Die Südtiroler Ahnin aller Schlangen und Echsen

    4. Juni 2018, 13:48
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    Fossil von Megachirella wachtleri wurde in den Dolomiten entdeckt und gab nun seinen Platz im Reptilienstammbaum preis

    illustration: davide bonadonna
    Rekonstruktion der Ur-Echse Megachirella wachtleri.

    Trient – Über 96 Prozent aller Arten von "Reptilien" sind Schuppenkriechtiere: Eidechsen, Schlangen und andere. Und während der Begriff Reptilien unscharf ist (er schließt die eigentlich dazugehörenden Vögel aus) und daher in der Zoologie nicht mehr verwendet wird, haben die Schuppenkriechtiere tatsächlich einen gemeinsamen, klar von anderen Tiergruppen abgrenzbaren Stammbaum.

    Dessen Wurzeln dürften deutlich weiter in der Zeit zurückliegen, als man gedacht hatte: Das berichtet nun das Museo delle Scienze in Trient, das an der Analyse eines ursprünglich 2003 in den Dolomiten entdeckten Fossils beteiligt war. Die Spezies erhielt damals den Namen Megachirella wachtleri, gab allerdings einige Rätsel auf.

    Es handelt sich um ein etwa 15 Zentimeter langes, eidechsenähnliches Tier mit relativ robustem Körperbau, das vor rund 240 Millionen Jahren lebte. Die evolutionären Verbindungen zu anderen Reptilien ließen sich jedoch nicht genau rekonstruieren, da der Fund nicht aus dem Gestein gelöst werden konnte und Vergleichsmaterial nicht zur Verfügung stand.

    foto: muse – museum für wissenschaft
    Das Fossil von Megachirella.

    Um seine Anatomie besser zu verstehen, wurde Megachirella mittels Röntgen-Mikrocomputertomographie (microCT) analysiert. Diese ermöglicht es, ein virtuelles 3D-Modell der äußeren und inneren Teile der analysierten Proben mit mikrometrischer Auflösung zu erstellen. Und vor allem erlaubt es diese Technologie, das Fossil und das umgebende Gestein zu trennen.

    Die so gewonnenen Daten wurden in den größten Datenpool über Eidechsen und Schlangen integriert. Die Analyse der Verwandtschaftsbeziehungen ergab, dass das rätselhafte kleine Reptil aus den Dolomiten das älteste bekannte Schuppenkriechtier der Welt ist. "Das Exemplar ist 75 Millionen Jahre älter als jene, die man für die ältesten Eidechsen der Welt hielt", sagt Tiago Simões von der Universität Alberta, Hauptautor der in "Nature" veröffentlichten Analyse. (red, 4. 6. 2018)

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