Die schauerliche Mär vom Ritter Pilz

Glosse1. Juni 2018, 14:29
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Statt einer Kulturglosse ein altes Rittermärchen aus dem neoliberalen Österreich

Jemand musste den Listenherren Peter Pilz in seinem Stolz verletzt haben. Ihm eignete seit Alters her eine grapschende Hand, welche zu zucken anhob, sobald der Listenherr ein Fräulein gewahrte, welches von der Welt ward für lieblich gehalten. Und als man solches über ihn sprach, schloss er das Tor der Liste-Pilz-Burg auf. Und er sprengte ins Freie, den Verleumdern, wie er sagte, zu stopfen das lästerliche Maul.

Jemand musste Martha Bißmann geweissagt haben, niemand anderer als sie selbst werde dereinst herrschen über die Liste Pilz. Und weil ihr Mundwerkzeug scharf war, ihr Verstand hingegen gebirgswasserklar, schritt sie furchtlos hinein in die Liste-Pilz-Burg. Die lag verwaist da, ohne ihren Vogt, Ritter Peter mit der grapschenden Hand.

Und Martha Bißmann ließ sich punktieren die Herrschaft über die Liste. Und es begehrte sie, obzusitzen dem Klub, geschäftsführend, und vorzustehen der Parteiakademie. Den Ritter Bruno Rossmann aber verlangte sie ganz und gar in Acht und Bann zu tun. Und die Ritter im Klub der Liste Pilz knirschten vernehmlich mit den Zähnen und schlugen mit den metallenen Händen schmerzhaft auf die Tische, doch versprachen sie zu tun, wie ihnen das strenge Fräulein geheißen.

Doch kam es anders, als von den Recken und selbst von der Bißmannn gewollt. Die Bißmannsche reute ihre Tat. Doch gelüstete es sie keineswegs, ihren Sitz hoch droben, am Söller der Burg, für den heimkehrenden Ritter Pilz mit der grapschenden Hand zu räumen.

Die rüstigen Ritter Zinggl und Rossmann, welche gelobt, die Liste-Pilz-Burg unter sich aufzuteilen, entschuldigten sich unterdessen beim Souverän. Einer ihrer tapfersten Mitstreiter, der Ritter Kolba mit der Amfortas-Wunde, humpelte sogar hinaus ins Freie und stieß in Richtung der Zurückbleibenden üble Verwünschungen aus.

Seit damals sieht man den Geist von Ritter Pilz mit der grapschenden Hand durch die umliegenden Wälder streifen. Man hört den Heimatlosen nachts grämlich heulen und mit den Zähnen klappern. Hoch droben aber, am Söller der Liste-Pilz-Burg, steht jeden Morgen bei Sonnenaufgang die Bißmannsche und lässt ihr Antlitz küssen von den auffrischenden Winden im Lande Österreich. (Ronald Pohl, 1.6.2018)

  • Seit damals sieht man den Geist von Ritter Pilz mit der grapschenden Hand durch die umliegenden Wälder streifen ...
    foto: gettyimages/stockfoto, reuters

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