Arzt: Österreich fehlt der rationale Umgang mit Geschlechtskrankheiten

    4. Juni 2018, 06:00
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    Patienten zeigen immer noch abstruse Reaktionen wenn sie nach der Möglichkeit einer Geschlechtskrankheit gefragt werden, so ein Mediziner

    Syphilis und Gonorrhoe wären bei Verdacht leicht zu diagnostizieren und leicht und schnell per Antibiotika auszuheilen. Doch weil es in Österreich an epidemiologischen Daten fehlt, ist die Verbreitung weitgehend unbekannt und läuft buchstäblich "unter der Decke", beklagen Experten.

    Das größte Manko, wie der Linzer Spezialist Josef Auböck weiß: "Es besteht in Österreich nur eine beschränkte Meldepflicht. Einem Krankheitsverdacht ist nachzugehen. Eine Meldepflicht gilt nur, wenn eine Weiterverbreitung zu befürchten ist." Das wäre etwa der Fall, wenn jemand mit einem positiven Befund aus der ärztlichen Betreuung verschwindet, sich nicht mehr meldet.

    "Wir wissen nicht wirklich, wie viele Erkrankte wir haben. Die Versorgung ist nicht gut. Der Verbreitung ist Tür und Tor geöffnet", so der Venerologe. Je mehr die Krankheiten ins Abseits gedrängt werden, desto geringer sind die verfügbaren Informationen. Daten aus Deutschland deuten darauf hin, dass sich die Frequenz der Syphilis bei Männern, die mit Männern Sex haben, zwischen 2001 und 2009 in etwa vervierfacht hat. In dieser Personengruppe traten laut Informationen der US-Gesundheitsbehörde CDC im Jahr 2016 rund 50 Prozent der Erkrankungen auf.

    Abstruse Reaktionen

    Das größte Hindernis ist weiterhin der in der Gesellschaft fehlende rationale Umgang mit diesen Erkrankungen. "Eine Nacht in den Armen der Venus führt zu einem Leben auf Quecksilber", dichtete man in der Zeit vor der Möglichkeit einer schnellen und wirksamen Behandlung durch Antibiotika. Quecksilberpräparate waren damals das einzige verfügbare Mittel. Doch: "Quecksilber hat mehr Leute umgebracht als die Syphilis", sagt Auböck.

    Der noch immer schambehaftete Umgang mit Sexualität und den sexuell übertragbaren Krankheiten führe weiterhin zu abstrusen Reaktionen wenn er versucht, das Infektionsrisiko von Patienten professionell zu erfragen, erzählt der Venerologe. "Meine Tochter macht das nicht, schließlich stammt sie aus gutem Haus. Ich habe mich sicher am öffentlichen WC über die Klobrille angesteckt. Die unsaubere Bettwäsche im Hotel war schuld. Bei der Gesundenuntersuchung war alles in Ordnung", zitiert Auböck aus seiner Praxis.

    Eine durch Laboruntersuchungen abgesicherte Diagnose und eine ausreichend hoch dosierte und ausreichend lang wirksame Antibiotikatherapie (zumeist Einmaldosierung) sind die Voraussetzung für schnelle Heilung und die Verhinderung weiterer Infektionen. Prävention (Safer Sex) und der möglichst sofortige Gang zum Arzt bei Beschwerden sind immer ratsam. (APA, 4.6.2018)

    • Ärzte raten zu Prävention und empfehlen, sich nach einer möglichen Infektion so schnell wie möglich behandeln zu lassen.
      foto: istock

      Ärzte raten zu Prävention und empfehlen, sich nach einer möglichen Infektion so schnell wie möglich behandeln zu lassen.

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