Statue für Sigmund Freud am Campus der Med-Uni

    4. Juni 2018, 17:48
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    Am Montag wurde am Gelände der Medizinischen Universität eine Bronzestatue des berühmten Neurologen aufgestellt

    Wien – Vor genau 80 Jahren, am 4. Juni 1938, musste Sigmund Freud sein geliebtes Wien verlassen. Durch den Anschluss wurde die Gefahr auch für die Familie des hartnäckigen Wissenschafters zu groß. Nun kehrt Freud in seine Heimatstadt zurück, zumindest in künstlerischer Form.

    Am Montag wurde am Gelände der Medizinischen Universität Wien vor dem Rektorat eine überlebensgroße Bronzestatue von Freud aufgestellt. Diese wurde 1936 vom jüdisch-kroatischen Künstler Oscar Nemon, der wie Freud nach London fliehen musste, angefertigt.

    Nemon war der einzige Künstler, von dem sich Freud abbilden ließ. Über die Jahre schuf der Bildhauer mehrere Darstellungen des Neurologen. Die Version von der Med-Uni ist ein Neuguss des Freud-Denkmals, das sich in der Nähe seiner Londoner Wohnung befindet. Finanziert wurde die Statue durch eine Fundraising-Kampagne.

    foto: apa / hans klaus techt
    Sigmund Freud sitzt nun wieder vor seiner Fakultät.

    1938, "Annus horribilis" für die Med-Uni

    Die Errichtung der Statue sei Teil der Kommemorationen des "Annus horribilis 1938", sagte Markus Müller, Rektor der Medizinischen Uni. "1938 wurden zwei Drittel der Mitglieder unserer Universität aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entlassen", so Müller. 80 Jahre später wolle sich die Universität endgültig ihrer Verantwortung für die Vertreibung Freuds und anderer Wissenschafter stellen.

    Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) lobte die Arbeit der Med-Uni in der geschichtlichen Aufarbeitung, insbesondere bei der Verantwortungsübernahme für die Vertreibung der jüdischen Wissenschaftler. Es habe lange gedauert, bis Österreich sich seiner Rolle in der Nazizeit bewusst wurde, so Faßmann. Freud sei "klar mit Wien und der Universität verbunden" und "ein außergewöhnliches Bespiel" für die damalige Bedeutsamkeit der Medizinischen Fakultät.

    An der Vorstellung nahm auch der nicht unumstrittene ehemalige Staatssekretär des Vereinigten Königreichs und Freuds Urenkel Lord David Freud (Tories) teil. Es sei ihm ein großes Vergnügen, Freud in seiner Heimat wieder willkommen zu heißen. (Francesco Collini, 4.6.2018)

    • Enthüllt: Freuds neue Bronzestatue bei der Medizinischen Universität in Wien. Von links: Markus Müller (Rektor Med-Uni), Lord David Freud, Sigmund Freud, Minister Heinz Faßmann (ÖVP).
      foto: apa / hans klaus techt

      Enthüllt: Freuds neue Bronzestatue bei der Medizinischen Universität in Wien. Von links: Markus Müller (Rektor Med-Uni), Lord David Freud, Sigmund Freud, Minister Heinz Faßmann (ÖVP).

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