"Vienna – All Tomorrows" angeschaut: Wien nach dem "Wixit" regieren

    1. Juni 2018, 14:28
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    Installation im Wiener Volx überzeugt mit gelungener Simulation und einer ordentlichen Portion Humor

    Wien im Jahre 2023. Der "WIXIT" ist geschehen und die österreichische Bundeshauptstadt hat sich vom Rest der Welt abgeschottet. Drei Gruppierungen haben das Sagen übernommen: Technokraten, Humanisten und Autokraten. Dies sind die Rahmenbedingungen von "Vienna – All Tomorrows", das aktuell im Volx in Margareten gespielt werden kann. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Game und Theaterstück, bei dem mehrere Spieler gemeinsam um die Macht in Wien ankämpfen.

    Mauer um Wien gegen Niederösterreicher

    Mit Tablets ausgerüstet wandert jede Fraktion über einen riesigen Teppich, auf dem die Umrisse von Wien und seinen Bezirken zu sehen sind. Über die Kamera der iPads lassen sich Events einfangen, die jeder Fraktion einen gewissen Nutzen bringen und andere wiederum benachteiligt. Dabei haben die Macher zum Teil großen Humor bewiesen. So können die Wiener Beamten etwa mit einer KI unterstützt werden, was diese so gar nicht großartig finden oder rund um Wien eine Mauer aufgebaut werden, damit nicht noch mehr Niederösterreicher nach Wien kommen.

    Spritzwein für alle in 20-Stunden-Woche

    Immer wieder müssen sich die Fraktionen in einem gemeinsamen Rat treffen, um richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Die Mehrheit obsiegt hier, wodurch manchmal Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Führt man in Wien nun die 20- oder die 60-Stunden-Woche ein? Soll bei einem Nahrungsmangel einfach auf die Überreste vom Wiener Zentralfriedhof zurückgegriffen werden? Die Entscheidungen fallen nicht leicht und haben auch gröbere Auswirkungen auf die weitere Simulation.

    volkstheaterwien
    "Vienna – All Tomorrows" kann aktuell im Volx in Margareten gespielt werden.

    25 Jahre Amtszeit, einen oder mehrere Gewinner

    So sind die Events nämlich dynamisch. Vier Balken geben Auskunft darüber, wie es gerade um das schöne Wien steht. Gibt es etwa Mängel hinsichtlich der Sicherheit treten auch Events in dieser Richtung auf und als Fraktion ist man natürlich bemüht, diese auf eigene Art und Weise zu lösen. Ständig gibt eine riesige Videowand Auskunft darüber, wie es denn gerade um die eigene Bewegung steht. Nach der 25-jährigen Amtszeit gibt es dann einen oder mehrere Gewinner. Fraktionen, die weiter hinten liegen, können auch Boost-Events nutzen, damit sie hinsichtlich der Popularität aufholen.

    ARKit, Unity und Processing im Einsatz

    Verwirklicht wurde diese Mischung aus Theaterstück und AR-Game von Georg Hobmeier. Für die Installation kommt auf den Tablets ein Unity-Client mit Apples neuem Augmented-Reality-Framework ARKit zum Einsatz. Serverseitig werden die Eingaben mittels Processing verarbeitet. In nur zehn Wochen wurde das Spiel verwirklicht, wie Hobmeier dem STANDARD erzählte. Vor der Kamera waren Nadine Quittner und Thomas Frank im Einsatz, die über die Geschehnisse im Wien im Jahr 2023 bis 2048 berichten.

    Für Gamer und Theater-Begeisterte

    "Vienna – All Tomorrows" ist eine gelungene Installation geworden, die Gamer und Theater-Begeisterte gleichermaßen überzeugen könnte. Die Simulation ist gelungen und der Humor lädt zum ständigen Schmunzeln ein. Tickets für die nächsten Vorstellungen sind verfügbar, der Eintritt kostet 12 Euro. Weitere Termine im Herbst sind laut Hobmeier bereits geplant. (Daniel Koller, 01.06.2018)

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      reinhold bidner / volkstheater
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      alexi pelekanos / volkstheater
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