Happel-Stadion: Neuer Wiener Sportstadtrat gegen Neubau

    4. Juni 2018, 16:00
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    Sportminister Strache will einen Abriss und Neubau eines Nationalstadions, Hacker beharrt: "Wir haben ein ziemlich taugliches Stadion." Der Mietvertrag zwischen ÖFB und Stadt läuft aus

    Wien – Am kommenden Sonntag rückt das altehrwürdige Ernst-Happel-Stadion wieder ins Zentrum der ballesterischen Aufmerksamkeit. Rekordweltmeister Brasilien kommt für ein Testländerspiel nach Wien. Das Match im größten Stadion des Landes war in Rekordzeit ausverkauft, 48.500 Fans werden erwartet.

    Die Arena ist allerdings trotz einer vor der EM 2008 durchgeführten aufwendigen Sanierung, die rund 35 Millionen Euro kostete, in die Jahre gekommen. Die Bewerbung für ein Champions-League-Finale wäre etwa aktuell nicht möglich, die Arena erfüllt nicht mehr die Ansprüche. Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) sorgte Anfang des Jahres mit seinem Vorstoß für Aufsehen, das nicht mehr taufrische Happel-Stadion abzureißen und ein neues Nationalstadion zu errichten. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) war von diesem Vorschlag angetan, er könnte sich aber laut eigenen Angaben finanziell nur symbolisch am Projekt beteiligen.

    foto: apa / expa / sebastian pucher
    Gegen Brasilien wird das Stadion ausverkauft sein. Die Austragung eines Champions-League-Finales wäre zum Beispiel aber nicht mehr möglich.

    Bleibt als Partner des Bundes die Stadt Wien, der das denkmalgeschützte Happel-Oval gehört. Der neue Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zeigt sich von den Vorstellungen Straches aber wenig überzeugt. "Fakt ist: Wir haben ein ziemlich taugliches Stadion, das man auch noch verbessern kann", erteilt Hacker im STANDARD-Gespräch den bislang nicht konkreten Abriss- und Neubauplänen eine vorerst deutliche Absage. Wenn nötig, plädiert er für eine Sanierung. Diese spiele sich auch "in einem anderen finanziellen Rahmen ab, als das bestehende Stadion wegzureißen und ein neues auf die Wiese zu bauen".

    Hacker peilt Termin mit Strache an

    Ein kategorisches Nein zum Strache-Vorstoß sei das aber nicht. "Wenn Strache 200 Millionen Euro aufstellen kann, kann man mit mir über einen Stadionneubau reden", sagte Hacker. Vom Sportminister habe er allerdings noch keine ernsthaften Finanzzahlen gehört. "Und ich gehöre zu den Menschen, die an realistischen Kostenrechnungen interessiert sind" – inklusive Vorschlag, woher das Geld kommen soll. "Aber wir werden einmal bei einem Termin besprechen, wie viel Wunsch und Wirklichkeit miteinander vereinbar sind", sagte Hacker. Für das Gespräch mit Strache gibt es noch keinen Termin. Hacker: "Wir sind jedenfalls nicht in der Beziehung, dass er wünscht – und wir spielen."

    foto: apa / roland schlager
    Die Kosten für einen Abriss und Neubau eines Nationalstadions können von Strache noch nicht genannt werden, "da es noch keine genauen Planungen gibt".

    Auf Anfrage, mit welchen Kosten für den Abriss des Happel-Stadions und einen Neubau einer Nationalarena gerechnet wird, sagte Strache: "Eine genaue Ziffer kann jetzt noch nicht genannt werden, da es noch keine genauen Planungen gibt." Es stehe für ihn aber fest, "dass eine Realisierung nur mit der Stadt Wien geht". Mit möglichen privaten Finanzierungspartnern habe Strache noch nicht gesprochen, sagte der Sportminister Ende März.

    Es spießt sich am Denkmalschutz

    Neben der Frage der Finanzierung spießt sich ein Abriss des Happel-Stadions auch am Denkmalschutz. Beschlossen wurde dieser unter der ÖVP-FPÖ-Regierung im Jahr 2001. Das Bundesdenkmalamt hält einen Abriss unter den aktuellen Bestimmungen für "denkunmöglich". Strache hingegen will untersuchen lassen, ob das Stadion nur vorläufig unter Schutz gestellt wurde. Erst eine Aufhebung macht Abrisspläne überhaupt realistisch.

    Der Standort des Stadions sei für eine neue Arena am geeignetsten – auch wegen der Anbindung des öffentlichen Verkehrs. Aber es sei nicht die einzige Variante. Strache: "Natürlich müssen wir uns Gedanken machen, ob es Alternativen gibt."

    Länderspiele zuletzt fernab des Happel-Ovals

    Alternativen zum Happel-Stadion überlegte zuletzt vermehrt der ÖFB: Nur das erste Länderspiel unter Teamchef Franco Foda (2:1 gegen Uruguay) wurde im November 2017 im Happel-Oval gespielt. Die folgenden Heim-Testspielsiege gegen Slowenien (3:0), Russland (1:0) und Deutschland (2:1) wurden in kleineren Arenen in Klagen- furt und Innsbruck gefeiert. Das nächste Länderspiel nach Brasilien findet am 6. September zwar ebenfalls in Wien statt. Gegen Schweden wird aber das erste Mal in der neu renovierten Generali-Arena, der Heimstätte der Wiener Austria, gespielt.

    Mietvertrag mit Stadion läuft aus

    Der aktuelle Mietvertrag zwischen ÖFB und Stadt Wien für Heimspiele im Happel-Stadion läuft mit dem Brasilien-Länderspiel übrigens aus. Noch wird über einen neuen Kontrakt verhandelt. Bei den Gesprächen "gibt es keinen neuen Stand", heißt es von ÖFB und Stadt Wien. Dem Vernehmen nach spießt es sich bei den Mietkosten: Bisher wurden rund 50.000 Euro pro Länderspiel an Wien gezahlt. Die Gemeinde peilt eine deutliche Erhöhung an. (David Krutzler, 4.6.2018)

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