült hat.

Werden kein Diesel und auch kein Benzin mehr getankt, versiegt die MÖSt und bringt alle Finanzminister Europas um eine wichtige Einnahmequelle. "Die wird man sich mit einem Aufschlag auf Strom wieder holen", sagte der Vertreter eines deutschen Energieunternehmens dem STANDARD am Rande des Eurelectric-Kongresses.

Elektrifizierung steigert Kosteneffizienz

Pünktlich zum Kongressbeginn wurde eine Studie fertig, in der die Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag von Eurelectric verschiedene Szenarien über Wege zur Dekarbonisierung, sprich: einem Zurückdrängen von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) untersucht hat.

Dabei stellte sich heraus, dass im Hinblick auf Kosteneffizienz eine Anhebung des Elektrifizierungsgrades von derzeit rund 22 Prozent auf 60 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts die sinnvollste Variante wäre.

foto: apa
Stromleitungen werden nicht für Vögel durchs Land gezogen. Elektrifizierung von Energiegewinnung ist die effizienteste Methode, um den CO2-Ausstoß in der Energieproduktion zu verringern.

"Das ist zu schaffen, wenn wir uns nicht auf Strom allein fokussieren, sondern auch Mobilität und den Gebäudesektor mitdenken", sagte Storace. "Zuerst müssen wir es schaffen, die Stromproduktion auf erneuerbare Energien umzustellen, dann können wir mit diesem Strom Schritt für Schritt auch den Transport- und Wärmebereich elektrifizieren."

Leonhard Schitter, Chef der Salzburg AG und Präsident des Interessenverbands Österreichs Energie, sieht mit der jüngst beschlossenen integrierten Klima- und Energiestrategie "gute Voraussetzungen, dass Österreich in der Energiewende eine Vorbildfunktion in Europa ausüben kann".

Wie berichtet, hat die Bundesregierung als Zwischenschritt bis 2030 das Ziel vorgegeben, 100 (derzeit: knapp 72) Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms zumindest bilanziell aus erneuerbaren Quellen zu schaffen.

Zentrale Rolle für Energiespeicher

Eine entscheidende Rolle komme dabei den Speichern zu. Wird der zusätzliche Bedarf an Strom teilweise aus Wasserkraft, überwiegend aber aus Wind und Sonne gedeckt, wird es insbesondere in den Sommermonaten große Überschussmengen geben, die sinnvollerweise gespeichert werden sollen.

Das geht im Westen Österreichs durch den Bau weiterer Pumpspeicher, im Osten eher durch Methanisierung von Überschussstrom – Stichwort Power to Gas. Oder aber durch ganz neue Technologien. Siemens etwa setzt auf Container mit Basaltgestein, macht einen großen Föhn an und heizt es auf 600 Grad auf.

Gut isoliert hält sich die Wärme etwa zwei Wochen. Bei Bedarf wird dann wie in einem herkömmlichen Kraftwerk eine Turbine angeworfen und Strom produziert. (Günther Strobl aus Ljubljana, 5.6.2018)

Die Reise erfolgte auf Einladung von Österreichs Energie.

  • Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt: Wind- und Sonnenkraft erzeugen im Sommer Stromüberschüsse, die gespeichert werden wollen.
    foto: der standard/elmar gubisch

    Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt: Wind- und Sonnenkraft erzeugen im Sommer Stromüberschüsse, die gespeichert werden wollen.

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