Bildungsminister will bei Zentralmatura "massiv nachschärfen"

    4. Juni 2018, 18:28
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    Heinz Faßmann möchte die Art der Tests und das Gremium, das die Aufgaben zusammenstellt, verändern

    Wien – Am Dienstag und Mittwoch wird es für die mit den Fünfern ernst. Österreichweit finden sogenannte Kompensationsprüfungen statt. Wer die schriftliche Matura vergeigt hat, bekommt hier seine zweite Chance. Die Schüler wissen es zumindest seit einigen Tagen, wenn sie ein "Nicht genügend" haben und somit zum Zweittest antreten müssen. Die Lehrer wissen Bescheid, sobald sie die Arbeiten korrigiert haben – fix ist die Note allerdings dann erst nach der Beurteilungskonferenz. Die fand vergangene Woche statt. Wie die heimischen Maturanten abgeschnitten haben, weiß man insgesamt trotzdem noch nicht.

    Zahlreiche Schulen hätten die entsprechenden Informationen noch nicht weitergeleitet, heißt es aus dem Bildungsressort. Es fehle ein "Frühwarnsystem". Eine Hochrechnung des Ministeriums hatte ergeben, dass in Mathematik rund 18 Prozent der angetretenen Schüler an den AHS und an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) durchgefallen sind.

    Gremium neu gestalten

    Minister Heinz Faßmann (ÖVP) will bei der Reifeprüfung deshalb an einigen Stellschrauben drehen. Das System Zentralmatura an sich will er zwar beibehalten, aber: "Die Instrumente müssen massiv nachgeschärft werden, und das in ganz viele Richtungen, vor allem in die der Betroffenen", so Faßmann zum STANDARD. Am 27. Juni soll ein entsprechender Reformplan vorgestellt werden. Der werde unter anderem Pläne beinhalten, die das Gremium betreffen, das die Beispiele für die Zentralmatura erstellt. Hier fehle es an Praxisbezug der Zuständigen, heißt es aus dem Bildungsressort.

    Auch ob die "psychometrische Ausrichtung" der Testung das "Mittel der Wahl" sein müsse, sei zu hinterfragen. Wobei ganz klar betont wird: "An der Zentralmatura an sich wird nicht gerüttelt." Es brauche aber endlich ein transparentes und faires System, damit die Schüler sich darauf verlassen können, keine schwierigere oder einfacherer Matura zu bekommen als die Kollegen im Vorjahr.

    Lehrer für teilzentrale Matura

    Der österreichische Mathematiker und ÖVP-Abgeordnete Rudolf Taschner hat vergangene Woche die Diskussion über eine "teilzentrale Matura" losgetreten. Die Idee dahinter: In einem ersten Aufgabenteil soll abgefragt werden, was wirklich jeder Abgänger einer höher bildenden österreichischen Schule können muss – eine Art "Mindestmaß". Den zweiten Part sollen die Lehrer erstellen und dabei zeigen, was sie schulspezifisch vermittelt haben. Taschner unterscheidet zwischen "Pflicht- und Kürteil".

    Aus dem Büro von Faßmann wird diesbezüglich erklärt, dass Taschner in die Überarbeitung der Zentralmatura eingebunden sei. Viele Lehrer halten die Überlegungen des Mathematikers jedenfalls für durchaus sinnvoll: "Wir wissen am besten, wo die Kompetenzen der Schüler je nach Schulschwerpunkt liegen", sagt Gerlinde Bernhard, Vorsitzende der Standesvertretung der Lehrer für Berufsbildende Höhere Schulen.

    Rasche Evaluierung

    An den BHS gibt es bereits jetzt in Mathematik einen Teil A, in dem Grundkompetenzen abgefragt werden, und einen – ebenfalls zentral konzipierten – Teil B, der auf die Lehrpläne in den verschiedenen Schulformen angepasst wurde. Doch für die unterschiedlichen Spezialisierungen brauche es spartenspezifische Aufgaben, die von den Lehrern erstellt werden sollten, ist Bernhard überzeugt.

    Derzeit umfasst die Zentralmatura drei Säulen: eine vorwissenschaftliche Arbeit, die schriftlichen und die mündlichen Prüfungen. Minister Faßmann will jeden Teil einer Evaluierung unterziehen, sobald alle aktuellen Ergebnisse aus den Schulen vorliegen, und dann rasch handeln: "In halb Europa ist die Zentralmatura State of the Art. Wir werden das jetzt in Österreich auch auf diesen Standard bringen", sagt er.

    Schüler warnen vor Hast

    Bundesschulsprecher Harald Zierfuß, der selbst gerade die schriftliche Matura hinter sich gebracht hat, sieht ebenfalls Reformbedarf. Auch seitens der Schüler wird die Zusammenstellung der Beispiele kritisiert. Zierfuß warnt aber auch davor, die Reifeprüfung überstürzt zu überarbeiten. "Die Matura ist für alle Betroffenen sehr emotional belastet. Jede Veränderung führt zu Verunsicherungen. Wir hoffen, dass die Zentralmatura einfach einen Feinschliff bekommt." (Katharina Mittelstaedt, 4.6.2018)

    • Die Klassenlehrer haben im Rahmen einer Zentralmatura wenig mitzureden. Geht es nach den Pädagogen, sollte sich das im Rahmen einer teilzentralen Matura wieder ändern.
      foto: imago

      Die Klassenlehrer haben im Rahmen einer Zentralmatura wenig mitzureden. Geht es nach den Pädagogen, sollte sich das im Rahmen einer teilzentralen Matura wieder ändern.

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