Mit Mikl-Leitner in Oxford: Im klischeebekannten Nebel

2. Juni 2018, 12:00
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"Die Presse" mit Landeshauptfrau Mikl-Leitner in Oxford und was es heißt, einen Markt wirklich gründlich zu bearbeiten

Landeshauptfrau Mikl-Leitner besucht Wissenschafter in Oxford und hat den Chefredakteur der "Presse" eingeladen, mitzubesuchen und über den Besuch zu berichten. Das tat er am Montag unter dem Titel Mikl-Leitner wirbt um Briten. Es ist nämlich so: Niederösterreich will das Brexit-Land stärker als Markt bearbeiten und Forscher nach Österreich holen. Das von Niederösterreich allerhöchst bearbeitete Brexit-Land zeigte sich von seiner besten Seite, wie Rainer Nowak melden konnte. Ein Mangel an Selbstbewusstsein war und ist nicht das größte Problem Johanna Mikl-Leitners. Aber in London vor dem britischen Parlament von einem Passanten erkannt und angesprochen zu werden überraschte die niederösterreichische Landeshauptfrau doch ein wenig.

Leider war die Überraschung dann aber doch nicht so groß, um das Selbstbewusstsein Mikl-Leitners auf Erwin Pröll'schem Niveau zu halten. Zugegeben, der Ansprecher war ein politisch interessierter Auslandsösterreicher, der im Tourismus-Bereich arbeitet und ihr eine kurze Analyse über Großbritannien vor dem Brexit gab. Das war zwar nicht der Zweck der Reise, aber dennoch höchst informativ, konnten Mikl-Leitner und Rainer Nowak doch erfahren, das Land steuere im klischeebekannten Nebel dahin.

Wer hätte gedacht, dass schon Großbritannien vor dem Brexit im klischeebekannten Nebel dahingesteuert hat? Und das - das Dahinsteuern im klischeebekannten Nebel - funktioniere keineswegs so gut wie in der City of London, außerhalb schaue es ganz anders aus. Aha. Wobei: Außerhalb ist natürlich sehr relativ. Und das galt es zu erforschen.

Besucht man wie Mikl-Leitner und ihre kleine österreichische Delegation die Unversitätsstadt Oxford, geht das Herz der Regionalpolitikerin auf – und das der mitreisenden Historiker. Die sind offenbar mit von der Partie, um der Nachwelt zu überliefern, wie das Herz der Regionalpolitikerin aufgeht, siehe "Die Presse". Nach einem Besuch in einer der ältesten universitären Bibliotheken der Welt geht es in eines der Oxford-eigenen Forschungslabors. Dort werkt – daher die Auswahl auf dieser Kurzreise – ein halber Niederösterreicher: Alexander Gretsch ist quasi die lebende Wissenschaftsachse zwischen Niederösterreich und Oxford; die Oxford Antibiotic Group forscht in Gestalt von Gretsch auch in Tulln und wird dafür auch vom Land gefördert.

Aber warum überhaupt diese Reise? Bei einer Regierungsklausur war in Niederösterreich beschlossen worden, Großbritannien als Markt für die Wirtschaft zu bearbeiten. Gesagt, getan! Und Mikl-Leitner hat eine Statistik dabei, nach der Österreich bei der Digitalisierung des Staatswesens (also vor allem der "Behördenwege") fast an der Spitze liegt. Was sich für die Bearbeitung des Brexit-Marktes aber als unzulänglich erwies. Denn die britischen Gastgeber haben eine, bei der das UK ganz vorne liegt und Österreich eher im Mittelfeld. Im perfiden Albion hat es eine Niederösterreicherin eben schwer.

So herzlich und geistreich Mikl-Leitner von ihren politischen Kontakten empfangen wurde wie dem stimmgewaltigen Sir Peter Bottomley, Vorsitzender der österreichisch-britischen Freundschaftsgruppe – ja, so etwas gibt es tatsächlich -, wann, wie und mit welchen Folgen der Brexit passieren wird, weiß keiner. Wie soll man da von St. Pölten aus den Markt bearbeiten, will man nicht im klischeebekannten Nebel dahinsteuern? Wenn nur die Forscher kommen!

Was es heißt, einen Markt wirklich gründlich zu bearbeiten, hat Wolfgang Fellner, sonst ein Meister des klischeebekannten Nebels, mit seinem Heft Das neue Wien demonstriert, mit dem er den Bürgermeisterwechsel in Wien zu einem inseratenkeilerischen Rundumschlag auf die Ökonomie der Bundeshauptstadt nutzte. So über alles ging ihm die Privatisierung des kommunalen Anliegens, dass er die 63 Seiten umfassende Inseratenplantage mit aktueller Zeitung in der Mitte erscheinen ließ und diese damit auf eine Bedeutung stufte, die ihrem journalistischen Niveau entsprach.

Etwa sieben der 63 Seiten hatten im weitesten Sinn redaktionellen Charakter, ohne Neues zu bieten, womit das Produkt Fellners Ideal eines qualitätsorientierten Journalismus ziemlich nahe kam. Vom "strengen Gentleman" war zu erfahren: Zu Jahresbeginn hat Ludwig seiner Irmtraud, die eher selten in der Öffentlichkeit auftritt, sogar schon einen Heiratsantrag gemacht. Ob der Hochzeitstermin zuerst in der "Krone" oder in "Österreich" erscheint, wird spannend. (Günter Traxler, 2.6.2018)

  • Mikl-Leitner bereiste Großbritannien, gemeinsam mit der "Presse".
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Mikl-Leitner bereiste Großbritannien, gemeinsam mit der "Presse".

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