1.400 Stunden Arbeit für eine neue Innovationsidee

    3. Juni 2018, 17:34
    1 Posting

    Vom autonomen Mähboot bis zum Holz aus dem 3D-Drucker: Beim Wettbewerb "Jugend Innovativ" sollten Jugendliche Erfindergeist beweisen

    Es ist ein schwüler Frühlingstag. Doch als jugendlicher Erfinder muss man natürlich Seriosität demonstrieren: In Anzug oder Kostüm stehen die Schüler und Schülerinnen bei ihren Messeständen und zeigen interessierten Besuchern und Kollegen ihre Ideen. Bunte Banner wechseln sich mit mysteriösen Gerätschaften ab, die es dem uneingeweihten Besucher zu erklären gilt. Eine Aufgabe, die die Jugendlichen mit Elan erfüllen: Es wird gefachsimpelt, gelobt und kritisiert. Da der Anlass dieses Zusammentreffens der Wettbewerb "Jugend Innovativ" ist, hoffen die Teilnehmer auf eine Auszeichnung durch die Jury.

    35 Projektteams aus ganz Österreich haben es ins Bundesfinale des Innovationswettbewerbs für Schulen geschafft, 431 Teams waren gemeldet. Der im Auftrag des Wirtschafts- und des Bildungsministeriums von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) abgewickelte Wettbewerb findet mittlerweile zum 31. Mal statt: Schulprojekte sollen dabei einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden und der Wettbewerb jugendlichen Erfindern und Unternehmern als Plattform und Sprungbrett dienen.

    Gegen den Algenteppich

    Einer, der hier seine Erfindung vorstellt, ist Julian Haring. Zeigen kann er sein Projekt nur auf Video, das von ihm mitentwickelte autonome Mähboot ist für die kleinen Messestände etwas überdimensioniert. Der Vorteil gegenüber Booten, wie sie etwa in Wien auf der spätsommerlichen Alten Donau verkehren: Die Schleppsensen mähen direkt am Grund in bis zu zehn Metern Tiefe. Bis der Algenteppich wieder nachgewachsen ist, vergeht mehr Zeit. Haring gefällt es, dass er seine Entwicklung draußen testen konnte und man es mit einer "gscheiten Maschine" zu tun hat. Nur ein Problem gibt es noch: Schwimmer werden von den Sensoren nicht erkannt, "diesen Faktor müsste man noch einbauen", so Haring. Deswegen braucht das autonome Boot nach wie vor einen menschlichen Passagier, der die Prozedur überblickt.

    Eher in der Programmierecke angesiedelt ist ein Projekt der Innsbrucker HTL Anichstraße. Schüler haben dort verschiedene Spiele programmiert, durch die monotone Bewegungen in der Therapie nach Verletzungen trainiert werden. Philip Rezo, Mitglied des Entwicklerteams, gibt ein Beispiel: Nach einem Kapselriss muss ein Finger trainiert werden. Dabei hilft ein ziemlich bunter Vogel am Bildschirm, der während des Fluges Eier in Nester legt. Damit das Ei unbeschadet im weichen Nest landet, muss es zum richtigen Zeitpunkt abgeworfen werden. Gesteuert wird mit Bewegungen des verletzten Fingers. Rezo ist natürlich stolz auf das Projekt, spricht aber den Zeitaufwand der Teilnehmer bei "Jugend Innovativ" an: "Wir haben 1.400 Stunden investiert."

    Auch ein Projektteam aus Albanien wurde eingeladen. Samela Lulaj und Gjystina Ndou von der österreichischen Schule in Shkodra geht es um die Wiederbelebung des Wissens um Heilkräuter: "Unsere Altersgenossen gehen in die Apotheke und kaufen sich Tabletten gegen Kopfschmerzen. Dabei wachsen die Gegenmittel draußen auf der Wiese", sagen die beiden Maturantinnen. Auf ihrer Website kann man sich über heilsame Tees und traditionelle Tinkturen informieren.

    Erkennbare Trends

    Natürlich lassen sich Trends erkennen: Erneuerbare Energien (etwa eine Solarzelle aus Stoff) stehen bei den jugendlichen Erfindern hoch im Kurs, ebenso wie Automatisierung und 3D-Drucker. Den ersten Preis in der Kategorie Science belegte etwa das Holztechnikum Kuchl mit Holzstrukturen aus dem 3D-Drucker. Auch in der Kategorie Young Entrepreneurs ging es um das Drucken: Die HTLBVA Ferlach ging mit ihrem 3D-Drucker-Koffer, der im Unterricht eingesetzt werden kann, als Sieger hervor. Außerdem prämiert wurden ein smarter Becher, der alte Menschen ans Trinken von Wasser erinnern soll, und ein multifunktionaler Wintersportschuh. Den "Sonderpreis Sustainability" erhielt die HTL Leoben, die sich mit der Wiederverwendung von erzhaltigem Sand beschäftigt hat. Lokalkolorit in Form traditioneller Ziehharmonika-Stücke brachte die HTBLuVA Salzburg mit. Die selbstprogrammierte App "iZiach" notiert gespielte Stücke automatisch am Notenblatt. Dafür gab es von der Jury den "Sonderpreis Digital Education".

    Der Publikumspreis der Erwachsenen schließlich ging – wenig überraschend – an ein Honigwein-Projekt. Deren Geheimnis: "Viel verkosten lassen!" (David Tiefenthaler, 3.6.2018)

    • Artikelbild
      illustration: fatih aydogdu
    • Artikelbild
    Share if you care.