Von der Schluckstörung zur Mangelernährung

    3. Juni 2018, 16:30
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    Sonja Grünzweil untersucht die Ernährung bei geriatrischen Patienten mit Schluckstörungen.

    Für die unter Jugendlichen erschreckend weit verbreiteten Essstörungen hat sich längst ein gewisses Problembewusstsein in der Öffentlichkeit gebildet. Weniger bekannt ist dagegen, dass auch sehr viele ältere Menschen mangelernährt sind. Ursachen sind u. a. Kauprobleme, Appetitverlust, der im Alter veränderte Energie- und Nährstoffbedarf oder Schluckstörungen (Dysphagie), an denen 15 Prozent aller über 65-Jährigen leiden, ab 80 sogar mehr als ein Drittel.

    Aus diesem Grund wurde von der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich in Kooperation mit dem Land Oberösterreich vor einem Jahr das Dysphagie-Projekt ins Leben gerufen. "Schluckstörungen treten meist aufgrund neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson etc. auf, können aber auch durch Tumoren oder Entzündungen im Bereich des Mundes oder der Speiseröhre verursacht werden", erklärt die Diätologin und Nachwuchsforscherin Sonja Grünzweil.

    Um zu erheben, wie es um die Versorgung geriatrischer Dysphagiepatienten bestellt ist, hat sie gemeinsam mit dem Projektteam entsprechende Fragebögen konzipiert und an oberösterreichische Pflegeeinrichtungen verschickt. "Zunächst wollen wir damit einen Einblick in die diätologische Versorgung der Betroffenen bekommen, erfahren, ob regelmäßig Gewicht und Ernährungszustand der Senioren überprüft werden, erkunden, wie die Atmosphäre beim Essen ist." Neben der Ermittlung der Ist-Situation sollen in diesem Rahmen auch Empfehlungen zur Optimierung der ernährungsmedizinischen bzw. diätologischen Versorgung an die Einrichtungen gelangen. "Ein wesentliches Anliegen ist uns dabei vor allem die Sensibilisierung der Verantwortlichen für das bei alten Menschen immer wieder auftretende Problem der Mangelernährung", betont Sonja Grünzweil.

    Zweiter Bildungsweg

    Zur Diätologie ist sie im zweiten Bildungsweg durch eine persönliche Erfahrung gekommen: "Als mein Vater an Diabetes erkrankte, bin ich mit ihm gemeinsam zur Diabetes-Schulung gegangen und habe eine Menge über richtige Ernährung gelernt", erzählt die 29-Jährige. Das hat doch einiges in Bewegung gesetzt: einerseits eine radikale Ernährungsumstellung bei Vater und Tochter, andererseits die Entscheidung für eine neue Ausbildung und einen auch völlig anderen Beruf. "Ursprünglich habe ich ja Kommunikation, Wissen, Medien in Hagenberg studiert und im Online-Marketing gearbeitet", lacht Sonja Grünzweil. Dann kam eben das Studium der Diätologie an der FH Gesundheitsberufe in Oberösterreich.

    Mittlerweile arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule sowie als freiberufliche Diätologin. Wie sich das auf ihre persönlichen Ernährungsgewohnheiten auswirkt? "Durch mein Wissen esse ich sicher bewusster, aber der Genuss darf trotzdem nicht zu kurz kommen." Und weil sie weiß, dass in Stresssituationen die guten Vorsätze als Erstes über Bord gehen, spielt in ihren Beratungen der richtige Umgang mit dem "Rückfallproblem" eine ebenso große Rolle wie die schrittweise Annäherung an eine gesündere Ernährung. (grido, 3.6.2018)

    • Sonja Grünzweil ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Gesundheitsberufe Oberösterreich sowie freiberufliche Diätologin.
      foto: julia pioechl

      Sonja Grünzweil ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Gesundheitsberufe Oberösterreich sowie freiberufliche Diätologin.

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